Angelika Ober will ihr Privattheater retten
Boulevard-Theater: „Zwei Monate schaffe ich“

Münster -

Es sind harte Zeiten für Kulturschaffende. Auch Angelika Ober vom Boulevard-Theater in Münster kämpft, um ihr Theater durchzubringen. Aktuell ist sie glücklich, wütend und ratlos zugleich.

Donnerstag, 23.04.2020, 21:00 Uhr aktualisiert: 23.04.2020, 21:10 Uhr
„Angelika allein zu Haus“ – im verwaisten Bühnenbild vor leerem Theatersaal hofft die Prinzipalin des Boulevard Münster auf bessere Zeiten.
„Angelika allein zu Haus“ – im verwaisten Bühnenbild vor leerem Theatersaal hofft die Prinzipalin des Boulevard Münster auf bessere Zeiten. Foto: Peter Pittermann

Angelika Ober ist derzeit happy, wütend und ratlos: Glücklich über freiwillige Spenden, zornig auf die Politik und ohne Perspektive, wann und wie es weitergehen soll. Vielleicht kann Udo Jürgens ihr Trost spenden. Denn Angelika Ober hat jüngst ihr 66. Lebensjahr vollendet, und entsprechend heißt es wie besungen: „Da fängt das Leben an.“

Ober muss ihr privates Boulevard-Theater in der Königspassage derzeit ohne Einnahmen durchbringen. Umso dankbarer ist die Münsteranerin, dass nach einem Spendenaufruf in dieser Zeitung bereits 13 600 Euro zusammengekommen sind: „Ich bin ganz gerührt.“ Am liebsten würde Ober sich bei jedem einzelnen der an die hundert Klein- und Großspender bedanken. Unterstützer gibt es auch von anderer Seite: „Auch unser Vermieter Franz-Josef Görtz hilft uns sehr.“ Durch diesen Rückhalt ist sie zuversichtlich: „Ich habe jetzt die Hoffnung, dass ich das Theater durchkriege. Zwei Monate schaffe ich.“ Aber bis dahin und bis dann . . .

Schauspielern gekündigt

Ober hofft, dass die Hilfe weitergeht: „Wie die Leute uns helfen können, ist mit Spenden.“ Für ihre Angestellten konnte die Theaterchefin auf staatliche Gelder zurückgreifen: „Das ging unkompliziert und schnell“. Zum Glück seien sie und ihr Theater nicht in die Betrugsphase geraten, als entsprechende Seiten des Landes zur Soforthilfe von Cyber-Kriminellen gefälscht wurden. Ihren Schauspielern allerdings musste Ober die Verträge kündigen; für einige der Selbstständigen bedeutet das Hartz IV.

Zudem informiert sie darüber, dass Eintrittskarten für geplante Vorstellungen ab dem 15. März automatisch als Wertgutscheine gelten, die für spätere Vorstellungen eingelöst werden können. Das Theater bittet aktuell darum, von Einzelanfragen abzusehen bis eine geordnete Lösung präsentiert werden kann.

Ich verstehe nicht, warum die Kultur so totgeschwiegen wird.

Angelika Ober

Von der Politik wünscht sich Angelika Ober mehr Beachtung und eine Perspektive: „Ich verstehe nicht, warum die Kultur so totgeschwiegen wird.“ Ihre weitere Planung ist von Zweckoptimismus geprägt: Es komme darauf an, dass das Theater in gut acht Wochen „ganz schnell wieder hochfährt“. Das Stück „Schwiegermütter und andere Bosheiten“, das lediglich eine Vorstellung erlebte (die von Publikum und Kritik gefeierte Premiere), wird Ober wohl kaum wiederaufnehmen können.

Daher plant sie, dass Stück im März 2021 wieder auf die Bühne zu bringen. Jetzt hofft sie, dass wenigstens am 1. Juli „Der letzte der feurigen Liebhaber“ auftreten kann (ursprünglich war der 12. Juni als Premieren-Termin geplant). Dafür müssten die Proben allerdings Ende Mai beginnen.

Spenden

Wer das Überleben des Theaters sichern möchte, kann spenden unter: Boulevard Münster GmbH Sparkasse Münsterland Ost IBAN: DE54 4005 0150 0000 6021 36

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