Coronavirus in Münster
Infektionsketten lassen sich nicht mehr eindeutig nachweisen

Münster -

Die bedeutendste Nachricht des dreizehnten Tags mit Corona-Infizierten in Münster: Die Infektionsketten lassen sich nicht mehr eindeutig nachweisen. Zudem zittert eine ganze Branche vor weiteren Folgen.

Donnerstag, 12.03.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 12.03.2020, 22:56 Uhr
04.03.2020, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Ein Mann desinfiziert sich die Hände im Wartebereich. Das neue Corona-Diagnostikzentrum der Stadt wurde vorgestellt. Patienten, die Symptome des Coronavirus zeigen, sollen hier getestet werden. Foto: Fabian Strauch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
04.03.2020, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Ein Mann desinfiziert sich die Hände im Wartebereich. Das neue Corona-Diagnostikzentrum der Stadt wurde vorgestellt. Patienten, die Symptome des Coronavirus zeigen, sollen hier getestet werden. Foto: Fabian Strauch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: dpa

Die Pressestelle der Stadt meldet am Donnerstagnachmittag 16 labortechnisch bestätigte Fälle des Coronavirus. Laut Mitteilung der Bezirksregierung, die sich auf Zahlen des Krisenstabs der Stadt bezieht, sind es zum gleichen Zeitpunkt sogar 20 Infizierte.

Abseits dieser Ungereimtheit ist vor allem die Erkenntnis interessant, dass obwohl die Erkrankungen an Covid-19 in der Stadt auf einem überschaubaren Niveau lägen, sich die Infektionsketten in einigen Fällen nicht mehr verlässlich nachweisen ließen, so die Verwaltung. „Prävention wird von Tag zu Tag wichtiger. Jeder kann dazu beitragen, die Ausbreitung zu verlangsamen“, appelliert Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer .

"Sauberes Münster" abgesagt

Viele Einrichtungen reagieren bereits, so sind alle öffentlichen Veranstaltungen der Musikhochschule im März abgesagt. Zudem wurde die Abfallsammelaktion „Sauberes Münster“ abgesagt. Man bedaure dies, sehe sich aber in der Verantwortung, so AWM-Betriebsleiter Patrick Hasenkamp.

Das Theater Münster sagte kurzfristig sämtliche Vorstellungen für Donnerstagabend ab, weil es einen Corona-Verdachtsfall im Ensemble gibt .

Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

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  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

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  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

    Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland vom RKI aktuell (Stand 3.3. - zur Risikobewertung ) als mäßig eingeschätzt. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers sei zu erwarten. Diese Einschätzung könne sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

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  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Diese Fälle spielen bei der Verbreitung laut RKI jedoch „offenbar keine größere Rolle”.

    Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob SARS-CoV-2 auch fäkal-oral verbreitet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Welgesundheitsorganisation WHO scheint dieser Übertragungsweg in China keine Rolle zu spielen.

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  • Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

    Von den Menschen, die mit einem Kranken in Kontakt kommen, infizieren sich nach Einschätzung von Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin, derzeit „5 bis 10 Prozent".

    Die Gefahr, sich in Deutschland mit Grippe- und Erkältungsviren anzustecken, ist nach wie vor ungleich höher als eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Einige Zahlen dazu: Seit Oktober 2019 wurden in Deutschland insgesamt etwa 120.000 labordiagnostisch bestätigte Influ­enzafälle an das RKI übermittelt. Rund ein Sechstel (17 Prozent) dieser Erkrankungen verlief so schwer, dass Patienten ins Krankenhaus kamen. Nachweislich sind in dieser Grippesaison bereits rund 200 Menschen daran gestorben. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Deutschland liegt bei rund 500 (Stand 6.3., 7 Uhr, zu den aktuellen Fallzahlen ), einen Todesfall gab es bislang nicht.

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  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

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  • Welche Verhaltensregeln gibt es?

    Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. 

    Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

    Foto: dpa
  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte unnötige Kontakte meiden (möglichst zwei Meter Abstand zu anderen Menschen) und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

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  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

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  • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

    Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht nötig. Und auch ständiges Desinfizieren der Hände ist laut Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen, überflüssig.

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  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

    Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

    Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

    Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

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Clubbetreiber machen weiter

Unklar ist derweil, wie die Stadt mit Veranstaltungen unter 1000 Teilnehmern umzugehen gedenkt. Auf Nachfrage unserer Zeitung war am Donnerstag zu hören, dass man sich dazu am Freitag äußern wolle. Ausgeweitete Maßnahmen auch auf kleinere Veranstaltungen – schon jetzt sind nach einem Erlass des Landes NRW Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern untersagt – würden nicht zuletzt viele Gastronomen und Clubbetreiber treffen. Schon in den vergangenen zwei Wochen habe die Branche starke Umsatzrückgänge zu verzeichnen, sagte unserer Zeitung am Donnerstag Thomas Pieper aus der Geschäftsführung der Dockland GmbH, die in Münster unter anderem das Heaven und das Fusion betreibt. Ein Grund dafür sei, dass vor allem Firmenveranstaltungen reihenweise abgesagt würden.

Kettenreaktion für zahlreiche Branchen

Pieper sprach in diesem Zusammenhang von einer gigantischen Kettenreaktion für zahlreiche Branchen und forderte schnellere Hilfen vom Staat, als diese bislang zu erkennen seien. Für die eigenen Clubs hat die Dockland GmbH derweil bereits Maßnahmen beschlossen. So soll sich unter anderem der Einlass auf maximal 60 Prozent der genehmigten Auslastung beschränken.

Auch weitere Betreiber meldeten am Donnerstag, ihre Clubs blieben geöffnet – bis auf Weiteres.

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