Allwetterzoo setzt Hubschrauber ein
Eichenprozessionsspinner: Bekämpfung aus der Luft

Münster -

Im vergangenen Jahr hat der starke Befall des Eichenprozessionsspinners im Allwetterzoo Münster für Probleme gesorgt. In diesem Jahr will die Zooleitung dem mit frühzeitigen Maßnahmen entgegenwirken – auch aus der Luft.

Mittwoch, 29.04.2020, 06:40 Uhr
Ein Helikopter fliegt am Montag über das Gelände des Allwetterzoos und bringt ein biologisches Insektizid aus.
Ein Helikopter fliegt am Montag über das Gelände des Allwetterzoos und bringt ein biologisches Insektizid aus. Foto: Matthias Ahlke

Zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners hat der Allwetterzoo Münster jetzt große Geschütze aufgefahren: Ein Helikopter flog am Montag über das Areal und verspritzte ein biologisches Insektizid. „Sie sind um 15.45 Uhr gestartet und waren dann ungefähr eine Stunde unterwegs“, sagte Zoosprecher Jan Ruch .

Der Wirkstoff, den der Helikopter abgab, heißt ­„Foray®ES“, wie die Zooleitung mitteilte. Das biologische Insektizid diene der Bekämpfung von freifressenden Schmetterlingsraupen – wie zum Beispiel dem Eichenprozessionsspinner.

Kein Schaden für andere Insekten

Mit der Wirkstoffaufnahme soll ein sofortiger Fraßstopp der Raupen bewirkt werden. Die Wirkungsdauer beträgt laut Zooleitung bis zu zehn Tage. Das Mittel werde auch im biologischen Anbau verwendet und schade anderen Insekten nicht. „Damit gehen wir einen ähnlichen Weg wie andere Institutionen in der Region“, hieß es von der Zooleitung.

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Die Tiere sowie das Personal des Allwetterzoos seien für die Zeit des Helikopter-Einsatzes nicht auf dem Gelände, beziehungsweise in den Außenanlagen der Reviere gewesen. Auch wenn das Ausbringen des Biozids sehr punktuell erfolgt sei, sollten die Tiere nicht durch den Lärm des tieffliegenden Helikopters in Panik versetzt werden. Aus diesem Grund habe man die Tiere in ihre Häuser und Ställe gebracht.

Zoo rechnet mit starkem Befall

Der Allwetterzoo hatte im vergangenen Jahr mit einem massiven Aufkommen des Eichenprozessionsspinners zu kämpfen. Auch in diesem Jahr gehe man von einem starken Befall aus. Um die Gesundheit von Gästen und Mitarbeitern zu gewährleisten sei es „maßgeblich, die Dichte der Brennhaare zu reduzieren“. Daher führe man vor allem mechanische und chemische Maßnahmen durch, da sie deutlich effizienter sind, als zum Beispiel organisatorische, wie dem Absperren von Arealen, so die Zooleitung.

So werden Eichenprozessionsspinner bekämpft

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  • Was tun gegen die Gespinste des Eichenprozessionsspinners? So gehen Profis vor:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit Schutzanzügen bekleidet lassen sich die Schädlingsbekämpfer – hier vom Unternehmen „AstWerk“ per Hubwagen in die Baumkronen hieven.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein Haarspray kommt zur Fixierung des Gespinstes zum Einsatz.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Dann wird das Nest von Hand abgenommen...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ...und in einer Plastiktüte verpackt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Eine weitere Möglichkeit zur Entfernung der Nester: Absaugen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit einem Industriestaubsager werden die Gespinste entfernt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Anschließend werden die betroffenen Stellen an der Eiche gründlich abgesaugt und mit einem Haarspray imprägniert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 40 bis 50 Nester können von einer Kolonne am Tag beseitigt werden.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Eichenprozessionsspinner werden samt ihrer reizenden Brennhaare entsorgt.

    Foto: Matthias Ahlke
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