Viele Geschäfte haben zum vorerst letzten Mal geöffnet
Schicksalsergebenheit und Konfusion

Münster -

Dienstag in der Innenstadt: Viele Läden haben vorerst zum letzten Mal offen. Aber zum Einkaufen hat an diesem sonnigen Tag niemand mehr Lust.

Dienstag, 17.03.2020, 21:00 Uhr aktualisiert: 17.03.2020, 22:28 Uhr
Die Läden in der Innenstadt waren am Dienstag noch einmal auf – die Kunden fehlten aber schon weitgehend.
Die Läden in der Innenstadt waren am Dienstag noch einmal auf – die Kunden fehlten aber schon weitgehend. Foto: Oliver Werner/Karin Völker

Es wäre für die Kundschaft eigentlich eine freudige Nachricht: 50 Prozent Rabatt auf Osterartikel bei Kaufhof . Vier Wochen vor Ostern ist das kein gutes Zeichen. Die Interpretation der Rabattaktion von Dienstag überlässt eine Kassiererin dem Kunden. Wenn das Kaufhaus vor Ostern nicht mehr öffnet, war es das mit dem Verkauf von Schoko-Osterhasen.

Sicher ist das auch noch nicht am Abend vor dem erwarteten und am Montag von der Bundesregierung Bund angekündigten großen „Shut-down“ im Einzelhandel abseits von Lebensmitteln, Drogeriewaren und Gesundheitsbedarf.

Weitere Sonderangebote verweisen vorerst auf die besonderen Umstände dieser Zeit: Koffer, die keiner mehr kauft, weil Reisen unmöglich geworden sind, oder Puzzles mit 1000 Teilen – „gegen die Langeweile“.

Bei „Karstadt Sport“ kauft eine junge Frau noch schnell ein paar Joggingschuhe: Kein Volleyballtraining im Verein mehr bis auf Weiteres. In den letzten Tagen gingen auch Hanteln recht gut, erzählt ein Verkäufer. „Die Jungs können ja nicht mehr in die Muckibuden.“ Draußen auf der ziemlich menschenleeren Stubengasse absolvieren zwei kleine Jungs – die Schule hat ja zu – ihr Fitnessprogramm, sie flitzen mit ihren Rollern herum.

So viel Platz gibt’s sonst nur spät nachts. Die Stimmung in den Läden der City ist mindestens mau, eine Mischung aus ernster Sorge, Unsicherheit und Schicksalsergebenheit. Bei Thalia, wo sich ein paar Kunden noch ihre vorbestellten Bücher abholen, wissen sie nicht, ob und wann genau geschlossen wird. „Am besten sofort“, seufzt ein Mitarbeiter, „es wäre besser.“

In den Arkaden ist kaum Betrieb – mehr Durchgang als Flaniermeile. Die meisten Menschen sind noch im ­Drogeriemarkt im Untergeschoss – wo, wie überall sonst, das Toilettenpapier aus ist. Drogerien dürfen ja eigentlich offen bleiben, heißt es hier, aber die Ar­kaden sind eine Shopping-Mall – und Malls sollen ja geschlossen bleiben. Aber am Abend, wenige Minuten vor 20 Uhr, ist hier immer noch nichts klar: „Wir öffnen morgen“, heißt es nicht nur bei dm, im Super-Biomarkt, und im Zeitungskiosk, sondern auch bei „Ernsting´s family“, „Street one“ und Saturn – letztere sind Einzelhandelsgeschäfte, die nach der Ansage des Bundes eigentlich schließen sollen. Aber weder vom Land noch von der Stadt seien, anders als angekündigt, eindeutige Anweisungen gekommen, sagen die Mitarbeiter in den Läden. Konfusion mischt sich mit Wut. „Es wird viel geredet, aber nichts gesagt“, ärgert sich ein Mitarbeiter – „und am Ende haben wir alle Corona.“

Bei Peek und Cloppenburg wurde am Dienstag erst gar nicht mehr geöffnet, ein Geldtransporter steht draußen, holt die Barschaft ab. Bei Benetton am Prinzipalmarkt hängt ein Zettel am Eingang, der verkündet, das Geschäft bleibe von Mittwoch bis zum 5. April geschlossen – „vorerst“.

Ein paar Meter weiter im Herren-Bekleidungsgeschäft Grümer steht Chef Alexander Grümer mit seiner kleinen Tochter hinter dem Tresen – die Kita hat ja zu. Schon am Samstag, sagt Grümer, sei nur wenig Betrieb gewesen. Er ist – anders als manche Nachbarn in den Geschäften – in der glücklichen Lage, als Eigentümer sein Ladenlokal nicht anmieten zu müssen.

Es werde sich eine Lösung für die großen Probleme finden, die jetzt auf den Einzelhandel zukämen, so Grümer. Er beteuert mit Blick auf seine Angestellten: „Wir lassen niemanden hängen.“

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