Bewusst herbeigeführte Explosionen in Mietshaus
Prozess: Gutachter halten beide Angeklagte für voll schuldfähig

Münster -

Im Prozess um angeblich bewusst herbei geführte Explosionen in einem Mietshaus am Max-Klemens-Kanal, die zwei Frauen zur Last gelegt werden, musste nun die Vermieterin der Angeklagten vor dem Landgericht aussagen. Außerdem haben sich Gutachter zur Schuldfähigkeit geäußert.

Dienstag, 19.05.2020, 19:15 Uhr aktualisiert: 20.05.2020, 12:03 Uhr
Bewusst herbeigeführte Explosionen in Mietshaus : Prozess: Gutachter halten beide Angeklagte für voll schuldfähig
Feuerwehrleute löschen das zerstörte Wohnhaus am Max-Klemens-Kanal. Foto: Helmut Etzkorn

Weitere Zeugen wurden am Dienstag im Prozess um mehrere Explosionen in einem Mietshaus im September vor dem Landgericht Münster  befragt. Darunter war die 70-jährige Eigentümerin des Fachwerkhauses am Max-Klemens-Kanal.

Sie berichtete, vor knapp drei Jahren seien erstmals die Mietzahlungen der 39-jährigen und der 69-jährigen Angeklagten ausgeblieben. Nachdem sie ihren Anwalt eingeschaltet hatte, sollte das Haus 2018 geräumt werden. Damals hatte sich der Ex-Ehemann und Vater der Angeklagten bereit erklärt, die Miete für drei weitere Monate zu zahlen. Doch auch danach zogen Mutter und Tochter nicht aus.

Gespräch zwischen Angeklagten und Vermieterin

Bei einem zweiten Termin im Mai 2019 hätten sich die Vermieterin und die beiden Angeklagten kurzfristig auf eine Verschiebung um eine Woche geeinigt, da die 39-jährige schwanger gewesen sein soll. Rund um die Schwangerschaft gibt es allerdings noch immer Fragezeichen – zum einen, ob die Angeklagte wirklich schwanger war – das Kind soll laut ihrer Aussage gestorben sein – zum anderen über den vermeintlichen Vater. Der soll ein amerikanischer Soldat sein, dessen Existenz dem Gericht bisher nicht bewiesen werden konnte.

Zudem soll noch am Vortrag der geplanten Räumung, bei der die Angeklagten die Explosionen herbeigeführt haben sollen, ein Gespräch zwischen Angeklagten und Vermieterin stattgefunden haben, bei dem Erstgenannte erfolglos versucht haben, die Räumung erneut aufzuschieben. Die Suizidabsicht durch Explosionen soll jedoch nicht zur Sprache gekommen sein.

Die 70-jährige Vermieterin erzählte zudem, ihr sei bis September 2019 ein Mietschaden in Höhe von 60.000 Euro entstanden, der Schaden am nun abgerissenen Fachwerkhaus – welches neu gebaut werden soll – werde auf 750.000 Euro beziffert. Diese werde aber die Versicherung bezahlen. Zum Ende der Befragung der Vermieterin bat die 39-Jährige um das Wort, um sich unter Tränen bei ihrer Vermieterin zu entschuldigen.

Psychiatrische Fachkräfte sagen als Zeugen aus

Sowohl die Vermieterin als auch weitere Zeugen - unter anderem die Gerichtsvollzieherin - schilderten außerdem, wie sie die Explosionen erlebt hatten. So seien die Gerichtsvollzieherin, ebenso wie die anwesenden Polizisten, während der ersten Explosion wenige Meter vor dem Eingangs-Tor zum Grundstück gewesen, die Vermieterin und ein Begleiter hätten ein Stück weiter davon entfernt an der Straße gestanden. Die Entfernung ist besonders für die spätere Urteilsfindung relevant, weil davon mutmaßlich abhängig gemacht wird, inwieweit die Anklage des versuchten Mordes bestehen bleibt.

Vor Rätsel stellt das Gericht derweil die Schilderung der Angeklagten gegenüber mehreren psychiatrischen Fachkräften (die auch als Zeugen geladen waren), der vermeintliche amerikanische Soldat und Vater des Kindes gehöre einer mächtigen, geheimen, militärischen Organisation an, die weltweit Einfluss habe. Die psychiatrischen Fachkräfte erzählten, die Angeklagten würden zum Teil unter Wahnvorstellungen leiden.

Doch die sachverständigen Gutachter kamen zum Schluss, beide Angeklagte seien aus ihrer Sicht voll schuldfähig. Der Prozess wird um 27. Mai fortgesetzt.

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