Coronavirus in Münster
Corona-Patient ist jetzt zu Hause in Quarantäne

Münster -

Der Münsteraner, bei dem eine Corona-Infektion nachgewiesen wurde, hat inzwischen die Uniklinik verlassen. Er befindet sich jetzt in seiner Wohnung in Quarantäne. Unterdessen sind mehrere Kongresse, die im März in Münster stattfinden sollten, abgesagt worden.

Dienstag, 03.03.2020, 19:00 Uhr aktualisiert: 04.03.2020, 10:38 Uhr
Das UKM hat einen Bereich für Corona-Verdachtsfälle eingerichtet.
Das UKM hat einen Bereich für Corona-Verdachtsfälle eingerichtet. Foto: Matthias Ahlke

Der 51-Jährige Münsteraner, der mit dem Corona-Virus infiziert ist, hat die Uniklinik Münster (UKM) verlassen und befindet sich nun in seiner Privatwohnung in Quarantäne. Dort muss er über seinen Gesundheitszustand Tagebuch führen und zwei Mal täglich Fieber messen. Die Ergebnisse muss er einmal täglich dem Gesundheitsamt mitteilen, so Behördenleiter Norbert Schulze Kalthoff.

Die Quarantäne werde frühestens in zehn Tagen enden. Sollte der Mann dann symptomfrei sein, werde er innerhalb von 24 Stunden zwei Mal auf das Coronavirus getestet. Fällt das Ergebnis negativ aus, darf er seine Wohnung wieder verlassen, so Schulte Kalthoff.

Die Zusammenarbeit mit dem Mann sei sehr gut. Dennoch habe die Stadt eine Ordnungsverfügung erstellt. „So können wir über die Auflösung der Quarantäne entscheiden“, sagt der Behördenleiter. Sollte der 51-Jährige vorzeitig seine Wohnung verlassen, dann könne er „zwangsweise in ein Spezialkrankenhaus abgesondert“ werden. Dieses befinde sich in Bayern. Schulte Kalthoff geht allerdings nicht davon aus, dass dies nötig sein wird.

Unterdessen konnte der Diebstahl von Desinfektionsmittel aus einem Lager des UKM noch nicht aufgeklärt werden. Laut Polizei wurden 100 Liter gestohlen, zuvor war die Tür des Lagers aufgebrochen worden. Nun sichern Kameras den Bereich.

Veranstaltungen abgesagt

Wegen der Corona-Epidemie wurden am Dienstag mehrere Veranstaltungen in Münster abgesagt. Ein für den 7. März geplantes Symposium der Fachklinik Hornheide soll im Frühsommer nachgeholt werden. 180 Ärzte hatten sich angemeldet. Sie sollten jetzt besser in ihren Praxen sein, so Dr. Hans-Joachim Schulze, Chefarzt der Dermatologie. Zudem hat der Hausärzteverband Westfalen-Lippe seinen Hausärztetag abgesagt. Er sollte vom 5. bis 7. März in Münster stattfinden. Und auch die für den 9. März geplante Archäologie-Fachtagung des Landschaftsverbandes mit 400 Teilnehmern wurde gestrichen. Sie soll in der zweiten Jahreshälfte nachgeholt werden.

Derweil appelliert das UKM an die Bürger, Blut zu spenden. Wegen der Erkältungs- und Grippezeit sowie der Unsicherheit wegen des Coronavirus sei das Spendeaufkommen aktuell „sehr gering“. Spendewillige, die sich in einem vom Coronavirus betroffenen Risikogebiet aufgehalten haben, seien aber für vier Wochen von der Blutspende ausgeschlossen.

Ein Info-Telefon zu schulspezifischen Fragen zum Coronavirus wird ab heute die Bezirksregierung freischalten ( 411-4198, montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr).

Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

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  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

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  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

    Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland vom RKI aktuell (Stand 3.3. - zur Risikobewertung ) als mäßig eingeschätzt. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers sei zu erwarten. Diese Einschätzung könne sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

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  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Diese Fälle spielen bei der Verbreitung laut RKI jedoch „offenbar keine größere Rolle”.

    Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob SARS-CoV-2 auch fäkal-oral verbreitet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Welgesundheitsorganisation WHO scheint dieser Übertragungsweg in China keine Rolle zu spielen.

    Foto: Alissa Eckert (dpa)
  • Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

    Von den Menschen, die mit einem Kranken in Kontakt kommen, infizieren sich nach Einschätzung von Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin, derzeit „5 bis 10 Prozent".

    Die Gefahr, sich in Deutschland mit Grippe- und Erkältungsviren anzustecken, ist nach wie vor ungleich höher als eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Einige Zahlen dazu: Seit Oktober 2019 wurden in Deutschland insgesamt etwa 120.000 labordiagnostisch bestätigte Influ­enzafälle an das RKI übermittelt. Rund ein Sechstel (17 Prozent) dieser Erkrankungen verlief so schwer, dass Patienten ins Krankenhaus kamen. Nachweislich sind in dieser Grippesaison bereits rund 200 Menschen daran gestorben. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Deutschland liegt bei rund 500 (Stand 6.3., 7 Uhr, zu den aktuellen Fallzahlen ), einen Todesfall gab es bislang nicht.

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  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

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  • Welche Verhaltensregeln gibt es?

    Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. 

    Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

    Foto: dpa
  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte unnötige Kontakte meiden (möglichst zwei Meter Abstand zu anderen Menschen) und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

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  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

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  • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

    Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht nötig. Und auch ständiges Desinfizieren der Hände ist laut Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen, überflüssig.

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  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

    Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

    Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

    Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

    Foto: dpa
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