Interview mit Abiturientin
„Schlimmer als ausgefallene Prüfungen“ – Abiball, Mottowoche und Co. abgesetzt

Münster -

Die Abiturklausuren sind verschoben. Wie nehmen Schüler diese Lösung auf? Wir haben mit der 19-jährigen Eleonora Worobiej gesprochen. Sie erklärt, was sogar noch schwerer wiegt als die ausgefallenen Prüfungen.

Samstag, 28.03.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 28.03.2020, 13:35 Uhr
Eleonora Worobiej
Das Geschwister-Scholl-Gymnasium Foto: privat

Eleonora Worobiej macht in diesem Jahr ihr Abitur auf dem Geschwister-Scholl-Gymnasium. Die 19-Jährige aus Sprakel sprach mit unserem Redakteur Björn Meyer darüber, wie sich die Vorbereitungen momentan anfühlen, wieso nicht jeder mit der getroffenen Entscheidung glücklich ist und was für die Schüler eigentlich das Schlimmste an der derzeitigen Situation ist.

Wie fühlt sich die Zeit gerade an, eher nach Ferien oder doch nach Abiturvorbereitung?

Worobiej: Also auf keinen Fall nach Ferien. Ich versuche, mich gut auf das Abitur vorzubereiten. Einfach ist das nicht. Weil die Schule von einem Tag auf den anderen beendet war, war man sehr plötzlich auf sich allein gestellt. Man fühlt sich wie aus seinem gewohnten Leben gerissen, irgendwie surreal. Die Situation um das Coronavirus kommt dazu, weil man ja nicht weiß, wie sie sich weiterentwickelt, ob der Höhepunkt bald erreicht ist, oder ob es schlimmer wird.

Wie hast du die Verschiebung des Abiturs aufgenommen, und wie ist diese Lösung bei deinen Freunden angekommen?

Worobiej: Ich bin sehr froh, dass die Abiturprüfungen nicht ausfallen. Durch die Petition, die auf einen Ausfall der Prüfungen zielte, war die Unsicherheit noch einmal größer. Dabei arbeitet man doch die ganze Zeit auf genau diese Prüfungen hin. Ein Durchschnittsabi hätte ich nicht begrüßt, weil ich mir erhoffe, durch die Prüfungen noch etwas rauszuholen. Aber das ist nur meine Meinung, ich weiß auch von vielen, dass sie sich gefreut hätten, wenn die Prüfungen ausgefallen wären. Na klar, das wäre halt weniger Aufwand gewesen.

Auf welche Fächer musst du dich vorbereiten?

Worobiej: In habe Kunst und Deutsch als Leistungskurse. In Kunst bin ich bislang sehr gut gewesen, in Deutsch hätte ich mir dagegen schon gewünscht, das eine oder andere Thema noch einmal in der Schule wiederholen zu können. Mein drittes Fach ist Mathematik, da hat es in den vergangenen Wochen eigentlich ganz gut funktioniert, dass wir die Aufgaben digital zur Verfügung gestellt bekommen haben. Mein viertes Fach ist Pädagogik. Da wird es schwierig, denn dort sollte eigentlich eine Prüfungssituation nachgestellt werden. Ich glaube, wir wollen uns da nochmal mit der Lehrerin treffen, aber wie genau, das weiß ich aktuell nicht.

Die Abiturprüfungen sind ja nur ein Aspekt der kommenden Wochen. Wie sehr beschäftigt es euch, dass Mottowoche, Abiball und Zeugnisübergabe ausfallen könnten oder schon ausgefallen sind?

Worobeij: Das beschäftigt uns sogar sehr. Und ehrlich gesagt, ist das für uns schlimmer, als es ausgefallene Prüfungen gewesen wären. Man hat seine gesamte Schulzeit auf dieses Ziel hingearbeitet. Schon als kleiner Fünftklässler hat man die Großen bei der Mottowoche gesehen. Wir hätten uns auch gerne von unseren Mitschülern verabschiedet. Dass man nach den Vorklausuren plötzlich zu uns gekommen ist, und gesagt hat, dass es das jetzt für uns war, das hat sich schon sehr komisch angefühlt.

Wie sieht es denn konkret für den Abiball aus?

Worobiej: In Anbetracht dessen, dass der Termin für die Zeugnisvergabe noch nicht klar ist, wird das vermutlich schwer. Wir wollten in der Speicherstadt feiern, einen Ausweichtermin gibt es nicht. Immerhin haben wir die Feier versichert.

Hattest du schon ein Kleid?

Worobiej: Zum Glück noch nicht.

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