Prozess um Mord aus Habgier
Zeugin: Angeklagter gab vor, ermitteln zu wollen

Münster -

Der 52-Jährige, der wegen des Mordes an seiner Tante aus Münster angeklagt ist, wollte selbst zum Verschwinden seiner Tante recherchieren. Er will Kontakte zum Geheimdienst und auch berühmte Freunde gehabt haben. Dass er allerdings verheiratet war und Kinder hatte, wusste nicht einmal die Tochter des Opfers.

Montag, 08.06.2020, 18:00 Uhr
Prozess um Mord aus Habgier: Zeugin: Angeklagter gab vor, ermitteln zu wollen
Foto: dpa (Symbolbild)

Er habe Kontakte zu Geheimdiensten und wolle auf eigene Faust recherchieren. Das soll ein 52-Jähriger aus Holm in Schleswig-Holstein seiner Cousine erzählt haben, als die ihn nach ihrer Mutter fragte, die im August 2019 in Münster verschwand.

Der 52-Jährige wird beschuldigt, seine Tante getötet zu haben, um ein Privatdarlehen nicht zurückzahlen zu müssen. Die Tochter der Getöteten, die mit ihren Kindern in Italien lebt, hatte aufgrund der Corona-Pandemie lange nicht zum Prozess anreisen können. Am Montag hat sie nun in dem Prozess vor dem Landgericht Münster ausgesagt.

Realitätsfremdes Bild

Dass der Angeklagte seiner Tante und seinen Cousinen gegenüber ein sehr realitätsfremdes Bild seines Lebens vermittelt hatte, war in der Verhandlung bereits im Vorfeld klar geworden. So sagte die Tochter des Opfers aus, nicht gewusst zu haben, dass der Angeklagte verheiratet ist und zwei Kinder hat.

Auch, dass er mit seiner Familie in Holm lebt, habe sie nicht gewusst: „Ich wusste von meiner Mutter, dass er in den USA gelebt hat und dann nach Kanada umgezogen ist, da habe er seine Möbel bei Robert Redford untergestellt.“ Und ja, er habe den Schauspieler gemeint, sagte sie.

Tochter wollte Privatdetektiv einschalten

Nachdem sie im vergangenen Jahr von ihrer Nichte aus Münster erfahren hatte, dass ihre Mutter vermisst wurde, habe sie ihren Cousin angerufen, weil sie überlegt habe, einen Privatdetektiv einzuschalten. „Er sagte, er wolle das lieber selbst machen, aber dafür bräuchte er ein Passwort von mir, das niemand sonst wissen dürfe.“

Sie habe das zunächst nicht hinterfragt, wenig später dann aber doch die Polizei über das Gespräch informiert. Sie habe ihn auch gefragt, wann er am Tag des Verschwindens bei ihrer Mutter wieder losgefahren sei, „aber er hat darauf nie eine klare Antwort gegeben“, sagte die 42-Jährige.

Von dem Darlehen in Höhe eines fünfstelligen Betrages, das ihre Mutter ihrem Cousin gewährt hatte, habe sie gewusst. Sorgen habe sie sich nicht gemacht: „Ich war mir sicher, dass er das im Griff hat.“

Die Verhandlung wird am 23. Juni fortgesetzt.

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