Initiativen stellen Alternativen vor
Tüte, Becher, Verpackung – es geht auch ohne Plastik

Münster. -

Das Problem mit Plastik ist, dass es nicht vergeht. Aus Plastik wird irgendwann Mikroplastik, „aber nie wieder Erdöl“, sagt Anja Minhorst. Deshalb haben die Gründerin von „Natürlich unverpackt“ und Karin Eksen vom Handelsverband NRW Plastik-Alternativen vorgestellt.

Freitag, 28.02.2020, 10:00 Uhr
Karin Eksen, Anja Minhorst und Dr. Christina Willerding diskutieren über Verpackungsfreiheit und Mehrweglösungen. 
Karin Eksen, Anja Minhorst und Dr. Christina Willerding (v.l.) diskutieren über Verpackungsfreiheit und Mehrweglösungen.  Foto: Renée Trippler

Nachhaltigkeit ist ein Thema, das die Gesellschaft, Politik und dementsprechend auch den Handel beschäftigt. Nachhaltiger zu leben und zu produzieren bedeutet vor allem Müll zu vermeiden – vor allem Plastikmüll. Um Möglichkeiten aufzuzeigen, wie das in der Praxis aussehen kann, hat die Wirtschaftsförderung Münster in den Laden „Natürlich unverpackt“ eingeladen. Dabei wurden das Konzept von Geschäftsführerin Anja Minhorst und die Initiative „Münster für Mehrweg“ vorgestellt.

Auch wenn sich schon viel getan hat, „das Bewusstsein in den Köpfen angekommen ist“, wie Anja Minhorst sagte, gebe es noch viel zu tun. Die Gründerin des Unverpackt-Ladens forderte mehr Engagement seitens des Handels, vor allem aber der Verbraucher. Denn die entschieden am Ende darüber, was in den Regalen stünde.

Fünf Probleme beim Recyclen von Plastik

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  • Aber auch das deutsche Recyclingsystem hat Schwächen. An manchen wird gearbeitet, manches ändert sich schon nächstes Jahr - anderes nicht. Eine Auswahl:

    Foto: Matthias Ahlke
  • 1. Nicht jedes Plastik ist recycelbar - oder wird recycelt.

    Es gibt viele unterschiedliche Plastiksorten, nicht aus allen wird wieder ein Nutzgegenstand. Benjamin Bongardt vom Nabu nennt das Beispiel PET: Flaschen aus Polyethylenterephthalat können wieder Flaschen werden, PET-Schalen als Verpackung für Obst werden dagegen nicht recycelt. Auch Folien seien schwierig, vor allem kleinere: Dafür gebe es bisher wenige Anlagen, erklärt Bongardt. Und: Verbrennen sei billiger als wiederverwerten, sagt Stephan Eing. Er recycelt daher so viel, wie derzeit vorgeschrieben: 36 Prozent. Vom gesamten Plastikmüll werden laut Ministerium rund 45 Prozent „stofflich wiederverwertet“, also nicht verbrannt. Das neue Verpackungsgesetz erhöht ab 2019 die Quoten, 2022 sind 63 Prozent vorgesehen.

    Foto: colourbox.de
  • 2. Manchmal geht Design vor Umwelt.

    Eine Waschmittelflasche wird schwarz gefärbt, eine Shampoo-Flasche ist komplett von einer dünnen bedruckten Folie umschlossen. Das mag gut aussehen - erschwert oder verhindert aber oft das Recycling, weil die Maschinen das Material nicht erkennen und sortieren können. Ab 2019 müssen deswegen die Dualen Systeme von den Herstellern für schlecht recycelbare Verpackungen mehr Lizenzgebühren verlangen als für andere. Manche Hersteller wollen auch keine Recyclate, also wiederverwertetes Plastik, einsetzen, weil es zum Beispiel grau ist statt strahlend weiß.

    Foto: colourbox.de
  • 3. Nicht das ganze Plastik landet im Recycling-System.

    Viele wissen gar nicht, dass sie in die gelbe Tonne oder den gelben Sack nur Verpackungen werfen dürfen. Also zum Beispiel keine Strohhalme, aber die Folie um die Halme schon. Immerhin ist der Anteil hoch: „40 Prozent aller Kunststoffe gehen in die Verpackung“, sagt Bongardt, „und Verpackungen werden sofort zu Müll.“ Darum steht Verpackungsmüll oft so im Fokus. Der Rest allerdings landet im Restmüll, der nur vereinzelt noch mal sortiert wird, die Regel ist Verbrennung. Eine orangene Wertstofftonne, in die jedes Plastik (und Metall) hinein darf, erhöht den Anteil. Es gibt sie aber nur, wo sich Kommunen und Duale Systeme darauf verständigen. Ein neuer Anlauf, eine solche Wertstofftonne flächendeckend einzuführen, ist nicht geplant.

    Foto: Patrick Pleul
  • 4. Irgendwann ist Schluss mit Recycling.

    Bei manchen Kunststoffarten, insbesondere bei PET-Flaschen, ist ein geschlossener Kreislauf möglich, aber die Regel ist das nicht. Recycling ist oft „Downcycling“: Aus PET-Einwegflaschen wird dann zum Beispiel doch keine neue Flasche, sondern Fasern für die Textilindustrie, die nicht erneut wiederverwertet werden können. Die Plastiksorten PE und PP, also die mehrheitlich eingesetzten Polyolefine, verlieren bei jeder Behandlung an Qualität, erklärt Rolf Buschmann von der Umwelt-Organisation BUND.

    Foto: Jens Kalaene
  • 5. Das System hat Schwächen.

    Die verschiedenen Verpackungsmüll-Entsorger - die Dualen Systeme - stehen in Konkurrenz zueinander. Immer wieder gibt es Klagen über „schwarze Schafe“, die rechtliche Schlupflöcher nutzen und Billig-Angebote auf Kosten der anderen machen, sowie Unstimmigkeiten bei den gemeldeten Abfall-Zahlen. Für Streit sorgt unter anderem Verpackungsmüll etwa aus dem Online-Versandhandel, für den niemand Lizenzgebühren gezahlt hat. Hier soll die Zentrale Stelle, eine neue Behörde, ab 2019 für mehr Transparenz sorgen.

    Foto: Patrick Pleul

Initiative „Münster für Mehrweg“ organisiert Projekte 

Um Plastikmüll zu reduzieren haben sich die Stadtverwaltung der Handelsverband NRW, die Abfallwirtschaftsbetriebe und zahlreiche lokale Akteure, wie die Marktbeschicker des Marktes am Dom 2016 zu der Initiative „Münster für Mehrweg“ zusammengeschlossen. Gemeinsam organisierten sie Projekte, um das Bewusstsein für das Thema zu stärken und „Alternativen für nicht-essbare Einweg-Produkte“ anzubieten, sagte Karin Eksen , Geschäftsführerin des Handelsverbandes.

Dazu gehöre das Angebot von Mehrwegtüten und Kaffee-Bechern, aber auch das „Spühlmobil“, das für Veranstaltungen gebucht werden kann. Dort soll Einweggeschirr weitestgehend vermieden werden. Nach der Stadtfest-Genehmigung für Münster sei die Nutzung von Plastikbechern, Geschirr und Besteck bereits untersagt. „Wir wollen viele Menschen zum Mitdenken und Mitmachen bewegen“, sagte Eksen. “Jeder Verbraucher kann seinen Teil beitragen.“

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