Landeskoordinationsstelle informiert über Prävention
Gefahren der Glücksspielsucht

Münster -

Wie sehr Spielsucht das eigene Leben beeinflussen kann, wissen Mathias Wiese und Klaus Albers aus eigener Erfahrung. Beide waren jahrelang süchtig nach Automatenspielen. Am Montag waren sie im Franz-Hitze-Haus zu Gast, um Berufsschülern und Lehrern einen Einblick zu geben, wie man in die Sucht gerät – und man wie wieder herauskommt.

Dienstag, 18.02.2020, 09:00 Uhr
24 Stunden
(Symbolbild) Foto: dpa

„Wer nicht zockt gewinnt!“ Unter diesem Motto haben sich die Organisatoren der „Glüxxit on Tour“-Tagungsreihe einer schwierigen Aufgabe verschrieben: Der Glückspielsuchtprävention. Ein Thema, dass mit dem wachsenden Markt für Onlinespiele und -wetten immer wichtiger wird.

Wie sehr Spielsucht das eigene Leben beeinflussen kann, wissen Mathias Wiese und Klaus Albers aus eigener Erfahrung. Beide waren jahrelang süchtig nach Automatenspielen. Am Montag waren sie mit „Glüxxit on Tour“ im Franz-Hitze-Haus in Münster, um Berufsschülern und Lehrern einen Einblick zu geben, wie man in die Sucht gerät, und vor allem, wie wieder heraus.

Am Anfang erschien alles ganz harmlos, dann ging es rasend schnell, erinnerte sich Mathias Wiese: „Innerhalb von wenigen Monaten habe ich mein ganzes Geld verzockt.“ Er habe 2011 nach einer Sportverletzung viel Zeit und bereits Geldprobleme gehabt. „Dann bin ich irgendwann mal mit in eine Spielhalle reingelaufen.“ Er habe zwar gewusst, das etwas nicht stimme, es aber weiterlaufen lassen. „Ich habe mich selbst angelogen.“

Auf Prävention setzen

Seit einem Jahr und vier Monaten sei er spielfrei, sagte der 36-Jährige. Der Weg dahin war aber nicht ohne: zweimal war Mathias über mehrere Wochen in einer Klinik. „Jeder muss seinen Weg finden, bei manchen kann das auch eine ambulante Therapie sein“, sagt er. Ihm habe es sehr geholfen, das Thema zu kommunizieren, es nicht zu tabuisieren.

Innerhalb von wenigen Monaten habe ich mein ganzes Geld verzockt.

Mathias Wiese

Genau da setzen auch die Organisatorinnen Kathrin Waninger und Ilona Füchtenschnieder von der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW aus Bielefeld an. Dass die Schulen so interessiert an der Präventionsarbeit seien, sei „alles andere als selbstverständlich“, sagte Referent Dr. Tobias Hayer. „Vor zehn Jahren wollte keine Schule etwas mit dem Thema zu tun haben“, sagte der Suchtforscher und Diplompsychologe. Die Prävention sei gerade bei Schülern von Berufsschulen und Berufskollegs wichtig, da diese unter anderem wegen ihres Alters besonders gefährdet seien, erläutert Hayer. Außerdem „kommt das erste Geld“, sagte Mathias Wiese. Viele würden zudem nicht mehr zuhause wohnen, könnten sich selbst vom Unterricht entschuldigen.

Verborgene Sucht

Dr. Tobias Hayer sieht vor allem beim Online-Glücksspiel große Suchtgefahren: „Die hohe Verfügbarkeit ist ein Problem. Also, dass ich 24 Stunden, sieben Tage die Woche zocken kann.“ Auch das anonyme Spielen im Internet „ohne soziale Kontrolle“ und der „verschleierte Geldwert“ durch Online-Bezahlmethoden steigere das Risiko, so Hayer.

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Kathrin Waninger (oben, v. l.), Klaus Albers, Ilona Füchtenschnieder und Mathias Wiese wollen für die Suchtprävention sensibilisieren. Foto: ret

Besonders schwierig sei in dem Zusammenhang die Früherkennung: „Es ist eine heimliche und verborgene Sucht“, erklärte Hayer, man könne Betroffene nur schwer erkennen. Das konnte auch Klaus Albers bestätigen, der vier Jahre gespielt hat, ohne, dass sein privates Umfeld davon etwas mitbekommen hat: „Es fällt einfach nicht auf.“

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