Steuerungsgruppe sorgt sich um den fairen Handel in Münster
„Es kommt allmählich wieder in Gang“

Münster -

Münster ist seit neun Jahren „Fairtrade-Stadt“. Doch unter der Corona-Krise hat auch der faire Handel in Münster gelitten. Die Steuerungsgruppe hofft auf eine Rückkehr zur Normalität und setzt auf mehr digitale Angebote.

Freitag, 26.06.2020, 08:00 Uhr
Kristin Duwenbeck und Georg Knipping stellen die Aktivitäten zum Fairen Handel in der Corona-Zeit vor. Kerstin Bormann („La Tienda“) schaut vom Smartphone aus in die Kamera.
Kristin Duwenbeck und Georg Knipping stellen die Aktivitäten zum Fairen Handel in der Corona-Zeit vor. Kerstin Bormann („La Tienda“) schaut vom Smartphone aus in die Kamera. Foto: spe

Fairtrade wird in Münster großgeschrieben. Seit 2010 kümmert sich eine eigene Steuerungsgruppe um den Ausbau des fairen Handels. Seit 2011 darf sich Münster auch deshalb offiziell „Fairtrade-Stadt“ nennen, und 2019 war sogar der Deutsche Vizemeister-Titel drin. 2021 sollte es für den Meistertitel als „Hauptstadt des fairen Handels“ reichen.

Die meisten Weltläden blieben geöffnet.

Corona hatte niemand auf dem Schirm, die Stilllegung des öffentlichen Lebens traf die Fairtrade-Bewegung mit voller Wucht. Dabei hatten die Weltläden in Münster noch Glück, dass sie um der Deckung des täglichen Bedarfs wegen geöffnet bleiben durften. Das sei zum einen dem Anteil an Lebensmitteln im Sortiment, zum anderen der grundsätzlich positiven Haltung der Stadt Münster zu verdanken gewesen, meint Georg Knipping von der Steuerungsgruppe „Fair Town Münster“: „Bundesweit waren nur etwa 25 Prozent der Weltläden geöffnet.“ Auch deshalb wohl blieb die Versorgung mit Waren in Münster unproblematisch.

Doch es gibt Rückschläge: Im fairen Handel seien viele Ehrenamtliche tätig, und die gehören nicht selten zur Corona-Risikogruppe, mussten sich also zurückziehen. Die Kirchengemeinden, unter deren Dach traditionell viel fairer Handel stattfinde, seien vom Lockdown weitgehend betroffen.

„Die Produzenten leiden alle.“

Am schlimmsten aber seien die Produzenten in den Ländern des globalen Südens betroffen, die entweder gar nicht produzieren, oder ihre Ware nicht in den Handel bringen können. „Fair Town Münster“ halte zu vielen Kontakt. „Die leiden alle“, sagt Georg Knipping, „es gibt so gut wie keine Absicherung.“ Da sei es nur ein schwacher Trost, dass die Importeure des fairen Handels grundsätzlich keine Aufträge storniert hätten.

Die positive Nachricht: Es kommt allmählich wieder in Gang. Dazu habe nicht zuletzt die umfangreiche Bildungsarbeit der Steuerungsgruppe beigetragen, die während der Corona-Krise vor allem online stattfand. „Wir stehen für ein anderes Wirtschaften“, meint Georg Knipping, „wir sollten nach dem Ende der Krise nicht in die alten Wachstumsschleifen zurückfallen.“

Münster kocht fair.

Zu den Online-Angeboten, die die Steuerungsgruppe auch in Zukunft anbieten möchte, gehört ein erfolgreicher Kochkursus: „#münsterkochtfair‘. Jeden Monat produziert Kristin Duwenbeck im „Dreiraum“ an der Schillerstraße ein Filmchen, das der 16-jährige Henri M. professionell in Szene setzt: Es gibt Rezepte, in denen regionale Produkte mit fair gehandelten Spezialitäten aus Übersee kombiniert werden – und dazu reichlich Produktinformationen. Im Juni etwa steht ein Gemüsecurry mit gerösteten Kichererbsen auf dem Speiseplan.

 

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7467800?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Nachrichten-Ticker