Gemeinsam durch die Corona-Krise
Studenten organisieren ehrenamtliche Einkaufshilfe

Münster -

Das Coronavirus hat die Stadt fest im Griff, die Zahl der Infizierten steigt täglich. Doch der Infektionswelle folgt eine Welle der Hilfsbereitschaft. Unter anderem engagieren sich bereits 300 Freiwillige bei einer Einkaufshilfe für ältere Menschen.

Dienstag, 17.03.2020, 06:30 Uhr aktualisiert: 17.03.2020, 12:17 Uhr
Studenten im Einsatz (v.l.): Theresa Heib, Lena Balitzki und Jonas Bauhaus
Studenten im Einsatz (v.l.): Theresa Heib, Lena Balitzki und Jonas Bauhaus Foto: Matthias Ahlke

Es herrscht Ausnahmezustand. Das gilt für Münster genauso wie für den Rest des Landes. Das Coronavirus breitet sich aus. Doch mit den Einschränkungen im öffentlichen Leben geht eine Welle der Hilfsbereitschaft einher. Nachbarn organisieren sich und bieten vor allem älteren Menschen Hilfe an.

Auch Lena Balitzki , Marius Mehling und Franziska Breulmann wollten nicht tatenlos bleiben. In der vergangenen Woche haben die drei Medizinstudenten angefangen, eine ehrenamtliche Einkaufshilfe zu organisieren. „Aus Berichten aus anderen Städten und gerade aus Italien haben wir diese Idee entwickelt“, sagt Lena Balitzki.

Hilfe für Risikogruppen

Es geht um Hilfe für Menschen, die durch das Virus besonders gefährdet sind: ältere Menschen und Vor­erkrankte. Ob das Einkaufen im Supermarkt oder die Medikamente, die in der Apotheke besorgt werden müssen – für die Risikogruppen bergen solche Erledigungsgänge große Gefahren.

Kommentar: Münster hält zusammen

Das Coronavirus ist eine Herausforderung – für Gesundheitssystem, Behörden, Regierende. Und vor allem für die Menschen. Das öffentliche Leben steht still, die Sorgenfalten werden tiefer. Doch auch in Krisenzeiten gibt es Hoffnung: Der Infektionswelle folgt eine bemerkenswerte Welle der Hilfsbereitschaft.

In Facebook-Gruppen, an schwarzen Brettern oder in Fluren von Mehrfamilienhäusern – die Hilfsangebote sind nahezu überall. Und das zeigt vor allem: Münster hält zusammen. Wieder einmal. Wie schon bei der Flutkatastrophe im Juli 2014 beweisen die Menschen in dieser Stadt diese besondere Stärke. Die Bürgerinnen und Bürger unterstützen sich und helfen denen, die auf Hilfe angewiesen sind. So eine Gesellschaft ist wohl für jede Krise gut gewappnet. (Von Anna Spliethoff)

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Dort setzt die Hilfe an. Die Studenten überlegten sich ein Konzept und suchten in den Sozialen Netzwerken nach Mitstreitern. Auf die mussten sie nicht lange warten, wie Balitzki sagt: „Mittlerweile haben wir an die 300 Freiwillige.“ Dass die Resonanz so groß sein würde, damit haben die Studenten nicht gerechnet.

Maßnahmen der NRW-Landesregierung

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  • Die Bundesregierung und die Länder haben sich am Sonntag (22. März) auf weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geeinigt. Die Einschränkungen gelten zunächst bis zum 20. April.

    Foto: dpa
  • Schulen und Kitas geschlossen

    Bereits seit Montag (16.3.) sind die Schulen in NRW geschlossen. Die Lehrer blieben im Dienst, zur Vorbereitung von Abschlussarbeiten etwa oder um digitale Unterrichtsformen durchzuführen.

    Ebenso dürfen Kinder bis zum schulpflichtigen Alter seit Montag nicht mehr in Kitas gebracht werden. Kinder sollten nicht bei Großeltern untergebracht werden.

    Für die Kinder des Personals, das zur Bewältigung der Krise notwendig sei, gibt es besondere Betreuungsangebote.

    Foto: Caroline Seidel
  • Geschäfte und Läden werden geschlossen.

    In Nordrhein-Westfalen sind seit Mittwoch (18.3.) alle Geschäfte und Läden geschlossen, die nicht der täglichen Grundversorgung dienen. Supermärkte, Wochenmärkte, Apotheken, Drogerien, Baumärkte, Großmärkte, Lieferdienste, Apotheken, Zeitschriftenhandel und Friseure zum Beispiel bleiben auf. Lebensmittel dürfen sonntags verkauft werden. Aber alle großen Supermarktketten wollen vorerst bei ihren Öffnungszeiten bleiben und nicht sonntags öffnen.

    Foto: dpa
  • Spielplätze

    Alle Spiel- und Bolzplätze sind gesperrt. "Bitte jetzt nicht auf irgendwelche Wiesen ausweichen", mahnte NRW-Familienminister Stamp.

    Foto: dpa
  • Gastronomie

    Restaurants,Bars, Cafés, Kneipen und Amüsier-Etablissements müssen ganz schließen. Nur Lieferung oder Abholung sind noch möglich.

    Foto: dpa
  • Tourismus

    Hotels dürfen keine Touristen mehr beherbergen. Reisebusreisen sind verboten.

    Foto: dpa
  • ÖPNV wird eingeschränkt:

    Der öffentliche Personennahverkehr in NRW wird wegen der Corona-Krise eingeschränkt. Bahn und Busse fahren vielerorts nur noch nach dem Ferien-Fahrplan. Es wird empfohlen, nur noch in dringenden Fällen den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Fahrkarten-Kontrollen werden nicht mehr durchgeführt.

    Die Stadtwerke Münster bitten  alle Fahrgäste, in den Stadtbussen bis auf Weiteres nur die hinteren Türen für den Ein- und Ausstieg zu nutzen. Die erste Tür direkt bei der Fahrerin oder beim Fahrer bleibt vorsorglich geschlossen, im Bus werden keine Tickets mehr verkauft.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Freizeit

    Per Erlass der Landesregierung sind Veranstaltungen grundsätzlich untersagt, dazu gehören auch alle Konzerte oder Aufführungen.

    Kultureinrichtungen wie Ausstellungen und Kinos sind geschlossen. Auch Tier- und Freizeitparks müssen den Betrieb einstellen, gleiches gilt für Sportanlagen.

    Foto: Matthias Ahlke2
  • Sportbetrieb eingestellt

    Keine Spiele, kein Training. Auch Fitnessstudios und Schwimmbäder dürfen nicht mehr öffnen. Der Sport in NRW steht komplett still.

    Foto: imago-images
  • Gottesdienste abgesagt:

    Es dürfen ab sofort keine Gottesdienste mehr abgehalten werden. Alle religiösen Veranstaltungen müssen bis auf Weiteres abgesagt werden.

    Foto: Oliver Werner
  • Sommersemester-Start an NRW-Hochschulen verschoben:

    Wegen der Ausbreitung des Coronavirus wird auch der Start des Sommersemesters an den nordrhein-westfälischen Hochschulen vorerst bis zum 20. April, dem Ende der Osterferien, verschoben.

    Ursprünglich sollte das Sommersemester an den Fachhochschulen am 23. März und an den Universitäten am 6. April beginnen.

    Foto: Sebastian Gollnow
  • Operationen verschieben:

    Alle nicht zwingend nötigen Operationen in NRW sollen wegen der Coronakrise auf absehbare Zeit verschoben werden. Das sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). 

    Foto: Georg Wendt
  • Keine Besuche mehr in Pflege- und Altenheimen in NRW:

    Wegen der Ausbreitung des Coronavirus dürfen Alten- und Pflegeheime in NRW grundsätzlich nicht mehr besucht werden. Besuche seien nur in dringenden Ausnahmefällen möglich, sagte Ministerpräsident Armin Laschet bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf.

    Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Seit Montagmorgen gibt es eine „Hotline“ – ein altes Smartphone mit einer Sim-Karte – bei der sich Hilfebedürftige melden können. Die Freiwilligen verteilen seit Tagen Flyer und informieren Apotheken, Hausärzte und Kirchengemeinden. „Damit die Leute, die es brauchen, es auch erfahren“, sagt Balitzki.

Die Freiwilligen wurden nach Stadtbezirken aufgeteilt, erläutert Balitzki. Denn: „Wir möchten ein münsterweites Netz etablieren.“ Wendet sich also jemand per Hotline an die Einkaufshilfe, fungiert das achtköpfige Organisationsteam als Vermittler. Die Freiwilligen werden informiert und können als Einkaufshilfe loslegen.

Nicht Hände schütteln und auch nicht auf einen Kaffee mit reingehen, auch wenn das natürlich schade ist.

Lena Balitzki

Für das Angebot gibt es klare Regeln. „Wir wissen, dass man das auch missbrauchen könnte“, sagt die Studentin. Deshalb werden die Hilfesuchenden über „typische Betrügertricks“ aufgeklärt und sollen den Freiwilligen für Einkäufe nur Geld geben, wenn ein Kassenbon vorliegt.Und auch wegen des Coronavirus seien Regeln zu beachten:„Nicht Hände schütteln und auch nicht auf einen Kaffee mit reingehen, auch wenn das natürlich schade ist.“ Die Studenten haben die Hoffnung, dass aus der Aktion auch langfristige Patenschaften entstehen. Das Wichtigste ist laut Balitzki im Moment aber, „den Menschen in dieser Ausnahmesituation helfen zu können“.

Die Einkaufshilfe ist unter 01 57/33 20 17 96 erreichbar.

Hilfe in Mauritz

Auch die Seniorenbüros Mauritz und Mauritz-Ost sind für die sogenannte Risikogruppe eine Anlaufstelle. Die Mitarbeiter der Büros bieten an, ehrenamtliche Hilfe zu organisieren. „Die Sicherheit zu wissen, an wen man sich vor Ort im Bedarfsfall wenden kann ist schon sehr wichtig“, erläutert Ursula Clewemann. Das Seniorenbüro Mauritz ist unter 02 51/37 56 91, das Seniorenbüro Mauritz-Ost unter 02 51/ 62 01 20 04 20 erreichbar.

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