Mann soll seine Tante getötet haben
Leiche von Münster nach Schleswig-Holstein gefahren: Angeklagter schweigt

Münster -

Ein 52-Jähriger ist angeklagt, seine Tante aus Münster aus Habgier ermordet zu haben. Die Staatsanwaltschaft zeichnet einen klaren Verlauf der Tat, doch die Geschichte des Angeklagten klingt gänzlich anders. 

Donnerstag, 27.02.2020, 16:09 Uhr aktualisiert: 27.02.2020, 18:51 Uhr
Mann soll seine Tante getötet haben: Leiche von Münster nach Schleswig-Holstein gefahren: Angeklagter schweigt
Im Beisein seiner Verteidiger verbarg der 52-jährige Angeklagte (l.) zu Prozessbeginn sein Gesicht hinter einem Aktenordner. Foto: Björn Meyer

Der Angeklagte erscheint am Donnerstagmorgen in dunkelblauem Sakko und weißem Hemd im Verhandlungssaal A 23 des Landgerichts. Seine grau melierten Haare sind ordentlich frisiert, sein Gesicht ist glatt rasiert. So adrett das Äußere, so gravierend sind die Vorwürfe, die ihm die Staatsanwaltschaft Münster zu Prozessbeginn macht. Sie wirft dem 52-jährigen Mann aus Holm bei Hamburg vor, seine 68-jährige Tante aus Kinderhaus im vergangenen August aus Habgier ermordet zu haben. Der Angeklagte äußerte sich am ersten Verhandlungstag nicht zu den Vorwürfen.

Unstrittig ist offenbar, dass der Mann aus Holm am 2. August zu Besuch bei seiner Tante war. Jedenfalls hatte er das bei der Vernehmung durch die Polizei bestätigt. Seit diesem Tag galt die Frau als vermisst. Vier Wochen später wurde ihre Leiche von einer Spaziergängerin in einer Böschung in Schleswig-Holstein entdeckt.

Laut der Staatsanwaltschaft habe der Angeklagte ein fälliges, ihm von seiner Tante über 25 000 Euro gewährtes Darlehen nicht zurückzahlen wollen. Darüber sei es zu einem Streit gekommen, in dessen Folge der Angeklagte seine Tante mit Gewalt gegen den Hals getötet habe und ihren Leichnam schließlich in eine Böschung nahe seines Wohnorts geworfen habe.

Der Mann aus Holm wiederum hatte gegenüber der Polizei im vergangenen August – noch vor seiner Verhaftung – geäußert, er habe seine Tante zwar besucht, allerdings nur, weil diese ihn um Hilfe bei einer ihrer Töchter gebeten habe. Die weise psychische Auffälligkeiten auf, daher habe er seiner Tante Selbstverteidigungsgriffe zeigen sollen.

Widersprüchliche Zeugenaussagen

Diesem Wunsch sei er nachgekommen. Der Angeklagte, nach eigenem Bekunden Informatiker, unterrichtet demnach nebenbei die israelische Verteidigungstechnik Krav Maga. Zudem habe seine Tante ihm an dem fraglichen Tag von zwei Männer-Bekanntschaften berichtet.
Als drei als Zeugen geladene Polizisten am Donnerstag nach und nach Details aus den Vernehmungen des Angeklagten schildern, sind für die Prozessbeobachter bereits zähe Stunden vergangen. Zunächst hatte die Verteidigung den Antrag gestellt, den Prozess zu vertagen, da noch am Vortag neue Details zur Prozessakte hinzugefügt worden waren. Schließlich legte man gegen einen der beiden Polizisten sowie eine Polizistin Vernehmungs- sowie gegen deren protokollierte Aussagen Verwertungswiderspruch ein.

So zog sich die Vernehmung der Zeugen über Stunden hin, denn immer wieder lehnte das Gericht die Anträge und Widersprüche der Verteidigung ab.
Die Zeugenaussagen brachten derweil Widersprüchliches zum Vorschein. Verschiedene EC-Karten seien bei den Unterlagen des Angeklagten gefunden worden. Darauf sei zum Teil ein Doktortitel verzeichnet gewesen. Gegenüber der Polizistin hatte der Mann allerdings bei einer Durchsuchung in seinem Haus eingeräumt, nie ein Studium beendet zu haben.

Sie habe den Eindruck gehabt, seine Stimme sei dabei sehr leise geworden, so, als solle seine Frau nichts davon erfahren, äußerte die Zeugin. Eine durchgeladene Schreckschusspistole habe er eigenen Angaben zufolge fürs Geocaching und für sein Krav-Maga-Training bei Kindern und Jugendlichen im Handschuhfach seines Auto gehabt. Und ein Vertrag über ein Darlehen sei nie unterzeichnet worden – genau diesen hatte die Polizei aber wohl wenig später gefunden.

Am 16. März wird der Prozess gegen den Angeklagten vor dem Landgericht fortgesetzt

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