Interessengemeinschaft sucht Wege aus der Krise
Münsters Club-Szene schlägt Alarm

Münster -

Fusion, Amp, Hot Jazz Club, Gazelle und Co sind seit Wochen zu – und das werden sie wohl auch erstmal bleiben. Und selbst, wenn es einen Öffnungstermin gibt, werden deutlich weniger Gäste kommen dürfen, fürchten die Betreiber. Das neue Szene-Bündnis aus Münster fordert Hilfe.

Dienstag, 28.04.2020, 18:50 Uhr aktualisiert: 28.04.2020, 19:01 Uhr
Bis am Hawerkamp wieder gefeiert wird, könnte es noch dauern: Die Clubbetreiber aus Münster
Bis am Hawerkamp wieder gefeiert wird, könnte es noch dauern: Die Clubbetreiber aus Münster stellen daher klare Forderungen an die Politik. Foto: Matthias Ahlke

„Wir waren die ersten, die schließen mussten, und sind die letzten, die wieder aufmachen dürfen.“ Thomas Pieper von der Dockland GmbH und seine Mitstreiter sind sauer. Die münsterischen Clubbetreiber rechnen damit, dass sie drei Viertel ihres Jahresumsatzes verlieren – bei laufenden Kosten.

Beim ersten Treffen des „Club Komitees Münster“ haben sich die Clubbetreiber über Wege aus der Krise ausgetauscht und gemeinsam klare Forderungen an die Politik gestellt. Ganz oben auf der Liste: Die Befreiung von der Vergnügungssteuer, „und zwar jetzt sofort und für immer“, sagt Thomas Pieper. Die Abschaffung der als „Strafsteuer“ empfundenen Abgabe sei längst überfällig und in vielen anderen Kommunen bereits erfolgt.

Steuervergünstigungen gefordert

Auch von der Bundesregierung fordern die Clubbetreiber eine langfristige Steuervergünstigung. „Wir verstehen nicht, dass die Mehrwertsteuer nur auf Speisen gesenkt wurde. Bei einer Senkung auf sieben Prozent auf Getränke hätten alle etwas davon gehabt“, so Pieper.

Damit die Clubszene in Münster weiter bestehen kann, brauche es zwei Hilfsphasen, meint Christian Huys : Akuthilfe und langfristige Unterstützung. Die Clubbetreiber hätten Darlehen aufgenommen, die zehn Jahre lang abgezahlt werden müssten – teilweise im sechsstelligen Bereich.

Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein, das hilft uns nur über zwei Monate.

Dominik Becker

Die Betreiber der „Gazelle“ haben nach eigenen Angaben Soforthilfe erhalten, „das ist aber ein Tropfen auf den heißen Stein, das hilft uns nur über zwei Monate“, sagt Dominik Becker.

Soforthilfe beantragt hat auch Christian Huys für den Hot Jazz Club und die „Rote Lola“, angekommen sei noch nichts: „Wegen Betrugsprüfungen dauert das gerade sehr lange.“

Forderung nach klaren Konzepten

„Wir sind alle mit gesunden Betrieben unverschuldet in diese Situation geraten und brauchen jetzt klare Konzepte, die uns die nächsten sechs bis zwölf Monate helfen.“ Denn selbst, wenn Clubs, Bars und Konzerthallen wieder öffnen dürfen, werde es aufgrund der dann wahrscheinlich geltenden Beschränkungen neue Probleme geben. „Wenn wir nur 50 Prozent der Gäste haben, haben wir auch nur die Hälfte des Umsatzes. Damit kann niemand seinen Kostenapparat decken“, sagt Becker.

Und die Kosten seien nicht großartig gesunken. Der Betrieb der „Gazelle“ koste nach wie vor 70 bis 80 Prozent soviel, wie sonst – und das bei null Einnahmen. „Wir zahlen noch volle Miete“, so Becker. Zu den Kosten gehöre aber auch viel mehr, als Außenstehende zunächst vermuteten, erläutert Christian Huys: „Wir haben ja auch die Booker, die wir weiter bezahlen müssen – ganz abgesehen von Leasingverträgen oder alten Darlehen.“ Clubs, die nicht älter als zehn Jahre alt sind, seien noch in der Tilgungsphase.

Wir halten uns für die urbane Stadtentwicklung für eminent wichtig.

Thomas Pieper

Die Clubbetreiber wollen mit ihrem Bündnis in dieser Zeit auf die Bedeutung der Clubkultur für die Stadt aufmerksam machen. „Wir halten uns für die urbane Stadtentwicklung für eminent wichtig“, sagt Thomas Pieper – vor allem mit Blick auf die Standortattraktivität für junge Unternehmen. Die Clubbetreiber fordern nun eine klare Positionierung der Stadt.

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