Lewe fordert Kinder per Brief zum Malen auf
Nette Geste oder ein Wahlkampfgag?

Münster -

Der Oberbürgermeister schreibt den münsterischen Grundschulkindern einen Brief und fordert sie auf, ein Bild zu malen. Die SPD wittert vier Monate vor der Kommunalwahl eine Wahlkampfaktion.

Mittwoch, 06.05.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 07.05.2020, 08:17 Uhr
Markus Lewe hat den Grundschulkindern einen Corona-Brief geschrieben
Markus Lewe hat den Grundschulkindern einen Corona-Brief geschrieben. Foto: Oliver Werner

War die Briefaktion nun eine nette Geste des Oberbürgermeisters, um gelangweilte Kita- und Grundschulkinder aufzuheitern? Oder hat sich Markus Lewe vier Monate vor der Oberbürgermeisterwahl eine mit Steuergeld finanzierte Wahlkampfkampagne genehmigt?

Fakt ist, dass 20.911 Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren in den vergangenen Tagen Post von Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) bekommen haben. Darin erzählt Münsters erster Bürger den kleinen  Münsteranern ein wenig über Corona, fragt, ob die Kinder Langeweile haben, und schreibt dann: „Gegen Deine Langeweile haben wir uns etwas überlegt: Mal doch ein Bild, was Dir in Münster am besten gefällt.“ Damit die geplante Ausstellung im Rathaus auch Wirklichkeit werden könne, erfolgt der Hinweis: „Deine Eltern können mir Dein Bild einfach per Post, Facebook oder Insta­gram zusenden.“

Scharfe Kritik von der SPD

In einer Videopressekonferenz haben die SPD-Ratsmitglieder Maria Winkel und Mathias Kersting diese Aktion scharf kritisiert. „So geht es nicht, das ist albern“, meinte Winkel. Lewe habe als Wahlkämpfer schlicht ein Tabu gebrochen: „Man spannt nicht Kinder in den eigenen Wahlkampf ein.“

Im Rathaus sieht man den Sachverhalt ganz anders. Zum Vorwurf, die Malaktion für Grundschulkinder sei eine Wahlkampfaktion, sagte ein Sprecher der Stadt: „Der Oberbürgermeister ist gerade eben nicht nur für seine Wähler da, sondern auch für die Kinder der Stadt.“ Überdies komme die Aktion gut an, wie der Rücklauf zeige. 85 Bilder seien bereits eingegangen.

Ein Oberbürgermeister hat derzeit andere Dinge zu tun als eine Malaktion zu organisieren.

Mathias Kersting

Nach Auskunft von Ratsherr Kersting liegen der SPD derweil  Beschwerden von Eltern vor, die sehr befremdet auf die Post des Oberbürgermeisters reagiert hätten. Kersting: „Ein Oberbürgermeister hat derzeit andere Dinge zu tun als eine Malaktion zu organisieren.“ Wenn überhaupt eine Notwendigkeit bestanden habe, so die SPD, dann hätte es eine Aktion des Schul- oder des Jugendamtes sein sollen, nicht aber des Oberbürgermeisters persönlich.

Die Kosten für Material, Druck und Porto beliefen sich auf 10.200 Euro.

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