Die Auswirkungen des Coronavirus
Uni startet planmäßig, UKM stockt Kapazitäten auf

Münster -

Ab kommender Woche kann die Uniklinik deutlich mehr Coronavirus-Tests durchführen als bisher – falls dies erforderlich sein sollte. Universität und Fachhochschule haben derweil angekündigt, dass Lehrveranstaltungen wie geplant stattfinden sollen. Das gilt auch für den Send.

Mittwoch, 04.03.2020, 19:30 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 09:12 Uhr
Die Auswirkungen des Coronavirus : Uni startet planmäßig, UKM stockt Kapazitäten auf
Das Coronavirus hat auch in Münster bereits Auswirkungen. Foto: dpa

Ab kommender Woche können an der Uniklinik deutlich mehr Coronavirus-Tests durchgeführt werden als bisher. Die neuen, leistungsfähigeren Maschinen seien bereits an der Uniklinik eingetroffen, berichtet der Leiter des Instituts für Molekulare Virologie, Direktor Prof. Dr. Stephan Ludwig . Bei Bedarf könnten ab 9. März täglich zwischen 500 und 700 Proben untersucht werden.

Zugleich hat das UKM einen Dienstreisestopp für „systemrelevante Mitarbeiter“ verhängt, so Ludwig. Es handele sich dabei um „eine reine Vorsichtsmaßnahme“, um für Eventualitäten gewappnet zu sein.

Semester soll wie geplant starten

Unterdessen hat ein Sprecher der Universität klargestellt, dass das Sommersemester wie geplant am 6. April starten soll. Auch an der Fachhochschule (FH) sollen alle Lehr- und Weiterbildungsveranstaltungen regulär stattfinden. Dienstreisen nach China, Südkorea und in den Iran sowie in weitere, vom Robert-Koch-Institut definierte Risikogebiete werden an der FH bis auf weiteres nicht genehmigt.

Info-Hotline der Stadt

Die Hotline des Gesundheitsamtes, an die sich Bürger mit Fragen rund um das Coronavirus wenden können, ist am Mittwochmorgen freigeschaltet worden. Sie ist unter 0251 492 10 77 montags bis mittwochs von 8 bis 17 Uhr, donnerstags von 8 bis 18 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr erreichbar.

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Veranstaltungen, die nicht dem Studien- und Weiterbildungsbetrieb zuzurechnen sind und die sich an die Öffentlichkeit oder Hochschulexterne richten, werden hingegen ab sofort abgesagt, berichtet die Fachhochschule. Diese Regelung gelte zunächst für Veranstaltungen, die bis zum 31. März geplant waren.

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Prof. Dr. Stephan Ludwig leitet das Institut für Molekulare Virologie an der WWU. Foto: Matthias Ahlke

Wir tun alles in unserer Macht Stehende, um den Lehrbetrieb nicht zusätzlich zu gefährden und die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels

Das Rektorat der Universität hat am Mittwoch ebenfalls alle öffentlichen Veranstaltungen außerhalb des Lehrbetriebs bis Ende März abgesagt. Diese Entscheidung habe man sich nicht leicht gemacht: „Wir tun alles in unserer Macht Stehende, um den Lehrbetrieb nicht zusätzlich zu gefährden und die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen“, betont Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels. Von den Absagen ist unter anderem die Kinder-Uni am 13. März betroffen. Die Universität hat nach eigenen Angaben einen Kommunikationsstab eingerichtet, der regelmäßig die Lage analysiert und Maßnahmen entwickelt, um Übertragungen und Infektionsketten weitestgehend zu verhindern.

Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

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  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

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  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

    Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland vom RKI aktuell (Stand 3.3. - zur Risikobewertung ) als mäßig eingeschätzt. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers sei zu erwarten. Diese Einschätzung könne sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Diese Fälle spielen bei der Verbreitung laut RKI jedoch „offenbar keine größere Rolle”.

    Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob SARS-CoV-2 auch fäkal-oral verbreitet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Welgesundheitsorganisation WHO scheint dieser Übertragungsweg in China keine Rolle zu spielen.

    Foto: Alissa Eckert (dpa)
  • Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

    Von den Menschen, die mit einem Kranken in Kontakt kommen, infizieren sich nach Einschätzung von Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin, derzeit „5 bis 10 Prozent".

    Die Gefahr, sich in Deutschland mit Grippe- und Erkältungsviren anzustecken, ist nach wie vor ungleich höher als eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Einige Zahlen dazu: Seit Oktober 2019 wurden in Deutschland insgesamt etwa 120.000 labordiagnostisch bestätigte Influ­enzafälle an das RKI übermittelt. Rund ein Sechstel (17 Prozent) dieser Erkrankungen verlief so schwer, dass Patienten ins Krankenhaus kamen. Nachweislich sind in dieser Grippesaison bereits rund 200 Menschen daran gestorben. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Deutschland liegt bei rund 500 (Stand 6.3., 7 Uhr, zu den aktuellen Fallzahlen ), einen Todesfall gab es bislang nicht.

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  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

    Foto: dpa
  • Welche Verhaltensregeln gibt es?

    Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. 

    Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

    Foto: dpa
  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte unnötige Kontakte meiden (möglichst zwei Meter Abstand zu anderen Menschen) und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

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  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

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  • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

    Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht nötig. Und auch ständiges Desinfizieren der Hände ist laut Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen, überflüssig.

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  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

    Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

    Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

    Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

    Foto: dpa

Send soll wie geplant stattfinden

Nicht nur der Wochenmarkt auf dem Domplatz soll weiter wie geplant stattfinden – auch der Frühjahrssend, der am 14. März beginnt, ist nach derzeitigem Stand nicht von einer Absage bedroht. Dies gab der Leiter des Krisenstabes der Stadt Münster, Stadtrat Wolfgang Heuer, am Mittwoch bekannt. „Ich sehe hier keine Gefährdung für den einzelnen Besucher“, so Heuer.

Wir gehen die Herausforderungen mit großer Ernsthaftigkeit an und kooperieren mit wichtigen Einrichtungen und Institutionen, auch in der Region.

Oberbürgermeister Markus Lewe

Das Gremium tagte bereits zum zweiten Mal in dieser Woche, die nächste Sitzung ist für Freitag geplant. Erstmalig waren Vertreter von Polizei, Kassenärztlicher Vereinigung, Medizinischer Fakultät und Stadtwerken dabei. Man habe über die „verschiedensten Lagebilder“ gesprochen, so Heuer. Unter anderem sollen beim Umgang mit der Epidemie verstärkt Schulen und Kindertagesstätten über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten werden. „Wir gehen die Herausforderungen mit großer Ernsthaftigkeit an und kooperieren mit wichtigen Einrichtungen und Institutionen, auch in der Region“, betonte Oberbürgermeister Markus Lewe. „Dabei setzen wir auf umfassende, sachliche Informationen, die den Bürgern ein angemessenes Verhalten ermöglichen sollen.“

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