Das Haus der Niederlande wird 25 Jahre alt
Ziemlich beste Nachbarn

Münster -

Am 15. Mai 1995 feierte in Münster eine einzigartige Institution ihre Eröffnung. Das Haus der Niederlande gestaltet nun schon seit einem Vierteljahrhundert die Nachbarschaft der beiden Länder.

Freitag, 15.05.2020, 08:00 Uhr
Ilona Riek, Prof. Dr. Friso Wielenga (M.) und Prof. Dr. Gunther De Vogelaer bereiten das 25-jährige Jubiläum des Hauses der Niederlande vor, auch wenn die Feier aufgrund der Corona-Krise verschoben werden muss.
Ilona Riek, Prof. Dr. Friso Wielenga (M.) und Prof. Dr. Gunther De Vogelaer bereiten das 25-jährige Jubiläum des Hauses der Niederlande vor, auch wenn die Feier aufgrund der Corona-Krise verschoben werden muss. Foto: Julia Harth/WWU

In Münster hat das nahe Nachbarland, die Niederlande, seit 25 Jahren eine feste Adresse. Das Haus der Niederlande im ehemaligen Krameramtshaus am Alten Steinweg wurde am 15. Mai 1995 feierlich eröffnet – dabei waren unter anderen die heutigen Könige Willem Alexander der Niederlande und Philippe von Belgien. Die im Erbdrostenhof geplante Jubiläumsfeier ist wegen Corona vertagt worden. Susanne Wedlich hat für die Universität auf die Geschichte des Hauses zurückgeblickt.

Die Worte wollen gut gewählt sein, wenn es um die Beziehung zwischen Deutschland und den Niederlanden geht. Schließlich gibt es einige Fallstricke der gemeinsamen Geschichte. Auf der anderen Seite stechen viele Ähnlichkeiten und eine nicht zuletzt auf europäischer Ebene enge Verknüpfung hervor, was charakteristische Eigenheiten der beiden Nationen aber weder ausradieren kann noch soll. Sprache, Kultur und vielleicht auch Sicht auf die Welt: Manches ist getrennt, mehr noch aber verbunden.

Geschichtsträchtiger Ort

Ziemlich beste Nachbarn (niederländisch: tamelijk beste buren) eben, und das ist auch Verdienst des Hauses der Niederlande. Es hätte kaum einen geschichtsträchtigeren Ort für die Einrichtung geben können als das Krameramtshaus in der Innenstadt von Münster.

Im Jahr 1648 setzte der in Münster und Osnabrück geschlossene Westfälische Friede dem Dreißigjährigen Krieg ein Ende. Zeitgleich wurde eine weitere Vereinbarung unterzeichnet, der spanisch-niederländische Vertrag. Er führte zur internationalen Anerkennung der niederländischen Republik und markiert damit deren Geburtsstunde. Die niederländischen Verhandlungsführer residierten seinerzeit im Krameramtshaus.

Niederländische Sprache als Schwerpunkt

Es ist also der passende Rahmen für das Haus der Niederlande, das mittlerweile zu den wichtigsten Ansprechpartnern in Sachen Niederlande im deutschsprachigen Raum gehört. Dabei hilft, dass unter diesem Dach ebenfalls ziemlich beste Nachbarn getrennt agieren, aber auch gemeinsam vorgehen, etwa bei der Öffentlichkeitsarbeit oder wechselnden Ausstellungen: das Zentrum für Niederlande-Studien (ZNS) unter der Leitung von Prof. Dr. Friso Wielenga , das Institut für Niederländische Philologie (INP) unter der Leitung von Prof. Dr. Gunther De Vogelaer sowie die von Ilona Riek geleitete Bibliothek im Haus der Niederlande (BHN).

Ein übergeordneter Schwerpunkt ist natürlich die niederländische Sprache. „Anfänger verspüren oft eine leichte Euphorie, weil sie schnell viel verstehen“, sagt Gunther De Vogelaer. „Aber es gibt Unterschiede, und wir brauchen spezifische Methoden für den Spracherwerb.“ Das ist besonders wichtig, weil der Andrang der Lehramtsstudierenden groß ist und sogar steigt. Denn Niederländisch ist als Schulfach fest verankert.

Ein Semester in den Niederlanden

Wer sich mit niederländischer Politik, Wirtschaft, Geschichte und Kunstgeschichte sowie interkultureller Kommunikation beschäftigten will, wird am ZNS fündig. „Einmalig ist, dass wir mit dem Bachelor und Master gleich zwei multidisziplinäre Studiengänge in Niederlande-Deutschland-Studien anbieten“, sagt Friso Wielenga. Für den nötigen Praxisbezug sorgt beim Bachelor ein Semester in den Niederlanden, während Masterstudierende für den gemeinsamen Abschluss ein Jahr an der Universität Nijmegen verbringen. Auch ein Praktikum mit deutsch-niederländischem Bezug gehört zu den beiden Studiengängen.

Damit der Nachwuchs an Studierenden auch künftig gesichert ist, rückt die Arbeit an den Schulen verstärkt in den Fokus.

Wir müssen die Beziehung auch im ohnehin kriselnden Europa ausbauen und vertiefen.

Friso Wielenga

Geforscht wird selbstverständlich auch am Haus der Niederlande – in der Bibliothek. Vor 25 Jahren vereinte sie mehrere bestehende Bestände und ist Ilona Riek zufolge mit ihrer breitgefächerten Spezialsammlung zur niederländischen Sprache und Kultur zurzeit „die größte Spezialbibliothek über den niederländischen Kulturraum in Deutschland, wenn nicht darüber hinaus“.

Das Haus der Niederlande trägt so auf vielen Ebenen zum besseren Verständnis zwischen Deutschland und den Niederlanden bei. Aber wie steht es nun um die Nachbarschaft? „Im Moment sehr gut“, sagt Friso Wielenga. „Aber das ist nicht selbstverständlich. Wir müssen die Beziehung auch im ohnehin kriselnden Europa ausbauen und vertiefen. Wenn wir verlieren, was wir in Europa haben, wäre das sehr dramatisch.“

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