Allwetterzoo
Neue Aufzuchtstation für Schildkröten

Münster -

Die Scharnierschildkröte war das "Zootier des Jahres 2018". Sie ist massiv von der Ausrottung bedroht. Der Allwetterzoo hat jetzt eine Aufzuchtstation für die Schildkröten - und beheimatet schon 47 Tiere dieser Art.

Donnerstag, 07.05.2020, 13:30 Uhr
Allwetterzoo: Neue Aufzuchtstation für Schildkröten
Im Allwetterzoo werden Scharnierschildkröten gezüchtet. Foto: Allwetterzoo Münster

Die Kampagne „Zootier des Jahres 2018“ ist schon ein wenig her, doch die positiven Folgen nehmen erst in diesem Frühjahr so richtig Kontur an. So konnte die Aufzuchtstation im Internationalen Zentrum für Schildkrötenschutz (IZS) im Allwetterzoo Münster fertig gestellt werden.

Neben Tiger, Panda und Co. gibt es viele Tierarten, die, bezüglich ihres Schutzstatus, mehr Aufmerksamkeit verdienen. So kam es, dass im Jahr 2018 die Scharnierschildkröte zum Zootier des Jahres ausgerufen worden war. Fast alle Arten dieser Gattung sind laut einer Pressemitteilung des Zoos kritisch von der Ausrottung bedroht, was die Scharnierschildkröten zu einer der global bedrohtesten Gattungen macht.

47 Tiere in der neuen Anlage

Ein Teil der durch Spenden eingenommenen Gelder ist nun in die Fertigstellung der Aufzuchtstation des IZS (Internationales Zentrum für Schildkrötenschutz) geflossen. „Aktuell haben wir hier 47 Tiere, die wir in unserer neuen Anlage aufziehen“, sagt Tierpfleger Christian Langner . „Dabei handelt es sich um sechs hochbedrohte Arten.“

IZS AUfzuchtstation

Die Aufzuchtstation Foto: Allwetterzoo Münster

Schildkröten gelten in vielen Kulturkreisen als Glücksbringer und Symbole für langes Leben. Diese an sich erfreuliche Wertschätzung wird ihnen aber in Ost- und Südostasien zum Verhängnis. Denn dort herrscht der Glaube, dass sich die positiven Eigenschaften der Tiere auf den Menschen übertragen lassen, wenn man das Fleisch, die Innereien und zermahlene Knochen oder die Panzer verspeist. So sind Schildkröten traditionelle Bestandteile der chinesischen Küche und Medizin geworden.

Bis zum dringend notwendigen gesellschaftlichen Wandel ist die Tierhaltung in Zoos und in Privathand also die einzige Chance, dass wir diese Arten vor uns retten.

Dr. Philipp Wagner

Da China selbst diesen Bedarf nicht decken kann, ist es in den vergangenen Jahrzehnten zu einer beispiellosen Ausplünderung von Schildkrötenbeständen auf der ganzen Welt gekommen. „Wir sind glücklich, dass unsere Partner  und wir mit einer erfolgreichen Zucht zum Fortbestand vieler, teils sehr stark von der Ausrottung betroffener Arten beitragen können“, erklärt der Kurator für Artenschutz, Dr. Philipp Wagner .

„Einige Arten in unserem IZS sind in der Natur bereits ausgerottet worden – zumindest hat man seit langem keine wildlebenden Tiere mehr gefunden. Bis zum dringend notwendigen gesellschaftlichen Wandel ist die Tierhaltung in Zoos und in Privathand also die einzige Chance, dass wir diese Arten vor uns retten.“

Tiere werden einzeln gehalten

Die neue Aufzuchtstation ist so organisiert, dass die Pflege der Aquarien und die Wasseraufbereitung möglichst wenig Arbeit für das Personal bedeuten. Damit haben die Tierpfleger deutlich mehr Zeit, um sich um die einzelnen Tiere zu kümmern. „Die Schildkröten müssen alle einzeln gehalten werden. Später, wenn die Tiere älter sind, müssen zudem die Aquarien durch einen Sichtschutz voneinander getrennt werden. Das ist bei den Jungtieren aber noch nicht notwendig“, sagt Christian Langner zu der Besonderheit der Pflege. Die neue Aufzuchtstation ermöglicht es den Tierpflegern zudem, einen besseren Überblick zu behalten, welches Tier sich wie entwickelt.

Dass das IZS eine so erfolgreiche Pionierstellung einnehmen konnte, ist auch auf das Engagement der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP) zurückzuführen. „Ich möchte mich hier noch einmal ganz besonders bei der ZGAP bedanken, die mit uns gemeinsam das IZS betreibt und auch inhaltlich seit langem begleitet. Zudem hat die ZGAP mit weiteren Partnern auch die Kampagne Zootier des Jahres initiiert. Ohne die 2018 generierten Förder- und Spendengelder, wäre die neue Aufzuchtstation so nicht möglich gewesen“, bedankt sich Dr. Philipp Wagner.

Über das IZS

Jährlich wandern viele Millionen Schildkröten, selbst streng geschützte, in die Kochtöpfe und Apotheken. Betroffen von diesem maßlosen Verbrauch sind rund 70 Schildkrötenarten. Mehrere Arten sind bereits ausgerottet, viele weitere stehen unmittelbar davor und wurden seit Jahren nicht mehr in ihrem natürlichen Lebensraum gesehen. Zusätzlich zu dem unkontrollierten Sammeln und dem massenhaften Verzehr bedroht die Zerstörung des natürlichen Lebensraumes viele Schildkrötenarten, denn unkontrollierter Holzeinschlag und die Zersiedelung der Landschaft vernichten ihre Biotope.

Da von einigen Arten womöglich nur noch wenige Exemplare existieren, ist es für Rettungsmaßnahmen allerhöchste Zeit. Um zumindest asiatische Schildkrötenarten vor der akut drohenden Ausrottung zu retten, wurde im Allwetterzoo am 18. Oktober 2003 auf Initiative von Elmar Meier und in Kooperation mit der ZGAP und der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) das Internationale Zentrum für Schildkrötenschutz (IZS) eingeweiht. Dieses weltweit einmalige Pilotprojekt vernetzt zoologische Einrichtungen mit Privathaltern und wird seitdem von zahlreichen Förderern und Sponsoren unterstützt, darunter außer ZGAP und DGHT auch die nationalen Fachverbände aus Großbritannien, der Schweiz sowie den Niederlanden, die Andreas-Stihl-Stiftung und die Stiftung Westfalen-Initiative, das Deutsche Tierhilfswerk (DTHW) und die LVM-Versicherung Münster.

...

 

Neue Sicherheitsregeln im Allwetterzoo

1/15
  • Die Tiere im Allwetterzoo erwarten ab Dienstag (5. Mai) um 14 Uhr wieder Besuch.

    Foto: dpa
  • Der Zoo appelliert an alle Besucher, sich an die Spielregeln zu halten.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Maskenpflicht herrscht nur in geschlossenen Räumlichkeiten wie im sanitären Bereich, nicht aber auf den Wegen.

    Foto: dpa
  • Über drei Kassen und jeweils einen eigenen Weg werden die Besucher in den Zoo gelassen. Abstand hat Priorität.

    Foto: dpa
  • Tipp: Karten am besten online erwerben. Das spart Zeit und verhindert Schlangen.

    Foto: dpa
  • Der Eintritt ist fürs Erste reduziert. Erwachsene zahlen lediglich 15 Euro, Schüler und Studenten 10 Euro, Kinder 8 Euro.

    Foto: dpa
  • Maximal 2700 Besucher dürfen gleichzeitig in den Zoo. Ordner sorgen dafür, dass sich die Gäste gleichmäßig verteilen. Am Ausgang werden die Menschen gezählt, die gehen. Dann können andere sofort rein.

    Foto: dpa
  • Auf der Homepage können Interessierte jederzeit nachsehen, wie voll der Zoo gerade ist.

    Foto: Screenshot
  • Auch das Westfälische Pferdemuseum öffnet dank eines Hygienekonzepts wieder.

    Foto: Oliver Werner
  • Auf dem Zoogelände sind die Menschen angehalten, sich an den empfohlenen Mindestabstand von 1,5 Meter zu halten. Das gilt auch für die Bereiche vor den Gehegen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Spielplätze sind genau wie die Shops oder Tierhäuser noch geschlossen.

    Foto: Allwetterzoo
  • Tiershows wie im Robbenhaus fallen zunächst aus.

    Foto: Oliver Werner
  • Der Zoo bittet auch draußen und an den Kassen um Rücksicht und Geduld.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Gastronomie öffnet noch nicht. Lediglich Speisen zum Mitnehmen werden verkauft.

    Foto: Allwetterzoo
  • Jahreskarten werden automatisch um jeweils zehn Wochen verlängert. Auch Gutscheine, die es zur Geburt eines Kindes gegeben hat und während der Schließungsphase abgelaufen sind, können noch bis Ende Mai eingelöst werden. 

    Foto: dpa

 

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7399465?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Nachrichten-Ticker