Zwei Kundgebungen
Münsteraner demonstrieren gegen Kindesmissbrauch

Münster -

Doppelte Demonstration gegen Kindesmissbrauch in Münsters Innenstadt: Sowohl auf dem Schloss- als auch auf dem Stubengassenplatz haben sich am Samstagmittag Menschen versammelt, um nach den jüngsten Fällen von Kindesmissbrauch in Münster für mehr Kinderschutz zu protestieren. Schauspieler und Aktivist Mark Bellinghaus stellte während der von ihm angemeldeten Kundgebung auf dem Stubengassenplatz seine neue Bewegung „Saturdays for Children“ vor – und lud eine bekannte Aktivistin nach Münster ein. 

Samstag, 20.06.2020, 14:50 Uhr aktualisiert: 21.06.2020, 16:48 Uhr
Zwei Kundgebungen: Münsteraner demonstrieren gegen Kindesmissbrauch
Der Schauspieler Mark Bellinghaus (gelbes Shirt) hatte eine Demonstration gegen Kindesmissbrauch auf dem Stubengassenplatz angemeldet. Dem Aufruf folgten laut Polizei 40 Menschen. Foto: Pjer Biederstädt

„Ich bin sicher, dass Greta Thunberg für Kinderrechte nach Münster kommt und mit uns auf die Straße geht“, skandierte Mark Bellinghaus am Samstagmittag auf dem Stubengassenplatz während der von ihm angemeldeten Demonstration gegen Kindesmissbrauch und lud die schwedische Klima-Aktivistin, die er ein Vorbild nannte, nach Münster ein. Seiner neuen Bewegung gab der Schauspieler („Der Name der Rose“), der nach eigenem Bekunden selbst als Kind Opfer sexueller Gewalt geworden war, in Anlehnung an die Klima-Bewegung „Fridays for Future“ den Namen „Saturdays for Children“. Jeden Samstag wolle er für mehr Kinderschutz protestieren, so Bellinghaus. 

Seinem Aufruf zur Demonstration folgten am Samstag laut Polizeiangaben rund 40 Menschen. Um 12 Uhr versammelten sie sich auf dem Stubengassenplatz für eine halbstündige Kundgebung. Bellinghaus betonte dabei die Wichtigkeit des Schutzes für Kinder und ärgerte sich darüber, dass Oberbürgermeister Markus Lewe, „obwohl ich ihn zwei Mal eingeladen habe“, so Bellinghaus, nicht gekommen sei. „Was gibt es Wichtigeres als heute hier zu sein?“, fragte er. Nach der Kundgebung zog der Protestzug mit Plakaten und Bannern („Lebenslang ist nicht genug“, „Münster gegen Missbrauch“) durch die Innenstadt in Richtung Schloss.

80 Demonstranten vor dem Schloss

Dort hatte bereits um 11 Uhr eine zweite Demonstration begonnen, die die „Deutsche Kinderhilfe e.V.“ unter dem Titel „Stopp – Gegen Gewalt an Kindern – wir geben ihnen eine Stimme!“ organisiert hatte. Vor dem Schloss versammelten sich laut Polizei rund 80 Teilnehmer, die zumeist als Zeichen der Solidarität mit den Opfern mit roten Shirts gekleidet waren. Zahlreiche Rednerinnen und Redner von verschiedenen Bündnissen und Vereinen, wie etwa „Tour 41 – Aktionsbündnis gegen sexuelle Gewalt“ oder „Nein, lass das!“, kamen zu Wort. 

Zwei Demonstrationen gegen Kindesmissbrauch

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  • Schauspieler und Aktivist Mark Bellinghaus (gelbes Shirt) hat am Samstag (20.6.2020) zu einer Demonstration gegen Kindesmissbrauch auf dem Stubengassenplatz aufgerufen. 

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Polizeiangaben zufolge kamen 40 Personen zur Kundgebung auf dem Stubengassenplatz.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • "Münster gegen Missbrauch" hatte eine Familie auf ein Plakat geschrieben. Vor allem Eltern nahmen an der Demo teil. 

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  • Viele Demonstranten hatten Schilder und Plakate mitgebracht.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Mark Bellinghaus hat die Bewegung "Saturdays for Children" in Anlehnung an den Slogan der Klima-Bewegung "Fridays for Future" ins Leben gerufen. Der Schauspieler kündigte an, jeden Samstag gegen Kindesmissbrauch protestieren zu wollen.

    Foto: Pjer Biederstädt
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  • Vor dem Schloss versammelten sich laut Polizei rund 80 Menschen, um für mehr Schutz für Kinder zu protestieren. Ausrichter war die "Deutsche Kinderhilfe e.V.".

    Foto: Pjer Biederstädt
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  • Rainer Becker, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe, redete vor dem Schloss. 

    Foto: Pjer Biederstädt
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  • Foto: Pjer Biederstädt
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Rainer Becker ,  Vorstandsvorsitzender der „Deutschen Kinderhilfe“, sagte, dass „Kinder zu lange übersehen wurden und immer noch übersehen werden“. Der Fall in Münster habe „dem Fass den Boden ausgeschlagen“ und sei nicht eine Spitze eines Eisberges, wie oft behauptet werde, sondern eine von vielen Spitzen von sehr vielen Eisbergen, so Becker. Es sei an der Zeit, dass der Handel mit Kinderpornografie als Verbrechen, nicht als Vergehen verfolgt werde, machte sich Becker, Polizeidirektor a.D., für eine härtere Strafandrohung stark.

Ruf nach mehr Prävention

Becker forderte außerdem mehr und staatlich verpflichtende Prävention sowie Aufklärung für Kinder schon ab dem Kita-Alter. „Außerdem brauchen wir eine Erhöhung des Entdeckungsrisikos“, so der Kinderhilfe-Chef. Er konkretisierte: „Mehr Polizei, mehr Staatsanwälte, rechtlich geeignete Rahmenbedingungen inklusive Vorratsdatenspeicherung.“

Am Nachmittag wurden aus den zwei Demonstrationen eine, als der Zug vom Stubengassenplatz auf dem Schlossplatz ankam.

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