Festival „Neue Wände“ fand wegen Corona nur im Internet statt
Witzig, rührend, überwältigend

Münster -

Das Studentenfestival „Neue Wände“ fand an diesem Wochenende wegen Corona nicht wie gewohnt im Theater Münster statt, sondern im Internet.

Montag, 25.05.2020, 21:00 Uhr aktualisiert: 25.05.2020, 21:47 Uhr
Festival „Neue Wände“ fand wegen Corona nur im Internet statt: Witzig, rührend, überwältigend
Foto: Hochschulkultur/Ralf Emmerich

Thomas Philipzen befand sich am Wochenende in häuslicher Quarantäne – nicht in echt, aber dramaturgisch. Der Kabarettist moderierte die Corona-Ausgabe des studentischen Kulturmarathons „Neue Wände“. Und da Philipzen nicht – wie bei den früheren Festivals üblich – auf der Bühne des Großen Hauses im Theater Münster stehen konnte, wanderte er, von Kameras begleitet, durch seine Wohnung. Mal im Treppenhaus, mal im Arbeitszimmer, mal auf dem Sofa liegend, führte er durch das Programm.

Am Sonntagabend um 22.30 Uhr verabschiedete er sich dann und brach auf zum nächtlichen Spaziergang durch das Quartier. Das war der Moment, als der Abspann auf dem Bildschirm erschien und kurz darauf in Hunderten anderer Wohnungen die Laptops wieder zugeklappt wurden.

Vierte Ausgabe erforderte Plan B

Seit zehn Jahren gibt es das Festival „Neue Wände“. Doch bei der vierten Ausgabe war ein Plan B erforderlich, weil die Corona-Pandemie den Auftritten von über 600 Studierenden im Theater Münster einen Strich durch die Rechnung machte. Vor die Alternative gestellt, entweder zu resignieren oder zu improvisieren, entschied sich das Team um Festivalleiterin Cornelia Kupferschmid für die Improvisation und bat alle teilnehmenden Gruppen aus der studentischen Kulturszene, Videobeiträge zu produzieren. 28 einzelne Acts kamen so zustande – von den Bachfans im Ensemble 22 bis zu den Jazzfreunden der WWU-Big-Band. „Fast alle Teilnehmer blieben bei der Stange, die Treue zu dem Festival war überwältigend“, so Kupferschmid.

Das Duo Horst und Christel sorgte für reichlich Komik beim Festival Neue Wände.

Das Duo Horst und Christel sorgte für reichlich Komik beim Festival Neue Wände. Foto: Ralf Emmerich

Teilweise wurden die Videos eigens für das Festival aufgenommen, teilweise zeigten sie Zusammenschnitte früherer Auftritte aus Zeiten vor Corona. Für alle Gruppen, denen es an Möglichkeiten zum eigenen Videodreh mangelte, bestand am Freitag und Samstag die Möglichkeit, in das Aufnahmestudio des Amelsbürener Unternehmens Multi Media Veranstaltungstechnik zu kommen und unter professionellen Bedingungen zu arbeiten. Dort wurden nonstop Videobeiträge für das Festival produziert – viel Musik, aber auch Nonsens mit „Horst und Christel“ oder auch Corona-taugliche Einlagen der Tanzensembles beim Hochschulsport.

70 Videoschnipsel

Die Mannschaft von Georg Reuber in Amelsbüren übernahm sodann auch die Aufgabe, die insgesamt über 70 Videoschnipsel technisch zu seiner „Sendung“ zusammenzubauen, die dann am Sonntag ab 18 Uhr im Internet veröffentlicht wurde. Den Auftakt machte ein vom Kabarettisten Christoph Tiemann moderierter Science-Slam.

Was am Ende dabei herauskam, waren viereinhalb Stunden Kultur mit witzigen, rührenden und zuweilen auch überwältigenden Momenten – und einer richtigen 30-Minuten-Pause, wie im Theater halt üblich. Dazu schwenkte die Kamera im Garten von Thomas Philipzen auf die helle Glut in der Feuerschale und blieb dann einfach stehen. Auf die Idee muss man erst einmal kommen.

Der am Sonntagabend veröffentlichte Stream ist weiterhin zu sehen.

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