„Coconut Beach“ öffnet am Himmelfahrtstag
Kreativ durch die Corona-Krise

Münster -

Vertreter der münsterischen Konzert- und Clubszene trafen am Mittwochnachmittag mit OB Markus Lewe zusammen. Dieser betonte, dass er hinter der Clubszene stehe: Sie sei wichtig für die Stadt.

Mittwoch, 20.05.2020, 21:00 Uhr
Konzertveranstalter und Clubbetreiber sprachen am Mittwochnachmittag mit Oberbürgermeister Lewe über ihre Situation.
Konzertveranstalter und Clubbetreiber sprachen am Mittwochnachmittag mit Oberbürgermeister Lewe über ihre Situation. Foto: Matthias Ahlke

Knapp drei Wochen sind vergangen, seit das „Club-Komitee“ zum ersten Mal Alarm schlug: Die Situation sei dramatisch, Existenzen seien bedroht, stellten damals die münsterischen Konzertveranstalter und Clubbetreiber klar. Seitdem ist vieles passiert, Geschäfte dürfen ebenso wieder öffnen wie Cafés und Restaurants. Für die Clubszene gibt es allerdings nach wie vor keine Perspektive.

Am Mittwoch schilderten die rund 20 Mitglieder des „Club-Komitees“ Oberbürgermeister Markus Lewe ihre aktuelle Situation. „Wir sind in massiven Nöten“, so Christian Huys vom „Hot Jazz Club“. Er stehe hinter der Clubszene, stellte Lewe klar – sie sei für Münster von großer Bedeutung.

Konzerte an anderen Stellen der Stadt denkbar

Allein mit Sympathiebekundungen ist es freilich nicht getan. Die Szene-Vertreter präsentierten daher eine Reihe von Vorschlägen, wie sich ihre Situation zumindest ein wenig verbessern ließe. Tom Naber vom Konzertveranstalter Kingstar organisiert das „Vainstream Festival“ am Hawerkamp. Investitionen in die Infrastruktur des Geländes neben der Halle Münsterland hätten zur Folge, dass die Kosten für Veranstaltungen deutlich sinken würden, sagt Naber. An- und Abbau wären weniger aufwendig, auch andere Veranstalter würden profitieren.

Was zum Vatertag in NRW erlaubt ist - und was nicht

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  • Nordrhein-Westfalen steht mit Himmelfahrt der nächste Feiertag in Pandemie-Zeiten bevor. Alkoholreiche Vatertagstouren müssen ausbleiben - allerdings ist vieles auch wieder erlaubt. Ein Überblick:

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  • AUSWÄRTS ÜBERNACHTEN:

    Hotels und Ferienwohnungen dürfen nach wochenlanger Pause unter Hygiene-Auflagen wieder Touristen aufnehmen. Auch Campingplätze haben geöffnet - und können sich kaum vor dem Ansturm retten. Nach wochenlangem Stillstand haben sich die Betriebe auf einen Neustart vorbereitet, hieß es in der Eifel, im Sauerland und am Niederrhein.

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  • WEGFAHREN:

    Wer die heimischen Regionen zu langweilig findet, darf auch bereits schon wieder in andere Bundesländer fahren. Auch dort dürfen größtenteils wieder Touristen aufgenommen werden. Die Grenzen zu den Nachbarländern Niederlande und Belgien waren ohnehin nie geschlossen. Allerdings hob die Landesregierung einige Tage vor Himmelfahrt die Pflicht auf, sich nach der Rückkehr aus dem Ausland für 14 Tage in Quarantäne zu begeben. Für die meisten anderen Staaten gilt noch bis Mitte Juni eine Reisewarnung.

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  • ESSEN GEHEN:

    Auswärts zu Mittag essen oder ein Bier im Lieblingsrestaurant trinken geht in NRW schon seit der vergangenen Woche wieder - also auch am Vatertag. Bars, Clubs und Discos bleiben aber noch geschlossen, eine Öffnung ist vorerst nicht in Sicht.

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  • SONNE TANKEN:

    Die Meteorologen versprechen sonniges, warmes Wetter. Die Temperaturen liegen am Donnerstag nach einer Prognose des Deutschen Wetterdienstes (DWD) über 25 Grad. Am Rhein werden bis zu 29 Grad erwartet. Ob auf dem Balkon, im Park oder auf der Kurzreise: Einem Sonnenbad dürfte am Vatertag nicht viel im Weg stehen.

    Foto: Oliver Werner
  • SCHWIMMEN:

    Wem es in den vergangenen Wochen gefehlt hat, im Wasser seine Bahnen zu ziehen, kann den Feiertag nutzen, um das nachzuholen. Freibäder dürfen in NRW ab dem 20. Mai, also pünktlich vor dem Feiertag, wieder öffnen. Vorgeschrieben wird eine begrenzte Zahl an Gästen, Mindestabstand - auch im Becken und in Duschen - sowie Maskenpflicht in geschlossenen Räumen.

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  • BESUCHE UND TREFFEN:

    Besucher oder Treffen mit einem zweiten Haushalt - also einer weiteren Familie, einem Paar, einer WG oder Einzelperson außerhalb des eigenen Haushalts, sind erlaubt. Allerdings gelten noch bis Anfang Juni weiterhin die Kontaktbeschränkungen: Mehr Leute darf man nach den Vorgaben nicht treffen. Touren mit Bollerwagen, Alkohol und der ganzen Clique sind also ausgeschlossen. So appellierte der Heinsberger Landrat Stephan Pusch (CDU) in einer Videobotschaft: „Liebe Väter, Vatertag kann man nicht so feiern wie sonst. Das ist aber, glaube ich, jedem klar. Aber ich hoffe, dass wir nächstes Jahr wieder zu unserem Recht kommen.“

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Konzerte seien in Zukunft aber auch an anderen Stellen in der Stadt denkbar, betont das Clubkomitee. Warum nicht ein Jazz-Konzert auf dem Domplatz oder ein Top-DJ am Juridicum, natürlich unter Beachtung der Anti-Corona-Regeln? Konzertveranstalter und Clubbetreiber würden sich freuen, wenn ihnen die Besitzer solcher Plätze, nicht selten die Stadt Münster, entgegenkämen, betont Huys. Fast genauso wichtig: „Wir brauchen für unsere Belange einen direkten Ansprechpartner bei der Stadt.“ Bislang hätten Veranstalter nicht selten eine Odyssee durch die Stadtverwaltung absolvieren müssen.

Kreatives Konzept am Himmelfahrtstag

Nach Geld vom Staat will die Szene nicht reflexartig rufen. Stattdessen will sie an Konzepten arbeiten, die in die Zukunft weisen. Die aktuellen Verordnungen schränken ihren Bewegungsrahmen freilich drastisch ein – und eine durchgreifende Rückkehr zur Normalität ist aktuell (noch) nicht in Sicht.

Mit einem kreativen Konzept geht am Himmelfahrtstag der „Coconut Beach“ im Stadthafen 2 an den Start. 100 Gäste dürfen nach den geltenden Regeln dabei sein, wenn DJ-Größe Gerd Janson auflegt. Sie können an festen Tischen trinken und essen – und einzeln, mit Mundschutz, in kleinen Sand­kreisen tanzen. Diese haben 70 Zentimeter Durchmesser, sind mit Kunstrasen ausgelegt und eineinhalb Meter voneinander entfernt. „Ein kleiner Hoffnungsschimmer“, sagt Betreiber Thomas Pieper.

Die Karten seien innerhalb von 15 Minuten ausverkauft gewesen, das Ordnungsamt habe zugestimmt. „Der DJ verzichtet auf den größten Teil der Gage. Sollten demnächst 250 bis 300 Gäste erlaubt sein, dann könnte das was werden.“ Die nächste Veranstaltung ist Pfingsten geplant – wieder am Beach, doch auch anderswo in der Stadt kann sich Pieper „Tanzkreise“ gut vorstellen. „Wenn wir kreativ sind, dann kann uns das retten“, sagt er stellvertretend für die Clubszene.

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