Evangelischer Kirchenkreis
Holger Erdmann ist neuer Superintendent

Münster -

Viereinhalb Monate nach dem plötzlichen Tod von Superintendent Ulf Schlien hat der Evangelische Kirchenkreis Münster einen Nachfolger gewählt. Die Mehrheit kam erst im fünften Wahlgang zustande.

Freitag, 28.02.2020, 15:00 Uhr aktualisiert: 28.02.2020, 21:23 Uhr
Holger Erdmann (l.) ist neuer Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Münster.
Holger Erdmann (l.) ist neuer Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Münster.

Wie sieht die Kirche in 20 Jahren aus? Es war vor allem diese Frage, der sich die drei Kandidaten für das Super­intendentenamt in der Erlöserkirche stellen mussten. Und es war letztlich Holger Erdmann , der sie offenbar am überzeugendsten beantworten konnte.

„Unsere Kirche ist in 20 Jahren anders“, machte er den 88 Synodalen deutlich. „Sie ist kleiner, sie ist älter, sie hat weniger Personal und weniger Geld. Aber wir werden unsere Stimme in der Gesellschaft einbringen.“ Es sei wichtig, dafür heute schon die Weichen zu stellen. Es gehe nicht nur darum, einen „Verkleinerungsprozess“ zu bewältigen, vielmehr gelte es den Wandel zu gestalten. Die Kirche müsse im ökumenischen Miteinander die Chance nutzen, sich zu profilieren: „Die Zukunft ist ungewiss, aber gewiss in Gottes Hand“, beschloss Erdmann seine Rede vor den Synodalmitgliedern.

Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Meyer und Erdmann

Die Wahl war knapp. Im ersten Wahlgang lagen Erdmann (30 Stimmen), Pfarrer Dr. Lutz Meyer aus Cuxhaven (30 Stimmen) und Kirchenrätin Daniela Fricke aus Bielefeld (26 Stimmen) annähernd gleichauf. Im zweiten, dritten und vierten Wahlgang gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden männlichen Bewerber, deren Stimmenabstand sich nur allmählich vergrößerte. Als im vierten Wahlgang Holger Erdmann 51 Stimmen, Lutz Meyer aber nur 37 erhielt, zog dieser seine Kandidatur zurück. Und verabschiedete sich mit einer so aufmunternden, begeisterten Dankesrede, dass er mit stehendem Beifall gefeiert wurde.

Ein fünfter Wahlgang war erforderlich: Die Synode hat theoretisch 110 Mitglieder, der neue Superintendent benötigte also mindestens 56 Stimmen. Holger Erdmann bekam schließlich 63 Stimmen – bei einer Gegenstimme, acht ungültigen Stimmen und 16 Enthaltungen.

Der in Witten im Ruhrgebiet geborene Erdmann ist 48 Jahre alt und ledig. Er ist seit 2003 Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Borghorst-Horstmar im Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken; sein Vorgänger im Superintendentenamt, Ulf Schlien, war bis 2017 Pfarrer der Nachbargemeinde in Nordwalde, die beiden waren gut befreundet. Seit März 2018 ist Erdmann auch als stellvertretender Synodalassessor tätig. Darüber hinaus unterrichtet er an der Städtischen Realschule Burgsteinfurt das Fach Evangelische Religionslehre.

Bis zu Erdmanns Amtseinführung wird noch einige Zeit vergehen, der Kirchenkreis rechnet dem Vernehmen nach mit einem Termin im Juni.

Das macht ein Superintendent

Der Superintendent - oder die Superintendentin - ist leitender Pfarrer bzw. Pfarrerin eines Kirchenkreises. Er oder sie wird von der Kreissynode gewählt und leitet laut Kirchenordnung den Kirchenkreis in gemeinsamer Verantwortung mit den übrigen Mitgliedern des Kreissynodalvorstandes. Der Superintendent hat dabei auch die Aufgabe, die Kirche nach außen zu vertreten. Er oder sie ist Dienstvorgesetzter der Pfarrerinnen und Pfarrer und kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dem Kirchenkreis direkt unterstehen, berichtet der Kirchenkreis.

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Kommentar: ein ehrliches Ergebnis

Es war kein überwältigendes, eher ein ehrliches Wahlergebnis: 63 Synodale sprachen sich im fünften Wahlgang – ohne Gegenkandidaten – für Holger Erdmann aus. Das sind nur sieben Stimmen mehr als eben nötig. Ein Zeichen der Zurückhaltung: Die Synodalen mochten sich von den beiden starken Mitbewerbern, die im ersten Wahlgang annähernd gleichauf lagen, nicht leicht verabschieden. Vor allem aber hat der Kirchenkreis nun in kurzer Zeit zum dritten Mal einen neuen Superintendenten wählen müssen – das ist an sich schon herausfordernd. Da mag es schwerfallen, sich für einen Kandidaten zu begeistern, der weiterhin auf die Bereitschaft zur Veränderung setzt, noch dazu auf Verkleinerung, auf Konzen­tration. Andererseits ist Holger Erdmann ein Pfarrer mit westfälischer Bodenhaftung, mit Gemeinde­erfahrung und jugendlich wirkender Begeisterungsfähigkeit. Das dürfte ihm letztlich die Mehrheit gesichert haben.
Lukas Speckmann

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