Erschwerte Bedingungen
Spargel-Saison startet wegen Coronavirus mit weniger Helfern

Münster -

Die Corona-Krise und die damit verbundenen Einreise-Beschränkungen sorgen für Unsicherheit bei Spargelbauern und Saisonarbeitern. Zwar dürfen jetzt im April und Mai Erntehelfer aus dem Ausland einreisen, doch Auflagen und Kosten sind hoch. Auch die Spargelbauern in Münster sind voller Sorge.

Mittwoch, 08.04.2020, 18:00 Uhr
Erschwerte Bedingungen: Spargel-Saison startet wegen Coronavirus mit weniger Helfern
Schwierige Zeiten für die Spargelbauern: Ihnen fehlen wegen der Corona-Krise zahlreiche Saisonarbeiter. Foto: Oliver Werner

So früh wie noch nie hat in diesem Jahr die Spargelernte begonnen. Ausgerechnet – denn aufgrund der Corona-Krise sind noch längst nicht genügend Erntehelfer da.

„Genau zu der Zeit, als die Leute einreisen sollten, waren keine da“, schildert Spargelbauer Burkhard Lütke Laxen das Problem. Doch vergangene Woche einigten sich Bundesinnen- und Wirtschaftsministerium auf ein Kontingent von 40.000 Saisonarbeitern, die pro Monat einreisen dürfen. „Normalerweise haben wir bundesweit etwa 350.000 Arbeitskräfte, in der Region ungefähr 30.000“, sagt Marion von Chamier, Geschäftsführerin des Arbeitgeberverbandes (WLAV).

Hohe Auflagen und hohe Kosten

Die Auflagen stellten Betriebe vor große Herausforderungen, nicht nur wegen der Kosten. Die ausländischen Arbeiter dürfen maximal zu zweit in einem der üblichen Container wohnen, wodurch mehr Wohnraum benötigt wird. Auch bei der Arbeit muss Abstand gehalten werden. „Das bedeutet für die Betriebe einen enormen logistischen Aufwand“, sagt von Chamier.

Und zusätzliche Kosten. Denn die Saisonkräfte dürfen nur per Flugzeug einreisen. Der Arbeitgeberverband habe mit der Fluggesellschaft Eurowings , die die Saisonkräfte jetzt einfliegen darf, immerhin einen Nachlass von zehn Prozent verhandelt, sagt Marion von Chamier. Zudem habe sich Eurowings dazu bereit erklärt, die vorgeschriebene gesundheitliche Untersuchung am Flughafen durchzuführen. Dort dürfen die Arbeitgeber ihre Beschäftigten dann abholen.

Wir rechnen mit Kosten von circa 1500 Euro.

Stephan Bäcker

„Wir rechnen mit Kosten von circa 1500 Euro“, sagt Stephan Bäcker . Fast doppelt soviel, wie die Anreise sonst kostet. Dem Spargelbauern fehlen derzeit noch etwa 40 Erntehelfer. Wer wie viele von den erlaubten 40.000 Arbeiten beschäftigen dürfe, entscheide sich nach dem „Windhundprinzip“, sagt Marion von Chamier: Wer seine Leute zuerst anmeldet, darf sie einfliegen – bis das Kontingent ausgeschöpft sei.

Spargel könnte teurer werden

Dass die Ernte für die Spargelbauern in diesem Jahr durch die erschwerten Bedingungen mehr kostet, wird sich möglicherweise auch auf den Preis auswirken. Derzeit liegen die Preise der münsterischen Bauern zwischen  sieben und 15 Euro pro Kilo – je nach Qualitätsklasse. „Am Anfang der Saison ist es immer teurer, zur Mitte sinkt der Spargelpreis. Ob er in diesem Jahr so niedrig wird, wie sonst, müssen wir abwarten“, sagt Lena Breitenfeld vom Spargelhof Spielbrink. Auch Heike Lütke Laxen vom gleichnamigen Hof sagt: „Es kann schon sein, dass es teurer wird.“ 

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Kurzarbeiter und Studenten

Trotz allem sind die münsterischen Spargelbauern optimistisch. Auch, weil ein Teil der Stammbelegschaft aus Osteuropa bereits vor der Grenzschließung eingereist war. Zudem hätten sich schon viele Deutsche bei den Betrieben beworben, sagt Burkhard Lütke Laxen.

Stephan Bäcker hat bereits 40 deutsche Helfer eingestellt, zumeist Kurzarbeiter oder Studenten, und ist von deren Leistung „positiv überrascht“, wie er sagt. „Wir müssen natürlich abwarten, wie lange sie das durchhalten können und wollen.“

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