Münsters Wochenmarkt dehnt sich auf den Prinzipalmarkt aus
„Disziplin, Geduld und vor allem Gelassenheit“

Münster -

Während sich in den Baumärkten die Hobbygärtner und Bastler auf den Füßen stehen, herrscht am Samstagmorgen auf dem Domplatz so etwas wie Entschleunigung in Zeiten der Corona-Krise.

Samstag, 21.03.2020, 13:28 Uhr aktualisiert: 21.03.2020, 13:54 Uhr
Münsters Wochenmarkt dehnt sich auf den Prinzipalmarkt aus: „Disziplin, Geduld und vor allem Gelassenheit“
Auf dem Domplatz hat sich ein Käufer mit Mundschutz gewappnet. Foto: Helmut Etzkorn

„Respekt vor dem Mitmenschen, Disziplin, Geduld und vor allem Gelassenheit. Das fällt schon auf“, meint Franz Söhnke (69), der seit Jahrzehnten immer samstags „auf seinen Lieblingsplatz“ geht. Und trotz Sonnenscheins und eiskalter Luft an diesem Frühlingsanfang ist die Stimmung spürbar anders. „Der Markt ist nicht mehr der Ort für den Klönschnack, wir kaufen frisch und gehen wieder flott“, meint Esmeralda Walgenstein aus Coerde. Weil fast alle Innenstadt-Geschäfte dicht und damit alle Flaniermeilen denkbar unattraktiv sind, gibt es selbst in den Parkhäusern genügend Kapazitäten. Auf dem Schlossplatz, wo sonst samstags kaum noch freie Stellplätzchen zu ergattern sind, stehen um 11 Uhr gerade mal 21 Autos.

Man vermisst die Marktschreier, die ihre Tomaten und den ersten Spargel lauthals anpreisen, stattdessen sind vielen der Stände umringt mit Plastikkisten und Flatterband. Einer hat „Bitte nicht füttern“ auf ein Stück Pappe geschrieben und vor seine Bude gehängt. Der Humor geht den Münsteranern offenbar auch in schweren Zeiten nicht verloren.

Die Abstände zwischen den Ständen sind großzügig und das gilt auch für die 27 Verkaufswagen, die auf dem Prinzipalmarkt beidseitig vor den Giebelhausfassaden aufgereiht sind. „Die Kunden sind sehr diszipliniert und alle freuen sich, dass die Versorgung hier weiter funktioniert“, meint Obsthändler Thomas Sommer . Der Marktbeschicker aus Horstmar gehört seit drei Familiengenerationen quasi zum „Domplatz-Inventar“, wie er sagt. Mit den Umsätzen ist er zufrieden: „Die Stammkunden sind alle da, aber natürlich fehlen uns die Touristen und Münsteraner, die samstags in der City shoppen und dann auch über den Markt schlendern“, meint er.

Münsters Wochenmarkt im Zeichen der Corona-Krise

1/13
  • Foto: Helmut Etzkorn
  • Foto: Helmut Etzkorn
  • Foto: Helmut Etzkorn
  • Foto: Helmut Etzkorn
  • Foto: Helmut Etzkorn
  • Foto: Helmut Etzkorn
  • Foto: Helmut Etzkorn
  • Foto: Helmut Etzkorn
  • Foto: Helmut Etzkorn
  • Foto: Stefanie Meier
  • Foto: Helmut Etzkorn
  • Foto: Stefanie Meier
  • Foto: Helmut Etzkorn

Wie viele seine Kollegen hofft Sommer, dass es weitergeht: „So wie die Kunden sich heute hier verhalten, dass ist schon ganz großes Kino.“ Und tatsächlich, nur ganz selten drängelt sich einer vor. Dafür gibt es dann aus der Schlange ein lautstarkes „Alte Zicke“ und Gelächter bei den anderen, die mehr Geduld haben.

Sebastian Bussmeyer, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Marktbeschicker, ist vorsichtig optimistisch: „Wir danken der Stadt, dass sie uns diese Chance hier gibt.“ Ein dickes Lob hat er für die Tovar-Elektriker, die am Freitag innerhalb weniger Stunden „mal eben den Prinzipalmarkt als Ausweichplatz für viele Händler verkabelt haben“. Trotz Corona sind alle Beschicker an diesem Samstag an Bord. Auch ein Zeichen der Solidarität mit den Stammkunden und existenziellen Hoffnung auf weitere Markttage.

„Sensibilität der Menschen ist beeindruckend“

„Wir sind ja an einem ganz neuen Platz und da muss man uns erst einmal finden“, meint Fischhändler Tim Lütjen. Sein Verkaufswagen steht unweit der Lambertikirche und für ihn ist „die große Entzerrung ein Gewinn für alle“. Lütjen: „Die Sensibilität der Menschen ist beeindruckend. Frisch unter freiem Himmel einzukaufen, ist wohl für viele jetzt angenehmer, als in den Supermärkten zu stehen“, glaubt er.

Gegen 12 Uhr ist es mächtig voll auf dem Prinzipalmarkt, jetzt werden Mindestabstände kaum noch eingehalten. Doch irgendwie sind alle achtsam in Bewegung, man steht nicht in Grüppchen zusammen, macht seine Erledigungen. das war‘s. Der Wochenmarkt ist wieder ähnlich, wie er früher einmal gedacht war: ein Platz der Versorgung mit Lebensmitteln aus der Region. Frei von Events, dafür mit hohem Wert für alle, für die „Frische mit Abstand“ jetzt besonders wichtig ist.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7337748?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Nachrichten-Ticker