Mann soll Tante ermordet haben
Mord aus Habgier: Telefon-Ortungsdaten belasten Angeklagten

Münster -

Im Mordprozess um eine 68-jährige Frau aus Kinderhaus wurde der Neffe der Frau durch Zeugenaussagen und Telefon-Ortungsdaten erneut stark belastet. Dennoch stehen die Richter vor einem kleinen Rätsel.

Mittwoch, 15.04.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 16.04.2020, 15:23 Uhr
Mann soll Tante ermordet haben: Mord aus Habgier: Telefon-Ortungsdaten belasten Angeklagten
(Symbolbild) Foto: dpa

Wurde eine 68-jährige Frau aus Kinderhaus im August 2019 von ihrem Neffen erwürgt und anschließend in Schleswig-Holstein eine Böschung heruntergeworfen? Diese Frage wird aktuell vor dem Landgericht Münster verhandelt. Am Mittwoch wurden dafür zwei Polizisten als Zeugen gehört. Beide waren im Zuge der Vermisst-Meldung des Opfers und den anschließenden Mord-Ermittlungen bereits am Fall beteiligt.

Die Befragung der Polizistin, die unter anderen bei der Hausdurchsuchung und Festnahme des Angeklagten zugegen war, drehte sich um ihre Gespräche und Verhöre mit den Töchtern des Opfers und sollte vorherige Zeugenaussagen bestätigen. Auch ein Darlehen, welches das Opfer ihrem Neffen gewährt hat und dessen nicht erfolgte Rückzahlung Hauptmotiv für einen Streit und den anschließenden Mord sein soll, wurde erläutert.

Verdacht fiel schnell auf Angeklagten

Die Verteidigung machte derweil die Richter auf den zwischenzeitlichen Lebensgefährten einer der Töchter aufmerksam. So hätte die Tochter die Befürchtung geäußert, er habe etwas mit dem Verschwinden der Mutter zu tun, allerdings ohne konkrete Hinweise dafür zu liefern.

Die im Zeugenstand befindliche Polizeibeamtin erwiderte, am Anfang wäre in alle Richtungen ermittelt worden. Sehr schnell sei allerdings der Verdacht auf den jetzigen Angeklagten gefallen, da dieser das spätere Opfer zuletzt gesehen hatte.

Belastende Handydaten

Dies bestätigte der zweite Zeuge. Der Telefondaten-Analyst der Polizei gab Aufschluss über die Ortungsdaten des Telefons des Opfers sowie des mutmaßlichen Täters. So hätte das Opfer mit dem Angeklagten noch am Tag des Mordes mehrfach telefoniert. Gegen 15.40 Uhr sei das Telefon des Angeklagten erstmal im Bereich Kinderhaus geortet worden, gegen 17.01 Uhr habe es den Funkbereich Kinderhaus verlassen.

Vor Rätsel stellt die Richter allerdings die Tatsache, dass der Angeklagte um 17.02 Uhr an einer Tankstelle in Roxel getankt hat. Laut des Datenanalysten sei es möglich, aber eher unwahrscheinlich, dass sich das Telefon zwischenzeitlich in keinen anderen Telefonmasten eingewählt habe und der Angeklagte Kinderhaus schon früher verlassen habe.

Bereits in der kommenden Woche wird der Prozess fortgesetzt, dann mit weiteren Zeugenaussagen. Auch will der Angeklagte Angaben zu seinem Werdegang machen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7370680?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Nachrichten-Ticker