Nicht-Corona-Patienten im Mittelpunkt
UKM kehrt schrittweise zur Normalität zurück

Münster -

Neun Corona-Patienten werden zurzeit (30. April) im Uniklinikum Münster behandelt. Sich dort mit dem Virus anzustecken, sei „fast auszuschließen“, sagt der Ärztliche Direktor. Und er sagt das: Jetzt sei es angezeigt, alle anderen Erkrankten wieder in den Mittelpunkt zu stellen.

Donnerstag, 30.04.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 01.05.2020, 15:00 Uhr
Professor Dr. Hugo Van Aken.
Professor Dr. Hugo Van Aken. Foto: Oliver Werner

Nur noch 50 Prozent der Menschen, die mit Verdacht auf einen Schlaganfall oder Herzinfarkt vor der Coronakrise eine Notfall-Station eines münsterischen Krankenhauses aufgesucht hätten, täten das auch jetzt.

Die Menschen würden aus Angst, sich mit dem Virus anzustecken, viel zu spät in ein Krankenhaus kommen – mit der Folge, dass viele von ihnen weitaus größere Schäden davontragen würden, als das vor der Corona-Pandemie der Fall gewesen wäre. Das sagte am Donnerstag Prof. Dr. Hugo Van Aken, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums ( UKM ). Van Aken sprach von „Kollateralschäden“, so sei es im dritten Bericht der „Leopoldina“ zu Corona formuliert.

Verschobene Operationen nachholen

Ab sofort leitet das UKM eine Corona-Wende ein. Das Schreiben von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann vom 29. April „an die Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen“ macht es möglich. Die planmäßigen  Operationen sollen wieder aufgenommen werden.

Heißt im Fall des UKM: „Wir werden bis Ende nächster Woche alle Patienten kontaktieren, deren Operationen wir verschieben mussten“, so Van Aken im Gespräch mit dieser Zeitung. Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister gehe mit seinen Lockerungen und diesbezüglichen Empfehlungen an die Kliniken noch weiter, als es das Bundesgesundheitsministerium tue – und das sei absolut richtig.

Andere Erkrankte in den Fokus rücken

Zurzeit sind es nach Angaben von Van Aken neun Patienten, die durch das Coronavirus erkrankt sind und sich im UKM befinden. Platz sei auf der Isolierstation für 24 Patienten. Sich im UKM mit Covid 19 anzustecken, so Van Aken, sei „fast auszuschließen“. Es gehe jetzt darum, wieder anderweitig Erkrankte in den Fokus zu nehmen, deren Zugang zum Gesundheitswesen im Zuge der Covid-19-Maßnahmen  eingeschränkt war. 

Nach dem neuerlichen Ministerschreiben sollen Krankenhäuser in einer ersten Stufe nur noch zehn Prozent ihrer Intensivkapazitäten für Covid-19-Patienten freihalten. Sollten diese ausgeschöpft sein, müssten weitere zehn Prozent innerhalb von 24 Stunden zur Verfügung stehen. Noch einmal  zehn Prozent sind in einer zweiten Stufe innerhalb von weiteren 48 Stunden vorzuhalten, sollten die Kapazitäten nicht ausreichen. Unter diesen Vorgaben, so Van Aken, könnten die geplanten Operationen und Eingriffe im UKM wieder stattfinden. 

Langsam zurück zur Normalität

Und wenn eine zweite Welle kommt? Sollte es die geben, so der Ärztliche Direktor, sei das UKM in der Lage, innerhalb von „vier bis fünf Tagen“ genügend Intensivkapazitäten bereitzustellen. Waren die Einschränkungen dann in dieser Stärke überhaupt richtig? Van Aken: „Aus heutiger Sicht – nein“. Doch zu Beginn des Ausbruchs habe das niemand wissen können. „Die gute Nachricht ist, unser Gesundheitssystem ist sehr robust.“  Deutschland habe die niedrigste Mortalität-Prozentzahl von bewiesenen, infizierten Covid-19-Patienten.

Dr. Ralf Becker hat eine Praxis unter anderem mit hausärztlicher Versorgung in der Innenstadt. Auch er sagt,  dass es „fast ausgeschlossen“ ist, sich in seiner Praxis  anzustecken. Zu Beginn der Krise hätten er und seine Kollegen nahezu nur telefonisch behandelt. Immer seien aber auch Impfungen (vor allem gegen Lungenentzündung), Routine- und Laboruntersuchungen erfolgt. Seit diesem Montag fahre er seine Praxis „langsam wieder hoch“. In der derzeitigen Lage könne es „schrittweise zurück zur Normalität gehen“. 

Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

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  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

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  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. 

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  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

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  • Welche Verhaltensregeln gibt es?

    Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. Ansonsten gilt: Hände waschen und Abstand halten. Die seit dem 23. März bundesweit geltenden Verordnungen sehen unter anderem vor, dass sich in der Öffentlichkeit niemand in größeren Gruppen als zwei Personen aufhalten darf. Das Haus darf zum Beispiel nur für den Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Arzt oder für Spaziergänge (oder Joggen) verlassen werden.

    Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

    Foto: dpa
  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte Kontakte meiden und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

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  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

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  • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

    Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht vorgeschrieben. Allerdings gibt es zurzeit eine Debatte, ob sie nicht doch hilfreich sind, das Virus von einer Verbreitung abzuhalten. Die Stadt Jena in Thüringen hat sie inzwischen vorgeschrieben.

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  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

    Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

    Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

    Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

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