„Münster bringt´s“: Schon 320 Betriebe machen mit
Mithelfen, damit die Läden überleben

Münster -

Münsters Einzelhändler werden in der Not erfinderisch: Sie haben den Lieferdienst „Münster bringt‘s“ ins Leben gerufen. 320 Unternehmen machen bereits mit. Und auch für den Wochenmarkt am Samstag kündigen sich Veränderungen an.

Freitag, 20.03.2020, 19:30 Uhr aktualisiert: 20.03.2020, 20:31 Uhr
In Münster kaufen und direkt liefern lassen – das ist die Devise, die mit der neuen Plattform „Münster bringt´s“
In Münster kaufen und direkt liefern lassen – das ist die Devise, die mit der Webseite www.muensterbringts.de Foto: Oliver Werner

Ein Virus hat die Stadt fast lahmgelegt. Um Einzelhandel und Gastronomie halbwegs am Leben zu erhalten, setzt die Initiative starke Innenstadt Münster (ISI) auf Eigeninitiative, Kreativität und ungewöhnliche Lösungen. Wenn die Kunden wegen des Ansteckungsrisikos untereinander nicht in die Läden dürfen, kommt die Ware eben zum Kunden. Auf der von der ISI eingerichteten Internet-Plattform „Münster bringt´s“ haben sich innerhalb von vier Tagen bereits 320 Unternehmen angemeldet, erklärt Linus Weistropp , der für die ISI den Online-Auftritt „Münster bringt´“ koordiniert. Die Nachfrage sei überwältigend. Damit die Kunden schnell zum passenden Angebot finden, soll die Homepage jetzt übersichtlicher gestaltet werden.

ISI-Sprecher Tobias Vie­hoff kündigt unter anderem Einteilungen nach Produktgruppen und Stadtvierteln an. Ziel sei mehr Komfort beim Suchen und die Erleichterung der Kontaktaufnahme mit den Unternehmen.

Ausgebaut werden soll auch der Fahrdienst in Kooperation mit den Kurierdiensten „Leezen Heroes“, „Leezenkiepe“ und „Radlaster GmbH“. Wer Waren oder Speisen ordert, bekommt sie kurz darauf umweltfreundlich direkt nach Hause transportiert.

Ehrenamtliches Engagement

Seit kurzem ist dafür auch der Lieferdienst „hungrig.ms“ unterwegs, über den einige Innenstadt-Restaurants georderte Gerichte ausliefern.

Markt auch auf dem Prinzipalmarkt

Der städtische Krisenstab geht einen Schritt weiter. Der Wochenmarkt am Samstag wird räumlich entzerrt und ein Teil der Stände auf den Prinzipalmarkt verlagert. Um größere Abstände zu gewährleisten und Gedränge zu vermeiden, wie Stadtrat Wolfgang Heuer betont. Beim Mittwochsmarkt waren bereits Imbissstände ausgeschlossen worden, da sie nicht zur Daseinsvorsorge nötig seien. Heuers Appell für Samstag ist eindeutig: „Besucher sollten allein kommen, Verwandte und Kinder zu Hause lassen und den Markt danach zügig wieder verlassen.“ Nur so könne sichergestellt werden, dass der Wochenmarkt weiter stattfinde.

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Was hier gerade mit viel ehrenamtlichem Engagement auf die Beine gestellt wird, nennt Viehoff „ein Versprechen in die Zukunft“. Denn nur gemeinsam schaffe die Stadtgesellschaft, diese Durststrecke in Corona-Zeiten zu überstehen. Jetzt sei „mehr wir und weniger ich“ gefragt. Linus Weistropp richtet daher einen klaren Appell an die Verbraucher: „Kauft in Münster, sonst werden wir bald nicht mehr radeln.“

Viele Unternehmer verfahren längst zweigleisig mit einem Online-Handel neben dem stationären Geschäft. Aber längst nicht alle. Dank der schnellen Fahrradlieferdienste versuchen die Händler, die Geschäfte vor Ort zu erhalten. Vor allem für kleinere Händler ohne große Liquiditätsreserven geht es derzeit ums nackte Überleben.

Über „Münster bringt´s“, was laut Viehoff natürlich doppeldeutig zu verstehen ist, verlassen sich die Unternehmen nicht allein auf staatliche Notfonds, sondern ergreifen selbst die Initiative. Denn wenn jetzt viele mithelfen, so übt sich Tobias Viehoff in Optimismus, „dann schafft Münster das.“

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