Abendvisite zum Thema Vorhofflimmern
Das Herz verliert den Takt

Münster -

Bis zu zwei Millionen Menschen in Deutschland, so die Schätzung, sind von Vorhofflimmern betroffen. Manchmal ist es so schnell wieder vorbei, wie es aufgetreten ist. Trotzdem sollte man die Beschwerden ernst nehmen.

Mittwoch, 04.03.2020, 22:00 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 16:16 Uhr
Als Direktor der Klinik für Kardiologie und Rhythmologie ist Prof Dr. Lars Eckardt (r.) ein ausgewiesener Experte zum Thema „Vorhofflimmern“. Chefredakteur Dr. Norbert Tiemann moderierte die Abendvisite im Vortragssaal der Bezirksregierung.
Als Direktor der Klinik für Kardiologie und Rhythmologie ist Prof Dr. Lars Eckardt (r.) ein ausgewiesener Experte zum Thema „Vorhofflimmern“. Chefredakteur Dr. Norbert Tiemann moderierte die Abendvisite im Vortragssaal der Bezirksregierung. Foto: Matthias Ahlke

Vorhofflimmern –was ist das überhaupt? Wie kommt es dazu? Welche Beschwerden spürt der Betroffene? Kann man es selbst verhindern? Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Prof. Dr. Lars Eckardt blätterte in der Abendvisite am Dienstag ein breites Spektrum vor seinen Zuhörern auf – und arbeitete damit einen Fragenkatalog ab, den viele Zuhörer buchstäblich auf dem Herzen hatten. Auch aus dem Besucherkreis kamen noch einmal mindestens ebenso viele Fragen, um für sich selbst ein bisschen Beruhigung, zusätzliche Informationen und Ratschläge mit nach Hause zu nehmen.  Eins wurde schnell klar: „Menschen, die Vorhofflimmern erleben, die trifft es meistens aus heiterem Himmel. Besonders beim ersten Mal. Da entsteht Panik: sie verspüren große Angst, was da gerade mit ihrem Herz passiert“, berichtete der Direktor der Klinik für Kardiologie und Rhythmologie am Universitätsklinikum Münster (UKM) aus der täglichen Praxis. Tatsache sei auch: „Es geht manchmal ebenso schnell wieder vorbei, wie es aufgetreten ist.“

Doch das mache es nicht ungefährlicher: „Es ist nicht die Herzrhythmusstörung an sich, die so gefährlich ist, viel größer ist dabei das Risiko eines Schlaganfalls“, erläuterte der Kardiologe, weshalb es dann in der Therapie nicht mehr „nur“ um die Behandlung des Herzens gehe, sondern auch um die entsprechende Medikation, um eine Gerinnselbildung des Blutes und damit einen Gefäßverschluss im Kopf zu verhindern. Untersuchungen hätten gezeigt, dass etwa ein Drittel aller Schlaganfälle auf Vorhofflimmern zurückzuführen sei.

Die Erkrankung zähle längst zu den sogenannten Volkskrankheiten – bis zu zwei Millionen Menschen in Deutschland, so die Schätzung, seien aktuell davon betroffen. Bei vielen finde sich leider nicht die Ursache für ihr Vorhofflimmern. Es gebe durchaus die genetische  Komponente und familiäre Vorbelastung, bei anderen reiche manchmal schon ein Glas Rotwein, das einen Vorfall auslösen könne. Auch übermäßiger Sport könne ein „Trigger“ sein. Weitere Risikofaktoren seien zu hoher Blutdruck, Übergewicht, ein ungesunder Lebensstil.

Ziel der Behandlung müsse es immer sein, dem Patienten den Leidensdruck zu nehmen. Medikamente zählten zur Palette der Therapiemöglichkeiten, auch eine Kardioversion, bei der das Herz durch Stromstöße wieder in den richtigen Rhythmus zurückfinden könne. Das sei vielfach eine akute Hilfe, bedeute aber nicht, dass ein Vorhofflimmern damit für die Zukunft ausgeschlossen bleibe. Trete es weiterhin und immer öfter auf, blieben als Therapiemöglichkeiten ein Herzschrittmacher oder eine Katheterablation, bei der entweder durch Hitze oder Kälte Gewebe verödet wird, um das Flimmern zu verhindern. Auch da lehre die Erfahrung: „Wir erzielen gute Ergebnisse, aber 20 bis 30 Prozent der Patienten müssen die Behandlung wiederholen.“

Etwa 1500 dieser Ablationen würden jährlich von den Kardiologen am UKM durchgeführt – damit zähle die Abteilung zu einem der größten Zentren in diesem Bereich.

Wichtig sei, für jeden Betroffenen individuell die richtige Therapie aufzubauen: „Wir erleben täglich, wie verunsichert die Menschen sind.“ Auf den eigenen Körper achten, die Beschwerden ernst zu nehmen sei wichtig, auf der anderen Seite dürfe man dabei nicht zum Opfer seiner „Pulsuhr“ werden und schon gar nicht die Beipackzettel der Medikamente zum Maßstab für deren Einnahme machen: „Lesen Sie sie besser erst gar nicht, vertrauen Sie Ihrem Arzt.“

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