Appell von Rettungsdienst und UKM
Notruf auch in Corona-Zeiten nicht hinauszögern

Münster -

Auch in der Corona-Pandemie gibt es Notfälle, Schlaganfall und Herzinfarkt machen trotz Virus keine Pause. Der Rettungsdienst der Stadt Münster und das Uniklinikum Münster sind auf die Situation nach eigenen Angaben gut vorbereitet. Der Appell lautet deshalb: "Im Zweifel anrufen."

Mittwoch, 22.04.2020, 13:00 Uhr aktualisiert: 22.04.2020, 18:01 Uhr
Appell von Rettungsdienst und UKM: Notruf auch in Corona-Zeiten nicht hinauszögern
Foto: dpa (Symbolbild)

Im Zweifel anrufen. So lautet der Rat des Rettungsdienstes der Stadt Münster. Der Rettungsdienst in der Notfallversorgung und beim Krankentransport ist auch in Zeiten der Corona-Pandemie jederzeit sichergestellt, heißt es in einer Mitteilung der Stadt.

"Rufen Sie im Zweifel lieber einmal zu oft den Notruf, als einmal zu wenig", klärt der Leiter der Feuerwehr , Gottfried Wingler-Scholz , auf. "Unsere Leitstelle findet für jede Situation gemeinsam mit den Anrufern eine Lösung, bei Bedarf verweisen wir natürlich auch auf die niedergelassenen Ärzte, denn längst nicht jeder Hilfesuchende benötigt das Eingreifen des Rettungsdienstes."

Interne Abläufe angepasst

Auch wenn die Corona-Pandemie derzeit vieles in der Gesellschaft auf den Kopf stellt: "Der Rettungsdienst in der Verantwortung der Feuerwehr steht für die Bürger der Stadt jederzeit zur Verfügung", sagt Gottfried Wingler-Scholz. Die Feuerwehr hatte sich bereits Ende Februar auf die Pandemie eingestellt. Auch dank dieser Maßnahmen blieb die Berufsfeuerwehr bisher von Coronavirus-Infektionen weitgehend verschont. Alle Rettungsdienstfahrzeuge sind im Dienst und stehen für Einsätze bereit.

Rettungsdienst oder Ärztlicher Notdienst?

Wann den Rettungsdienst unter 112 rufen? Bei Unfällen, Atemnot, plötzlichen stärksten Schmerzen, plötzlichen Lähmungen, Sehstörungen, starken Brustschmerzen, stark blutenden Verletzungen, Krämpfen o.ä. sollte immer sofort der Rettungsdienst unter der Notfallnummer 112 gerufen werden. Wenn nötig wird auch der Notarzt alarmiert. 

Wann den Ärztlichen Notdienst unter 116117 kontaktieren? Immer dann, wenn akute Beschwerden vorliegen, mit denen normalerweise der Hausarzt aufgesucht würde, also etwa bei Bauch- oder Kopfschmerzen, Durchfall und Erbrechen und ähnlichen nicht lebensbedrohlichen Beschwerden. Stellt der Arzt fest, dass ein Transport ins Krankenhaus nötig ist, wird dieser durch den Arzt organisiert.

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Weniger Einsätze für den Rettungsdienst

Aktuell sind die Rettungsdienst-Einsätze eher rückläufig. Die Gründe dafür sind unklar. Möglich ist, dass einzelne Patienten zögern, den Rettungsdienst zu rufen, obwohl dies eigentlich notwendig wäre. Weitere mögliche Erklärungen können auch das weitgehend zum Erliegen gekommene Freizeitverhalten sein. Im März kam es im Vergleich zum Vorjahr zu einem Rückgang von etwa 20 Prozent der Rettungswagen-Einsätze.

Wegen der Corona-Situation besteht absolut kein Grund, auf einen Notruf zu verzichten, wenn er nötig ist.

Professor Andreas Bohn, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes

Zudem hatte sich der Rettungsdienst auf die Bewältigung einer größeren Zahl von Einsätzen vorbereitet. "Wegen der Corona-Situation besteht absolut kein Grund, auf einen Notruf zu verzichten, wenn er nötig ist", betont Professor Andreas Bohn, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes. "Zu keinem Zeitpunkt kam es bisher zu einer Überforderung des Rettungsdienstes."

Jetzt wird bei einem Notruf unter der Nummer 112 aber auch abgefragt, ob Symptome einer Coronavirus-Infektion bestehen. So sollen Infizierte bereits frühzeitig erkannt werden. Besteht der Verdacht auf eine Corona-Infektion, legt das Team des Rettungsdienstes eine spezielle Schutzkleidung an, zu der neben einer Filter-Maske auch ein Augenschutz und ein Schutzanzug gehören. Wann immer möglich erhält auch der Patient eine Maske, um die Verbreitung von Viren zu begrenzen.

Weniger akute Fälle im Uniklinikum

Seit der Corona-Pandemie und Kontaktbeschränkungen sind die Zahlen der Chest-Pain-Unit und der Stroke-Unit am Universitätsklinikum Münster (UKM) teils mehr als halbiert. Akute Fälle gibt es laut einer Pressemitteilung deutlich weniger, dafür steigt die Schwere. 

Doch egal ob Herzinfarkt oder Schlaganfall: Beides sind ernst zu nehmende Notfälle. Doch Betroffene bleiben in Münster der Notaufnahme zunehmend fern – oder kommen deutlich zu spät. „Bei Schlaganfällen sehen wir bereits erste Auswirkungen“, sagt Prof. Dr. Heinz Wiendl, Direktor der Klinik für Neurologie in einer Mitteilung des UKM.

60 Prozent weniger Patienten mit Herzinfarkt

Patienten kamen zuletzt nicht sofort in die Klinik, sondern erst, wenn gesundheitliche Einschränkungen nicht mehr zu verdrängen waren. „Betroffene hatten dann entweder sehr schwere oder teils sogar irreparable Schäden. Das ist fatal, denn medizinisch haben wir die Möglichkeit, durch schnelles Handeln bleibende Schäden am Gehirn und damit verbundene Behinderungen oder gar Todesfälle zu verhindern“, erklärt Wiendl.

Auch in der Chest-Pain-Unit (Herz-Notfallambulanz) des UKM sind deutlich veränderte Patientenströme zu beobachten. „Wir haben einen Rückgang von 60 Prozent seit der Kontaktsperre am 16. März im Vergleich zum Vorjahr“, sagt Dr. Georg Haltern, Oberarzt der Klinik für Kardiologie I. Die Zahlen könnten nicht durch zum Beispiel einen veränderten Gesundheitszustand der Bevölkerung begründet werden, eigens die Sorge vor Corona liegt nahe.

UKM_Herzinfarkt_Schlaganfall_Corona

Im Notfall das Krankenhaus aufsuchen lautet der Appell von (v.l.) Prof. Dr. Philipp Kümpers (Leiter der interdisziplinären Notaufnahme am UKM), Prof. Dr. Heinz Wiendl (Klinik für Neurologie) und Dr. Georg Haltern (Klinik für Kardiologie I). Foto: UKM Münster

Patienten riskieren ohne eine Behandlung dauerhafte Schäden oder gar einen zweiten Infarkt mit deutlich schlimmeren Folgen.

Dr. Georg Haltern

Die Experten befürchten, dass derzeit insbesondere Betroffene mit leichten Infarkten die Kliniken meiden. „Patienten riskieren ohne eine Behandlung dauerhafte Schäden oder gar einen zweiten Infarkt mit deutlich schlimmeren Folgen bis hin zum Versterben“, so Haltern. Durchschnittlich 250 Menschen pro 100.000 Einwohner erleiden pro Jahr einen Infarkt, in Münster sind das geschätzt etwa 785.

Die Mediziner des UKM appellieren deshalb: „Für alle Notfälle gilt: Suchen Sie sofort eine Notaufnahme auf oder alarmieren Sie die 112. Herzinfarkt und Schlaganfall nehmen auch in Zeiten von Corona keine Auszeit!“ 

Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

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  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

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  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

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  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

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  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. 

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  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

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  • Welche Verhaltensregeln gibt es?

    Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. Ansonsten gilt: Hände waschen und Abstand halten. Die seit dem 23. März bundesweit geltenden Verordnungen sehen unter anderem vor, dass sich in der Öffentlichkeit niemand in größeren Gruppen als zwei Personen aufhalten darf. Das Haus darf zum Beispiel nur für den Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Arzt oder für Spaziergänge (oder Joggen) verlassen werden.

    Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

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  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte Kontakte meiden und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

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  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

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  • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

    Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht vorgeschrieben. Allerdings gibt es zurzeit eine Debatte, ob sie nicht doch hilfreich sind, das Virus von einer Verbreitung abzuhalten. Die Stadt Jena in Thüringen hat sie inzwischen vorgeschrieben.

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  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

    Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

    Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

    Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

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