Neue Opfer im Missbrauchsfall von Münster
Sechs Monate bis zur Verhaftung von Adrian V.

Münster/Düsseldorf -

Der Missbrauchsfall Münster gibt es immer mehr Opfer. Die Ermittler stehen vor einer unfassbaren Datenmenge. In jeder kleinsten Datensequenz könnte ein Hinweis auf ein Kind stecken, das missbraucht wird. Doch es dauerte Monate, bis der vorbestrafte Hauptverdächtige in U-Haft kam. 

Mittwoch, 17.06.2020, 16:30 Uhr aktualisiert: 17.06.2020, 17:20 Uhr
Neue Opfer im Missbrauchsfall von Münster: Sechs Monate bis zur Verhaftung von Adrian V.
Diese Laube in der Kolonie ist einer der Tatorte in einem Missbrauchsfall, in der die Ermittler u.a. Festplatten und Videokameras fanden. Foto: dpa (Archivbild)

Das heute zehnjährige Opfer des in Münster aufgedeckten Missbrauchsskandals hätte möglicherweise viel früher als erst Mitte Mai aus seinen Qualen befreit werden können. Bereits im November sei es gelungen, ein beim Hauptbeschuldigten Adrian V. beschlagnahmtes Smartphone sowie ein Tablet zu entsperren, berichtete Landeskriminaldirektor Dieter Schürmann am Mittwoch im Innenausschuss des Landtags.

Als die Coesfelder Ermittler dabei auf rund 500 Darstellungen von sexuellem Kindesmissbrauch stießen, schickten sie das Material am 25. November an die Staatsanwaltschaft Münster: „Im Raum stand ein möglicher Bewährungswiderruf“, sagte Schürmann. V. war zweimal wegen Besitzes und Vertriebs von kinderpornografischem Material zu je zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Sechs Monate bis zur Verhaftung

Widerrufen wurde die Bewährung indes nicht. Es dauerte sechs Monate, bis Adrian V. am 14. Mai verhaftet wurde. Zuvor hatte die Polizei sein verschlüsseltes Notebook geknackt und Videos vom Missbrauch des Zehnjährigen entdeckt, darunter einer dreitägige Misshandlung des Zehnjährigen Ende April durch mehrere Täter.

Missbrauchsfall in Münster

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  • In einer Gartenlaube in Münster-Kinderhaus haben sich nach Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft über rund zwei Jahre schwere Missbrauchsfälle ereignet. Der Skandal sorgt in ganz Deutschland für Entsetzen.

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  • Die Polizei in Münster (hier Polizeipräsident Rainer Furth) ist auf ein professionell verschleiertes Kindesmissbrauchsnetz gestoßen und hat in mehreren Bundesländern elf Verdächtige festgenommen. Sieben Beschuldigte befinden sich in Untersuchungshaft. Drei Kinder seien als Opfer identifiziert worden. Sie seien fünf, zehn und zwölf Jahre alt. 

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  • Der Hauptbeschuldigte ist ein 27-jähriger IT-Techniker aus Münster. In einer Gartenlaube und in einem Keller fanden die Ermittler hochprofessionelle technische Ausstattung zur Videoaufzeichnung und riesige Mengen versiert verschlüsselter Daten. Die Täter nutzten Handys, auf denen ein Großteil der Spuren gelöscht war. Bislang haben die Ermittler mehr als 500 Terabyte sichergestellt. Viele der Daten müssen noch entschlüsselt werden. 

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  • Bei den sechs weiteren Beschuldigten, gegen die Haftbefehl erlassen wurde, handelt es sich den Angaben zufolge um dessen 45 Jahre alte Mutter aus Münster sowie um Männer aus Staufenberg bei Gießen (30 Jahre alt), Hannover (35), Schorfheide in Brandenburg (42), Kassel (43) und Köln (41). Die Ermittler hätten „unfassbare“ Bilder sehen müssen, sagte der Leiter der Ermittlungen, Joachim Poll. 

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  • Mindestens vier der Männer sollen wechselweise einen fünf- und einen zehnjährigen Jungen in einer Gartenlaube über Stunden schwer sexuell missbraucht und die Taten teils gefilmt haben. Die Mutter des Hauptbeschuldigten sei Nutzerin der Hütte im Stadtteil Kinderhaus; sie soll ihrem Sohn die Schlüssel überlassen und den sexuellen Missbrauch der Kinder in Kauf genommen haben.

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  • Bei den beiden Opfern handelt es sich laut den Ermittlern um den zehnjährigen Sohn der Lebensgefährtin des Münsteraners und um den fünfjährigen Sohn des Beschuldigten aus Staufenberg. Das habe die Auswertung einer bereits gelöschten Festplatte ergeben, die die Ermittler versteckt in einer Zwischendecke gefunden hätten.

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  • Bei dem dritten Opfer handelt es sich den Ermittlern zufolge um den zwölfjährigen Neffen des Beschuldigten aus Kassel. Dieser soll den Jungen missbraucht haben, wie aus sichergestellten Daten des 27-jährigen Münsteraners hervorgehe. Alle Opfer, die aus Münster sowie Staufenberg und Kassel in Hessen kommen, werden derzeit von den zuständigen Jugendämtern betreut. Die Kinder sollen vor den Taten betäubt worden sein. Körperliche Verletzungen haben sie nicht davon getragen, sagte Poll. Die Kinder seien von Rechtsmedizinern untersucht worden. 

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  • In einem Keller in Münster habe man einen komplett eingerichteten, klimatisierten Serverraum gefunden. Er sei dem 27-jährigen Tatverdächtigen zuzurechnen, sagte Poll. Er sprach von mehreren hundert Asservaten an gefundener IT-Technik. Die Datenträger seien hochprofessionell verschlüsselt worden.

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  • Das bisherige Ermittlungsergebnis nach rund dreieinhalb Wochen sei wohl nur die Spitze des Eisbergs, sagten übereinstimmend Poll und Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt (hier im Bild). Münsters Polizeipräsident Rainer Furth sagte: „Selbst die erfahrensten Kriminalbeamten sind an die Grenzen des menschlich Erträglichen gestoßen und weit darüber hinaus.“

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  • Den Ermittlern sei es bis heute nicht gelungen, alle Daten zu entschlüsseln. Poll sprach von aufwendigen, kniffligen und mit viel Technik verbundenen Ermittlungen. Der 27-Jährige aus Münster sei in einem landwirtschaftlichen Betrieb im Kreis Coesfeld für die IT-Technik tätig gewesen. Ausgangspunkt der Ermittlungen sei ein Verfahren aus dem Jahr 2018 gewesen; damals habe eine unbekannte Person Daten mit Kinderpornografie übers Internet angeboten. Über eine ermittelte IP-Adresse habe die Spur zu dem landwirtschaftlichen Betrieb geführt. 

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  • Der 27-Jährige ist in den Jahren 2016 und 2017 zweimal wegen der Verbreitung und des Besitzes von Kinderpornografie zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Wegen einer offen bekundeten pädophilen Neigung sei er vom Gericht auch zu einer Therapie verpflichtet worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist er dieser Aufforderung auch nachgekommen.

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  • Die Behörden wussten um die kinderpornografischen Straftaten des 27-jährigen Hauptbeschuldigten. Dennoch sahen sie kein Gefährdungspotenzial für den Jungen der Lebensgefährtin des mutmaßlichen Täters.Er begab sich vor einigen Jahren in Therapie. Sein Bewährungshelfer hatte sich positiv über ihn geäußert. Die Stadt stellt auf Anfrage klar, dass der mutmaßliche Täter damals nicht mit dem späteren Opfer zusammenlebte. Das Jugendamt der Stadt hatte Kontakt mit der Mutter aufgenommen. Diese hatte Hilfe aber abgelehnt. Nun steht sie unter Verdacht, von den Taten gewusst zu haben.

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  • Der Fall sei in einem Expertengremium, der sogenannten „Clearingstelle“ in der münsterischen Kinderschutzambulanz, beraten worden. Dabei seine keine ausreichenden Fakten auf mögliche Gefährdungsmomente beschrieben worden, die einen Eingriff in das elterliche Sorgerecht oder eine Herausnahme des Kindes aus der Familie gerechtfertigt hätten.

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Die Zahl der Opfer und der Tatverdächtigen in dem Missbrauchsfall ist weiter gestiegen. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) berichtete von nunmehr sechs identifizierten Kindern als Opfern des Missbrauchs. Der Kreis der Tatverdächtigen sei auf 18 Personen in mehreren Bundesländern gewachsen. „Es gibt allerdings keine neuen Opfer und Beschuldigten aufgrund der Filmauswertungen“, sagte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt. 

Sieben mutmaßliche Täter, darunter Adrian V. als Hauptverdächtiger, dem bislang 15 Taten schweren sexuellen Missbrauchs zur Last gelegt werden, sind in Untersuchungshaft. Weitere Festnahmen gebe es bislang nicht, sagt Botzenhardt. Die Ermittlungskommission „Rose“ ist von 50 auf 76 Mitarbeiter aufgestockt worden.

"Gebirge von Daten"

Bislang seien 1100 IT-Beweismittel mit einem Speichervolumen von 400 Terabyte erfasst worden. „Das sind Gebirge von Daten“, sagte Reul. „Das entspricht einem Schriftsatz von 2,6 Milliarden DIN A4-Seiten oder 520.000 Aktenschränken.“ In der Ermittlungskommission arbeiten laut Reul inzwischen 76 Personen an der Auswertung der Daten. Für die Polizisten seien die psychischen Belastungen enorm.

Hartmut Ganzke, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, kritisierte, dass der Hauptverdächtige erst vergangenen Monat in Haft genommen worden sei. Dessen zehnjähriger Stiefsohn habe noch rund sechs Monate bis Mai weiterhin mit ihm unter einem Dach leben müssen und sei weiter missbraucht worden. Die langsame Reaktion der Behörden mache fassungslos. „Mögliche Versäumnisse insbesondere bei den zuständigen Justizbehörden und Jugendämtern müssen restlos aufgeklärt werden.“

Die Beamten müssen sich fragen, welchen Fall bearbeite ich jetzt, welchen später?

Innenminister Herbert Reul

Nach Angaben Reuls sollen Ermittlungsrichter in Zukunft die Möglichkeit haben, Untersuchungshaft auch dann anzuordnen, wenn bei den Tatverdächtigen keiner der klassischen Haftgründe wie Flucht- oder Verdunkelungsgefahr vorliegt. Bisher sei das nur bei Schwerkriminalität wie Mord oder schwerer Körperverletzung möglich. Auch schwerer sexueller Missbrauch von Kindern sei Schwerkriminalität, sagte Reul. Verdächtige sollten entsprechend behandelt werden. Darüber werde auch auf der Innenministerkonferenz gesprochen, die am Mittwoch in Erfurt begann.

Weil die Personalressourcen bei der Auswertung der Datenberge begrenzt seien, müssten die Ermittler Prioritäten setzen, sagte Reul. Der Schwerpunkt werde auf die Suche und Identifizierung von Opfern gelegt, die noch missbraucht würden, um diese zu befreien. Mangels ausreichender Kapazitäten blieben dadurch aber andere Fälle von Kinderpornografie liegen. „Die Beamten müssen sich fragen, welchen Fall bearbeite ich jetzt, welchen später? Bei der Entscheidung geht es immer um den Schutz von Kindern, wo kann Leid der Kinder verkürzt werden.“

 

Kriminalität: Missbrauchsfall von Münster in der Chronologie

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  • Chronologie Missbrauchsfall Münster

    Der Missbrauchsfall Münster hat enorme Ausmaße. Der Hauptverdächtige, Adrian V. aus Münster, wurde am 14. Mai 2020 festgenommen. Doch der Fall hat eine lange Vorgeschichte und ist noch lange nicht abgeschlossen. Eine Chronologie:

  • 2010-2013 Verbreitung Kinderpornografie

    September 2010 (bis September 2013): Adrian V. aus Münster verbreitet kinderpornografisches Material, dafür wird er später vom Jugendschöffengericht verurteilt.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • 2013: Mit knapp 20 Jahren kommt Adrian V. mit seiner drei Jahre älteren Freundin zusammen, die bereits einen dreijährigen Sohn hat.

  • 2014 Kinderpornografie Teil 2

    September 2014 bis Dezember 2014: Erneut verbreitet Adrian V. kinderpornografische Werke. Später bekommt er in einem zweiten Urteil dafür eine Bewährungsstrafe.  

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Ende 2015: Das erste Strafverfahren gegen Adrian V. läuft. Es ist ein Fall für die „Clearingstelle“, in der Kinderschutzfälle anonymisiert von Vertretern der Polizei, der Gerichtsbarkeit, der Psychologie, der Kinderschutzambulanz und pädagogischen Fachkräften des ASD beraten werden. Am Ende steht die Entscheidung, dass momentan keine familiengerichtlichen Maßnahmen notwendig seien. Auch, weil Adrian V. zu dieser Zeit nicht mit seiner Freundin und deren Sohn zusammen wohnt.

  • 2016 Erstes Urteil

    13. Januar 2016: Das Jugendschöffengericht Münster verurteilt Adrian V. wegen des Besitzes und der Verbreitung kinderpornografischen Materials zu zwei Jahren auf Bewährung. Die Taten liegen zwischen September 2010 und September 2013. Adrian V. muss eine Therapie beginnen.

    Foto: Ahlke (Symbolbild)
  • 2016 Jugendamt

    2016: Die Kindesmutter wird nach 2016 vom Jugendamt Münster in ihrer Elternverantwortung belassen. Es habe bis heute keine Hinweise aus dem sozialen Umfeld auf eine mögliche Gefährdung oder Auffälligkeiten des Jungen gegeben, betont ein Sprecher der Stadt Münster

    Foto: Oliver Werner
  • 2017 Zweites Urteil

    8. Juni 2017: Das Schöffengericht Münster verurteilt Adrian V. wegen öffentlichen Zugänglichmachens kinderpornographischer Schriften zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren - wieder auf Bewährung. Die Taten lagen zwischen September 2014 und Dezember 2014, also vor der Bewährungszeit. Seine Therapie setzt er fort.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • 2018 Ermittlungsverfahren beginnt

    2018: Es beginnt ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen der Verbreitung von Kinderpornografie im Darknet. Der Täter gesteht seiner Lebensgefährtin, dass er ihren Sohn regelmäßig missbraucht.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • 2018 Missbrauchsfälle

    November 2018 bis Mai 2020: Adrian V. soll den zehnjährigen Sohn seiner Lebensgefährtin sexuell missbraucht, die Taten zum Teil per Video und auf Fotos dokumentiert und über das Darknet verbreitet haben. 15 Taten, beginnend im Jahr 2018 bis zum Zeitpunkt der Festnahme im Mai 2020, werden ihm auf Grundlage elektronischer Beweismittel vorgeworfen.

    Foto: dpa
  • 2019 Anfangsverdacht

    April 2019: Anfangsverdacht gegen Adrian V.: Eine ermittelte IP-Adresse führt die Spur zu einem landwirtschaftlichen Betrieb in Dülmen (Kreis Coesfeld), bei dem der Münsteraner als IT-Administrator arbeitet.

  • 25./26. April 2020:

    25./26. April 2020:  In der Kleingarten-Hütte der Mutter in Münster-Kinderhaus sollen sich mindestens vier der Beschuldigten an zwei Opfern vergangen und die Taten teilweise gefilmt haben. Diese Tat ist bislang noch nicht Tatbestand des Haftbefehls. Die Mutter von Adrian V. soll bei dieser Missbrauchstat Hilfe geleistet haben.

    Foto: dpa
  • 7. Mai 2019: Wohnungsdurchsuchung

    7. Mai 2019: Wohnungsdurchsuchung bei Adrian V. in Münster: Die Ermittler stellen umfangreiche Mengen an Datenträgern sicher, die ebenfalls mit hochprofessioneller Verschlüsselungstechnik gesichert waren und zum Teil noch sind.

    Foto: Polizei Münster
  • 12. Mai 2020: Einer der sichergestellten Laptops wird entschlüsselt. Auf der Festplatte fanden sich zahlreiche Dateien mit Missbrauchshandlungen zum Nachteil des zehnjährigen Jungen aus dem häuslichen Umfeld des Beschuldigten.

  • Polizeipräsidium Münster

    13. Mai 2020: Das Polizeipräsidium Münster übernimmt aufgrund des ermittelten Wohnsitzes die Ermittlungen.

    Foto: Matthias Ahlke (Archivbild)
  • Festnahme Adrian V.

    14. Mai 2020: Adrian V. wird morgens in Münsters Innenstadt festgenommen. Kurze Zeit später wird der zehnjährige Junge bei einer Verwandten in Begleitung zweier Männer (29 und 35) aus Hannover angetroffen. Da keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass die beiden Männer Straftaten zum Nachteil des Jungen begangen haben könnten, werden sie vorerst nicht festgenommen. Der Junge wird direkt in die Obhut des Jugendamtes der Stadt Münster gegeben.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Durchsuchung Gartenlaube

    15. Mai 2020: Durchsuchung der Gartenlaube in Kinderhaus: Ermittler finden, in einer Zwischendecke versteckt, eine von Adrian V. gelöschte Festplatte.

    Foto: Polizei Münster
  • 29. Mai 2020: Ein 43-Jähriger aus Kassel, dessen zwölfjähriger Neffe zu den Opfern zählt, wird festgenommen. Dadurch ergeben sich Hinweise auf einen Mann in Köln, der das zehnjährige Opfer aus Münster missbraucht haben soll.

  • 30. Mai 2020: Der 41-jährige Verdächtige aus Köln wird festgenommen. Er räumt den Missbrauchsvorwurf nach der Festnahme ein.

  • 2020 - Festnahmen 4. Juni

    4. Juni 2020: Die Daten der Festplatte aus der Gartenlaube können durch Experten des Polizeipräsidiums Münster wiederhergestellt werden. Dabei wird ein Videofilm entdeckt, auf dem sexuelle Handlungen zum Nachteil des Zehnjährigen und eines Fünfjährigen zu sehen sind, die durch Adrian V. und drei weitere Männer begangen wurden. Die Beschuldigten werden festgenommen: ein 30-Jähriger aus Staufenberg bei Gießen, dessen fünfjähriger Sohn zu den Opfern zählt, ein 42-Jähriger aus Schorfheide in Brandenburg und der am 14. Mai bereits aufgefallene 35-Jährige aus Hannover. Auch die Mutter des hauptverdächtigen Adrian V. wird festgenommen. Es werden vier weitere verdächtige Personen festgenommen, die jedoch noch am selben Tag wieder freigelassen werden.

    Foto: Polizei Münster
  • 2020 - Pressekonferenz

    6. Juni 2020: Die Polizei und die Staatsanwaltschaft Münster informieren die Öffentlichkeit in einer großen Pressekonferenz über die bisherigen Ermittlungen zum Kindesmissbrauch in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • 9. Juni 2020: Es gibt Hinweise auf zwei weitere Opfer. Ein Polizeisprecher bestätigt, dass zwei Väter Anzeige erstattet hätten, dass ihre Söhne von dem im Fall bereits Beschuldigten unsittlich berührt worden seien. Die Anzeigen richteten sich nicht gegen den 27-jährigen Hauptbeschuldigten aus Münster.

  • 2020-06-14 Abriss Gartenlaube

    14. Juni 2020:  Die Ermittler suchen nach weiteren Beweisen - und nehmen dafür die Gartenlaube in Münster-Kinderhaus als Tatort komplett auseinander .

    Foto: Oliver Werner
  • 2020 - Zahl der Tatverdächtigen steigt

    17. Juni 2020: Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul berichtet im Innenausschuss des Landtags, dass weitere Opfer und auch weitere Tatverdächtige identifiziert wurden. Die Zahl der Tatverdächtigen steigt damit um sieben auf insgesamt 18 an. Die Zahl der Opfer hat sich laut Reul auf sechs erhöht.

    Foto: dpa
  • 2020-06-30 Durchsuchungen

    30. Juni 2020: In einer konzertierten Aktion führt die Polizei mit 180 Beamten Durchsuchungen in vier Bundesländern (Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen, Schleswig-Holstein) durch. Im Anschluss werden vier Männer verhaftet, denen vorgeworfen wird, den zehnjährigen Jungen aus Münster schwer sexuell missbraucht zu haben: ein 52-Jähriger aus Norderstedt (Schleswig-Holstein), ein 26-jähriger Mann aus Aachen und zwei 29  und 49 Jahre alte Männer aus Hannover.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Festnahme Anfang August

    6. August 2020: Die Polizei identifiziert einen weiteren Tatverdächtigen. Ein 62-jähriger Franzose wird im Saarland festgenommen. Insgesamt gibt es in dem Komplex nun 22 Verdächtige, von denen elf in Haft sind.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Festnahmen Ende August

    28. August 2020: Die Polizei verhaftet zwei weitere Tatverdächtige. Ein 22-jähriger Mann aus Erfurt wird in Kassel festgenommen. In Dresden nehmen Fahnder einen 55-Jährigen aus Pirna fest. Beiden Männern werden sexueller Missbrauch eines Kindes und der Besitz kinderpornografischer Schriften vorgeworfen. 

    Foto: dpa
  • Anklage stützt sich auf Filmmaterial

    4. September 2020: Der Hauptbeschuldigte, Adrian V., soll gemeinsam mit seiner Mutter sowie drei weiteren Tatverdächtigen noch in diesem Jahr vor Gericht stehen. Die Staatsanwaltschaft Münster hat gegen die fünf Angeschuldigten  Anklage bei der Jugendschutzkammer des Landgerichts Münster erhoben . Ihnen drohen langjährige Haftstrafen. 

    Die Anklageschrift, die Tatvorwürfe aus den Jahren 2018 bis 2020 umfasst, stützt sich vor allem auf April 2020.  Adrian V. und die drei weiteren Männer aus Staufenberg (Hessen), Hannover und Schorfheide (Brandenburg) sollen damals den Jungen der Lebensgefährtin und den fünfjährigen Sohn des Angeschuldigten aus Staufenberg mit K.o.-Tropfen wehrlos gemacht, mehrfach sexuell missbraucht und die Taten gefilmt haben. Der Mutter von Adrian V. wird Beihilfe vorgeworfen. Sie soll ihre Gartenlaube in Kinderhaus in dem Wissen um die Taten zur Verfügung gestellt haben.

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  • 15. September 2020: Weitere Anklageerhebung im Missbrauchsfall: Die Staatsanwaltschaft Münster klagt einen mittlerweile 53-Jährigen aus Norderstedt an. Ihm wird schwerer sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen.

  • 8. Oktober 2020: Im Missbrauchsfall von Münster erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen 50-Jährigen aus Hannover. Der Vorwurf: schwerer sexueller Missbrauch. Auch gegen den Hauptangeklagten Adrian V. wird eine weitere Anklage erhoben, weil er den sexuellen Missbrauch gebilligt und nicht verhindert habe.

 


Hinweis: Wer selbst Opfer von sexuellem Missbrauch geworden ist oder jemanden kennt, der Hilfe braucht, kann sich an das Hilfetelefon sexueller Missbrauch wenden: 0800 22 555 30 (kostenlos und anonym). Dabei handelt es sich um eine Anlaufstelle für Menschen, die Entlastung, Beratung und Unterstützung suchen, die sich um ein Kind sorgen, die einen Verdacht oder ein „komisches Gefühl“ haben, die unsicher sind und Fragen zum Thema stellen möchten. 

Du bist ein Kind und dich bedrückt etwas? Wenn du niemanden findest, der oder die dir helfen könnte, oder wenn es dir lieber ist, mit einer Person zu sprechen, die du nicht so gut kennst: Dann rufe an bei der „Nummer gegen Kummer“ : 116111 (kostenlos und anonym). Wenn du lieber schreibst als redest: Per Mail oder Chat findest du dort jemanden, der sich um deine Probleme kümmert.

In Münster bietet zudem die Beratungsstelle Zartbitter (0251-4140555) Hilfe für Jugendliche ab 14 Jahren an. Zudem werden dort Angehörige und Bezugspersonen von Betroffenen sowie Fachkräfte beraten. Jüngere Kinder können beim Kinderschutzbund anrufen (0251-47180).

Doch auch jeder andere kann etwas tun! Mit der Kampagne „Missbrauch verhindern!“ stärkt die Polizei Erwachsene, damit sie Kinder schützen können. In fünf Schritten - Wissen, Offenheit, Aufmerksamkeit, Vertrauen, Handeln - bekommt man das Rüstzeug, um Anzeichen für Missbrauch zu erkennen und die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen.

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