Sechs weitere bestätigte Corona-Fälle in Münster
Marienschule und Outlaw-Kita in Hiltrup werden geschlossen

Münster -

Es gibt weitere Coronavirus-Fälle: Die Marienschule wird für 12 Tage geschlossen, auch die Outlaw-Kita im Stadtteil Hiltrup wurde vorsorglich dicht gemacht.

Donnerstag, 05.03.2020, 20:05 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 20:07 Uhr
Sechs weitere bestätigte Corona-Fälle in Münster: Marienschule und Outlaw-Kita in Hiltrup werden geschlossen
(Symbolfoto) Foto: dpa

Die Eltern der 883 Schülerinnen sind von Schulleiter Arno Fischedick per Mail informiert worden, sie hätten „relativ friedlich“ reagiert: Das Gesundheitsamt der Stadt Münster hat am Donnerstag wegen der vereinbarten Sicherheitsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem sich aus­breitenden Coronavirus beschlossen, dass die bischöfliche Marienschule ab Freitag (6. März) bis einschließlich 17. März (Dienstag) geschlossen wird. Betroffen sind davon auch 81 Lehrer und Mitarbeiter.

Der Grund: Vier Schülerinnen des Mädchen-Gymnasiums, alle aus einer Familie im Kreis Coesfeld, seien positiv getestet worden und wie deren Angehörige in häuslicher Quarantäne. Ebenfalls zu Hause sind die Mitschüler, die die gleichen Kurse und Klassen wie die vier Schülerinnen besuchen.

Der Weg der Infektion lässt sich zu dem inzwischen entlassenen Patienten aus dem Clemenshospital zurückverfolgen, bei dem das Virus bestätigt wurde. Das gilt auch für ein Kind, das die Outlaw-Kita in Hiltrup besucht. Auch bei diesem Kind wurde das Coronavirus bestätigt, die Kindertagesstätte vorsorglich geschlossen.

LWL-Mitarbeiterin infiziert

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe bestätigt, dass eine Mitarbeiterin erkrankt sei. Die Frau, auch aus dem Kreis Coesfeld, sei in häuslicher Quarantäne, ebenso wie 17 Kollegen, die sich dem Test unterziehen.

Krankenhausmitarbeiter in Quarantäne

Das Gesundheitsamt hat eine gute Handvoll Mitarbeiter des Clemenshospitals, darunter Ärzte, für die nächsten 14 Tage in häus­liche Quarantäne geschickt. Das bestätigte die Leitung des Krankenhauses. Das medizinische Personal hatte ebenfalls Kontakt zu dem an dem Virus erkrankten Mann aus Senden, der im Clemenshospital operiert werden sollte, aber dann wegen Fiebers auf das Coronavirus positiv getestet worden war.

Kontakt zu anderen Patienten habe der 49-jährige Sendener kaum gehabt. Die Patientenversorgung sei daher nicht betroffen.

Schulzentrum in Kinderhaus

Weitere Verdachtsfälle gibt es in Kinderhaus: Ein Mitarbeiter der Julius-Moses-Kita am Dahlweg, in der eine infizierte Erzieherin gearbeitet hat, wohnt in dem Stadtteil. Er und seine Familie stehen unter Quarantäne. Je eines der Geschwisterkinder besucht das Geschwister-Scholl-Gymnasium bzw. die Geschwister-Scholl-Realschule. Der Schulleiter informierte die Eltern. Das Schulzen­trum in Kinderhaus müsse aktuell keine konkreten Maßnahmen ergreifen.

Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

1/11
  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

    Foto: dpa
  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

    Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland vom RKI aktuell (Stand 3.3. - zur Risikobewertung ) als mäßig eingeschätzt. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers sei zu erwarten. Diese Einschätzung könne sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Diese Fälle spielen bei der Verbreitung laut RKI jedoch „offenbar keine größere Rolle”.

    Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob SARS-CoV-2 auch fäkal-oral verbreitet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Welgesundheitsorganisation WHO scheint dieser Übertragungsweg in China keine Rolle zu spielen.

    Foto: Alissa Eckert (dpa)
  • Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

    Von den Menschen, die mit einem Kranken in Kontakt kommen, infizieren sich nach Einschätzung von Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin, derzeit „5 bis 10 Prozent".

    Die Gefahr, sich in Deutschland mit Grippe- und Erkältungsviren anzustecken, ist nach wie vor ungleich höher als eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Einige Zahlen dazu: Seit Oktober 2019 wurden in Deutschland insgesamt etwa 120.000 labordiagnostisch bestätigte Influ­enzafälle an das RKI übermittelt. Rund ein Sechstel (17 Prozent) dieser Erkrankungen verlief so schwer, dass Patienten ins Krankenhaus kamen. Nachweislich sind in dieser Grippesaison bereits rund 200 Menschen daran gestorben. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Deutschland liegt bei rund 500 (Stand 6.3., 7 Uhr, zu den aktuellen Fallzahlen ), einen Todesfall gab es bislang nicht.

    Foto: dpa
  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

    Foto: dpa
  • Welche Verhaltensregeln gibt es?

    Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. 

    Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

    Foto: dpa
  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte unnötige Kontakte meiden (möglichst zwei Meter Abstand zu anderen Menschen) und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

    Foto: dpa
  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

    Foto: dpa
  • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

    Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht nötig. Und auch ständiges Desinfizieren der Hände ist laut Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen, überflüssig.

    Foto: dpa
  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

    Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

    Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

    Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

    Foto: dpa

Die Kindertagesstätte am Dahlweg ist für zwei Wochen geschlossen worden, weil sich eine Erzieherin infiziert hatte. Hier sind 40 Kinder und Eltern in häuslicher Quarantäne. Die Testergebnisse, ob sie sich angesteckt haben, liegen noch nicht vor. Zudem hatte sich ein Münsteraner bei einer Reise in den Iran infiziert. 

Nicht bestätigt hat sich ein Verdachtsfall bei der LVM-Versicherung. Die Mitarbeiterin, die Kontakt zu einer erkrankten Person hatte und wie ihre Arbeitskollegen in Quarantäne geschickt worden war, sei nicht infiziert. Das ergaben die Testergebnisse, teilte ein Versicherungssprecher mit. Die betroffene Abteilung werde wieder zeitnah geöffnet. Die Mitarbeiter, die mobil von zu Hause gearbeitet haben, können zurückkehren.

Ärzte kommen zu Sonderversammlung zusammen

Münsters Krisenstab legte am Donnerstag fest, dass die Stadt Quarantänemaßnahmen nur noch für die Personen vorsieht, die einen direkten und unmittelbaren Kontakt zu erkrankten Menschen hatten, so Leiter Wolfgang Heuer.

Zu einer Sonderversammlung trafen sich die niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte Münsters mit den leitenden Ärzten sämtlicher Kinder- und Jugendkliniken. Die Mediziner bitten Patienten bei Corona-Verdacht dringend darum, nicht unangemeldet in die Praxis zu gehen, sondern vorher telefonischen Rat einzuholen.

Info-Telefon

Die Stadt Münster hat ein Info-Telefon eingerichtet unter 0251 / 492-1077. Die vorläufigen Beratungszeiten:
Montag bis Mittwoch 8 bis 17 Uhr
Donnerstag 8 bis 18 Uhr
Freitag 8 bis 12 Uhr

Weitere Infos hält die Stadt auf einer Webseite bereit.

Sollten sich über diese Information hinaus weitere Fragen ergeben, können Sie die Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung unter Telefon 116117 erreichen.

Auch das Gesundheitsministerium Nordrhein-Westfalen hat ein Bürgertelefon unter der Nummer 0211/8554774 eingerichtet. Das Service-Center der Landesregierung ist Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr erreichbar.

Die Rufnummer des Bürgertelefons im Bundesministerium für Gesundheit lautet 030/346465100.

Für die Suche nach einem Hausarzt / einer Hausärztin empfiehlt sich die Webseite der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7311759?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Nachrichten-Ticker