Medizinisches Labor am Hafenweg
Technische Neuheit beschleunigt Auswertung der Corona-Tests

Münster -

Im medizinischen Labor am Hafenweg, wo im Augenblick bis zu 800 Coronatests analysiert werden, könnte dank einer neu angeschafften Maschine die Kapazität verdoppelt werden. Damit die Maschine arbeiten kann, fehlt es aber an dafür notwendigen Zutaten.

Montag, 30.03.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 30.03.2020, 18:10 Uhr
MVZ-Chef Prof. Paul Cullen (v.r.) , Markus Lewe und Hausarzt Dr. Hendrik Oen mit dem neuen Analyse-Automaten für Corona-Tests im MVZ-Labor am Hafenweg. Es fehlen allerdings spezielle Chemikalien, um ihn auszulasten.
MVZ-Chef Prof. Paul Cullen (v.r.) , Markus Lewe und Hausarzt Dr. Hendrik Oen mit dem neuen Analyse-Automaten für Corona-Tests im MVZ-Labor am Hafenweg. Es fehlen allerdings spezielle Chemikalien, um ihn auszulasten. Foto: Oliver Werner

Es gibt viele Menschen, die in diesen Tagen unverzichtbare Arbeit leisten. Die 20 Frauen und Männer, die am Montagmittag in der Kantine des Medizinischen Labores Münster am Hafenweg sitzen, sind in gerade extra-wichtig. Sie werten die Corona-Tests aus, analysieren täglich bis zu 800 Abstriche, von Personen aus Münster und Umgebung, von denen angenommen wird, sie hätten sich am Virus Covid-19 infiziert.

Die ersten beginnen um 4 Uhr morgens, die letzten hören um 22 Uhr auf, erklärt Geschäftsführer Prof. Dr. Paul Cullen . Eigentlich hätten die spezialisierten Corona-Virus-Analytiker in den Räumen des Labors mit insgesamt 300 Mitarbeitern jetzt schon die tatkräftige Unterstützung eines neuen maschinellen Kollegen im Labor.

Chemikalien fehlen

„Ein großer Vorteil in diesen Zeiten“, sagt Cullen, mit der neuen Maschine könnte das Labor die Corona-Testkapazitäten in etwa verdoppeln. Allein, es fehlt an Zutaten, die der Apparat zum Arbeiten benötigt. Cullen beschreibt die notwendigen Chemikalien, fachsprachlich Reagenzien, als „Backmischung“, die hauptsächlich weltweit nur vom Chemie- und Pharmagiganten „Roche“ hergestellt werden.

Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

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  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

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  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

    Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland vom RKI aktuell (Stand 3.3. - zur Risikobewertung ) als mäßig eingeschätzt. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers sei zu erwarten. Diese Einschätzung könne sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

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  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Diese Fälle spielen bei der Verbreitung laut RKI jedoch „offenbar keine größere Rolle”.

    Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob SARS-CoV-2 auch fäkal-oral verbreitet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Welgesundheitsorganisation WHO scheint dieser Übertragungsweg in China keine Rolle zu spielen.

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  • Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

    Von den Menschen, die mit einem Kranken in Kontakt kommen, infizieren sich nach Einschätzung von Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin, derzeit „5 bis 10 Prozent".

    Die Gefahr, sich in Deutschland mit Grippe- und Erkältungsviren anzustecken, ist nach wie vor ungleich höher als eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Einige Zahlen dazu: Seit Oktober 2019 wurden in Deutschland insgesamt etwa 120.000 labordiagnostisch bestätigte Influ­enzafälle an das RKI übermittelt. Rund ein Sechstel (17 Prozent) dieser Erkrankungen verlief so schwer, dass Patienten ins Krankenhaus kamen. Nachweislich sind in dieser Grippesaison bereits rund 200 Menschen daran gestorben. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Deutschland liegt bei rund 500 (Stand 6.3., 7 Uhr, zu den aktuellen Fallzahlen ), einen Todesfall gab es bislang nicht.

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  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

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  • Welche Verhaltensregeln gibt es?

    Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. 

    Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

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  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte unnötige Kontakte meiden (möglichst zwei Meter Abstand zu anderen Menschen) und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

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  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

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  • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

    Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht nötig. Und auch ständiges Desinfizieren der Hände ist laut Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen, überflüssig.

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  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

    Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

    Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

    Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

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„Wir stehen auf dem Schlauch. Bitte legen Sie bei der Landesregierung und bei allen wichtigen politischen Instanzen für uns ein gutes Wort ein, dass wir bei Lieferungen berücksichtigt werden“, bittet Cullen am Montag Münsters Oberbürgermeister. Markus Lewe ist gekommen, um sich bei den Labor-Mitarbeitern für ihren unermüdlichen Einsatz zu bedanken.

Antikröper-Test

Im MVZ-Labor wird auch der kurzfristige Einsatz von Tests vorbereitet, die Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Virus im Blut nachweisen. Sie ermöglichen es, auch Corona-Infektionen nachzuweisen, wenn im Rachen durch den Abstrich keine Viren mehr zu finden sind. So lässt sich ein Bild über die Verbreitung des Virus in der Bevölkerung gewinnen.

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Täglich 500 Tests von Münsteranern

Bisher bekommt das münsterische Labor Reagenzien in nur kleiner Menge von einer Firma in Hamburg – mit ihnen kann die neue Analyse-Maschine immerhin für wenige Tage einmal den Dienst aufnehmen.

Bislang werden weiterhin die Menschen getestet, deren Mitarbeit, etwa im Gesundheitswesen, wichtig ist oder die durch die Infektion besonders gefährdet wären. Die Quote der Infizierten bei den ausgewerteten Tests, etwa 500 täglich stammen von Münsteranern, stieg von anfangs rund zwei auf bis zu 14 Prozent, erklärt Cullen. Mittlerweile sei diese Quote wieder etwas gesunken.

Hoffen auf warme Temperaturen

Mehr Tests, das wäre auch für Dr. Hendrik Oen, den Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe, ist das ein Wunsch. Rund 1500 Arztpraxen und 40 Krankenhäuser aus der Umgebung werfen in diesen Tagen ihren Abstrichproben in die extra gekennzeichneten Briefkästen des MVZ-Labors am Hafen. Einstweilen hofft Oen auf wärmere Temperaturen. Dann ebbt zwar die Corona-Infektion wohl nicht zwingend ab, aber die durch andere Erreger verursachten Erkältungskrankheiten. Oen: „Im Mai werde ich wohl jeden, der mit Husten in die Praxis kommt, testen können.“

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