LWL-Museum für Naturkunde
Lebensechte Homo sapiens-Figuren für neue Ausstellung

Münster -

"Überlebenskünstler Mensch" heißt eine neue Ausstellung, die ab August im LWL-Museum für Naturkunde in Münster gezeigt wird. Die ersten Ausstellungsstücke sind gerade eingetroffen. Und sie sehen täuschend echt aus.

Donnerstag, 07.05.2020, 12:30 Uhr aktualisiert: 07.05.2020, 12:38 Uhr
LWL-Museum für Naturkunde: Lebensechte Homo sapiens-Figuren für neue Ausstellung
Einzelne Körperteile, Bekleidung und die Kopfbedeckung wurden vor Ort von Maskenbildnerin Lisa Büscher (l.) und Ausstellungsmacherin Dr. Hanna Rüschoff angebracht. Foto: LWL/Steinweg

Früher wurden zur Darstellung der Evolution des Menschen gerne männliche Figuren gezeigt. Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster macht es anders und zeigt in der neuen Sonderausstellung "Überlebenskünstler Mensch" ab 21. August zwei weibliche Figuren der Maskenbildnerin Lisa Büscher . Die Künstlerin hat die beiden ersten Exponate aus ihrem Berliner Atelier persönlich an das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) geliefert, um sie vor Ort in der Ausstellung aufzubauen.

Die neue Ausstellung wird den Menschen in vielen Facetten beleuchten und will zentrale Fragen nach dem Wesen, dem Ursprung und der Zukunftsgestaltung der Menschheit ergründen, heißt es in einer Pressemitteilung des LWL. Die beiden Figuren sind ein Höhepunkt der neuen Ausstellung über die kulturelle Evolution des Menschen. "Für diesen Bereich fertigte die Künstlerin zwei lebensgroße, detailgetreue Nachbildungen einer Schamanin und eines jungen Mädchens an einem Lagerfeuer an", sagt Kuratorin Lisa Klepfer .

Fünfmonatige Arbeit

Die gebürtige Münsteranerin Lisa Büscher hat in fünfmonatiger Arbeit die detailreichen, äußerst realistischen Körper der beiden Frauen hergestellt. "Ich bekam die Vorgabe, eine 40 bis 60 Jahre alte, lebensreife Schamanin und ein etwa zwölf bis 16 Jahre altes, heranwachsendes junges Mädchen zu erstellen", so die Künstlerin.

Lebensechte Homo sapiens-Figuren im Naturkundemuseum

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  • Kuratorin Lisa Klepfer (v.li..), Maskenbildnerin Lisa Büscher und Ausstellungsmacherin Dr. Hanna Rüschoff, freuen sich über die gelungene Darstellung der beiden weiblichen Figuren.

    Foto: LWL/Steinweg
  • Vorsichtig wurden die Figuren in das Museum gebracht.

    Foto: LWL/Steinweg
  • Vorsichtig packt die Figurenbauerin Büscher die Schamanin aus.

    Foto: LWL/Steinweg
  • Die Schamanin wurde von Büscher in fünfmonatiger Arbeit angefertigt.

    Foto: LWL/Steinweg
  • Gegenüber der Schamanin sitzt in der Ausstellungsinszenierung ein junges Mädchen, welches der älteren Frau zuhört.

    Foto: LWL/Steinweg
  • Lisa Büscher achtete bei Ihrer Arbeit auf Authentizität, weshalb sie für die Schamanin eine echte Frau abgeformt hat, um daraus die Figur zu bauen.

    Foto: LWL/Steinweg
  • Die Figur der jungen Frau wirkt lebensecht, da Büscher auf der Haut auch Flecken, Pickel oder Mückenstiche, zeigt.

    Foto: LWL/Steinweg
  • Einzelne Körperteile, Bekleidung und die Kopfbedeckung wurden vor Ort in der Ausstellung angebracht. Ausstellungsmacherin Hanna Rüschoff (re.) begutachtet die Kopfbedeckung der Schamanin.

    Foto: LWL/Steinweg
  • Kuratorin Lisa Klepfer (li.) legt mit Büscher den Sitzplatz der Figuren fest. Die lebensechten Figuren einer Schamanin und einer jungen Frau sind wichtige Ausstellungsobjekte der neuen Sonderausstellung "Überlebenskünstler Mensch".

    Foto: LWL/Steinweg
  • Die Schamanin sitzt im Schneidersitz und beugt sich sprechend und gestikulierend am Feuer nach vorne und erscheint so lebensecht, dass die Besucherinnen und Besucher des Museums sich schon auf die Inszenierung freuen können.

    Foto: LWL/Steinweg

"Wir wollen mit dieser Szene betonen, wie wichtig Sprache für die Entwicklung komplexer Gemeinschaften und die kulturelle Evolution des Menschen gewesen ist.", sagt Ausstellungsmacherin Dr. Hanna Rüschoff und erläutert: "Unsere Sprache macht es möglich, Wissen mit anderen zu teilen und zuverlässig weiterzugeben. Das Erzählen von Geschichten und gemeinsame Erzählungen bilden seit jeher den Kit unserer Gesellschaften."

Die Schamanin sitzt im Schneidersitz und beugt sich sprechend und gestikulierend am Feuer nach vorn.

Lisa Büscher

Die Szene spielt in der europäischen Kaltzeit vor etwa 20.000 bis 12.000 Jahren. Büscher hat sich für die Szenerie bestimmte Körperhaltungen überlegt. "Die Schamanin sitzt im Schneidersitz und beugt sich sprechend und gestikulierend am Feuer nach vorn. Das Mädchen sitzt mit untergeschlagenen Beiden dabei und lauscht staunend der älteren Frau", beschreibt Büscher ihre Figuren.

Die besondere Herausforderung des Projektes bestand für die gelernte Spezialeffekt-Maskenbildnerin darin, bei den Figuren jeweils individuelle Züge und eine Gestik und Mimik herauszuarbeiten, die der Inszenierung entspricht.

Ton, Silikon und Gips

Der Entstehungsprozess begann mit einer Recherche, wobei der gelernten Maskenbildnerin vom LWL-Museum wissenschaftliche Daten zur Verfügung gestellt wurden. Daraufhin suchte die Künstlerin zunächst geeignete lebende Modelle. Sie fand eine Frau, die den Vorgaben für die Schamanin entsprach, und formte ihren Körper ab. Das junge Mädchen jedoch modellierte Büscher frei.

Sie begann, die Köpfe und Gliedmaßen in Ton zu modellieren. Anschließend fertigte sie aus Silikon und Gips mehrteilige Negativformen von den modellierten Körperteilen an. Durch Füllen der Formen mit speziellen hautfarbenen Silikonen erhielten die Nachbildungen ihre elastische, lebensecht wirkende Hautoberfläche.

Büscher hat in Münster Design studiert

Danach bemalte die Künstlerin die so erhaltenen Silikon-Rohlinge und stach in einem aufwändigen Verfahren Haare einzeln in die Häute. Den Effekt, dass die Frauen einem scheinbar lebendig gegenüberstehen, erreichte Büscher durch Einarbeitung feiner Detail wie etwa Poren und Falten auf der Haut, einer organischer Linienführung, der Einarbeitung natürlicher Asymmetrien und kleiner Flecken und Äderchen auf der Haut, Mückenstichen oder gar kleiner Verletzungen.

Büscher studierte Illustration am Fachbereich Design in Münster und arbeitete im Rahmen ihrer Tätigkeit als Maskenbildnerin bei verschiedenen Filmprojekten mehrfach im europäischen Ausland. Schon seit 2003 ist Büscher erfolgreich in den Bereichen Figurenbau, Prosthetics und Special-Makeup tätig. Seit 2008 arbeitet sie mit dem Museum in Münster zusammen. 

Hintergrund zur Ausstellung

Das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster zeigt ab dem 21. August 2020 die Sonderausstellung "Überlebenskünstler Mensch". Auf 1200 Quadratmetern lernen Besucher den Menschen in vielen Facetten kennen. Die Ausstellung spannt einen Bogen von den Anfängen des Homo Sapiens als Jäger und Sammler bis zur möglichen Besiedlung des Mars durch die Menschheit. 

Die Ausstellung ist für alle Menschen geeignet. Sie beinhaltet: Brailleschrift, einen speziellen, mehrsprachigen Audioguide (D, EN, NL) und Tastmodelle für Menschen mit Sehbehinderung, Mitmachstationen und untertitelte Filme. Begleitend zur Ausstellung werden museumspädagogische Programme für Schülerinnen, Kinder und Jugendliche sowie Führungen für Erwachsene angeboten.

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