Kitas öffnen mit eingeschränkter Betreuungszeit
„Es ist eine Herausforderung“

Münster -

In dieser Woche starten die Kitas in NRW in den „eingeschränkten Regelbetrieb“. Das bedeutet, eine insgesamt kürzere Betreuungszeit außerdem dürfen die Kinder ihre Betreuungsgruppen nicht verlassen. Eine ungewohnte Situation für die Kleinen – aber auch für die Mitarbeiter.

Montag, 08.06.2020, 13:17 Uhr aktualisiert: 08.06.2020, 13:36 Uhr
Kitas öffnen mit eingeschränkter Betreuungszeit: „Es ist eine Herausforderung“
In der Kita Burgwall in Münster können seit Montag wieder alle Kinder in den Kindertageseinrichtung betreut werden – allerdings nur in festen Gruppen und mit Abstands- und Hygienevorkehrungen. Foto: Matthias Ahlke

Abstandsregeln, abgeteilte Spielbereiche und Zutrittsverbot für Eltern – trotz der strengen Hygienevorschriften ist die Freude, darüber, dass die Kitas wieder geöffnet sind, groß. Das Team der städtischen Kita Hiltrup-West hat sich vorbereitet: Mit doppelseitigem Klebeband haben die Vorschulkinder der Kita rot-weißes Absperrband auf dem Fußweg zum Eingang der Kita angeklebt.

„Wir haben die Markierung wetterfest gemacht“, sagt Ursel von Lützau-Kepp, Leiterin der städtischen Kita Hiltrup-West. Die Kinder hatten zunächst Kreidestriche im Abstand von zwei Metern gemalt, „das hat lange gehalten, aber dann kam der Regen“. Und in dieser Woche sind die Abstandsmesser besonders wichtig: Denn seit Montag dürfen alle Kinder zurück in die Kita. Insgesamt werden dort in drei Gruppen 63 Kinder betreut. Im „eingeschränkten Regelbetrieb“ eine Herausforderung für Eltern, Kinder und Betreuer, sagt von Lützau-Kepp. Denn der Kita-Alltag muss anders gestaltet werden, als sonst.

Abschied am Eingang

Die Kinder verabschieden sich am Eingang von ihren Eltern, wo sie dann von der jeweiligen Gruppen-Betreuerin in Empfang genommen werden um sich direkt die Hände zu waschen. „Die Kinder kennen das aber schon und machen super mit“, sagt von Lützau-Kepp. Sie akzeptierten die neuen Regeln: „Die Freude überwiegt und sie kommen auch schnell wieder in den Rhythmus rein.“

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Regenfeste Vorsichtsmaßnahme: Antonia und Romy kleben Abstandsmarkierungen auf den Weg zum Eingang der Kita. Foto: Matthias Ahlke

Dennoch spüren sie die Veränderungen, die die Corona-Krise mit sich bringt. Denn sie dürfen nach der Corona-Schutzverordnung nur noch innerhalb ihrer Gruppen, sogenannter „Betreuungssettings“ miteinander spielen. Auch, wenn der beste Freund oder die beste Freundin in einer anderen Gruppe sind. „Wir haben den Spielplatz in Bereiche unterteilt und in die Turnhalle dürfen die Kinder auch nur gruppenweise“, erläutert von Lützau-Kepp.

Auch Kinder mit Corona

In der Diskussion um die Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus wird immer wieder die Frage der Infektionsgefahr bei Kindern gestellt – gerade im Hinblick auf den Betrieb von Schulen und Kitas. Das Gesundheitsamt Münster hat auf Bitten unsere Redaktion nun recherchiert, ob in Münster Kinder und Jugendliche unter den Infizierten waren. Das Ergebnis: Es sind nicht viele, aber ihre Zahl ist auch nicht verschwindend gering. Unter den insgesamt seit Ende Februar festgestellten 725 Infizierten (bis einschließlich Donnerstag) waren 45 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. 13 Kinder waren null bis fünf Jahre alt, zehn sechs bis zehn Jahre, 14 Jugendliche waren 13 bis 17 und acht 18 Jahre alt. Wann die Infektionen im einzelnen aufgetreten sind und wie schwer die Kinder erkrankt waren, darüber hat das Gesundheitsamt keine Erkenntnisse. Fest steht jedenfalls, dass Kinder in Münster nicht von dem Virus verschont geblieben sind und, „dass Schutzmaßnahmen in den Kindertagesstätten und Schulen, wichtig zum Schutz der Kinder wie auch des Personals sind“, wie der Leiter des Krisenstabs Wolfgang Heuer feststellt. Jüngst waren bei der Ansteckungswelle in einer Angelmodder Großfamilie unter anderen auch Kinder betroffen. (kv)

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Ein großes Problem ist, dass wir nicht das volle Personal haben, weil einige Kollegen zur Risikogruppe gehören.

Ursel von Lützau-Kepp

Die neuen Gegebenheiten bedeuten dementsprechend zusätzlichen Aufwand. Weil die Gruppen nachmittags nicht mehr zusammengefasst werden können und, weil genau nachgehalten werden muss, welches Kind, wann da war. Und das alles bei gleichzeitig weniger Mitarbeitern. „Ein großes Problem ist, dass wir nicht das volle Personal haben, weil einige Kolleginnen und Kollegen zur Risikogruppe gehören“, so die Kita-Leiterin.

Da könne es schwierig werden den Dienstplan zu füllen – auch wenn alle Familien nach den Vorgaben des NRW-Familienministeriums zehn Stunden weniger Betreuungszeit in Anspruch nehmen können, als vertraglich vereinbart, also maximal 35 Stunden pro Woche. Während die Kita sonst von 7.15 bis 16.15 Uhr für alle geöffnet war, müssen Eltern jetzt ein Betreuungszeitfenster wählen.

Erfolgreicher Start mit Vorschulkindern

Der Start mit den Vorschulkindern Ende Mai habe sehr gut geklappt, auch, weil die Eltern sich „unglaublich verantwortungsvoll“ verhalten hätten, so von Lützau-Kepp. Nicht alle Vorschulkinder seien in der Kita gewesen: „Viele haben weiter versucht, die Betreuung zu Hause zu organisieren.“

In dieser Woche sieht alles wieder anders aus, denn jetzt kommen auch deutlich jüngere Kinder wieder, denen es schwerer fällt, die Umstände nachzuvollziehen. „Wir stellen uns der Herausforderung und müssen immer wieder neu gucken, was wie gut klappt und was vielleicht verändert werden muss.“

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