Scotty Pieper war an Corona erkrankt
„Vor dem Virus ist niemand sicher“

Münster -

37 Tage hat Franz-Josef „Scotty“ Pieper auf der Intensivstation des Franziskus-Hospitals um sein Leben gekämpft. Der ehemalige Profi-Fußballer des SC Preußen Münster hatte sich mit dem Coronavirus infiziert. Jetzt warnt er davor, das Virus nicht ernst zu nehmen.

Samstag, 27.06.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 27.06.2020, 11:11 Uhr
Scotty Pieper und seine Frau Anne Heubrock-Pieper (Mitte) freuen sich über das Wiedersehen mit Vertreterinnen des betreuenden Teams der Intensivstation des St. Franziskus-Hospitals  
Scotty Pieper und seine Frau Anne Heubrock-Pieper (Mitte) freuen sich über das Wiedersehen mit Vertreterinnen des betreuenden Teams der Intensivstation des St. Franziskus-Hospitals.   Foto: St.-Franziskus-Hospital

Laut Statistik gelten in Münster aktuell 713 Corona-Infizierte als genesen. Zu ihnen zählen auch Franz-Josef „Scotty“ Pieper und seine Frau. Doch gesund fühlt sich der besonders bei münsterischen Fußballfans bekannte Scotty Pieper noch lange nicht: 37 Tage rang er auf der Intensivstation des St. Franziskus-Hospitals mit dem Tod, nun kämpft er sich Schritt für Schritt zurück ins Leben. Den aktuellen Lockerungen der Corona-Maßnahmen steht er skeptisch gegenüber. „Vor diesem Virus ist niemand sicher – nehmt Euch in Acht!“, warnt der frühere Leistungssportler.

Er war Profi-Fußballer beim SC Preußen Münster und erfolgreicher Trainer, hat in 60 Ferien-Fußballcamps mehr als 5000 Kinder betreut, in Kinderhaus ein Sportgeschäft aufgebaut und vor einiger Zeit das Golfspielen für sich entdeckt: Viele Münsteraner kennen Scotty Pieper vor allem für sein sportliches Engagement. „Niemals hätte ich gedacht, dass dieses Virus mich so umwirft“, sagt der 1,96-Mann, der während seines Krankenhaus-Aufenthaltes 15 Kilo abgenommen hat und auch nach dreieinhalb Wochen Früh-Reha beim Gehen noch auf einen Rollator angewiesen ist.

Zustand verschlechterte sich schnell

Kurz nach dem Lockdown in Münster hatte alles recht harmlos begonnen: Der 61-Jährige fühlte sich schlapp und litt unter leichtem Husten. „Am 22. März, einem Sonntagmorgen, fuhr ich zum Container am UKM, um mich auf Corona testen zu lassen“, berichtet er. Bereits montags erfuhr er, dass der Test positiv war, und begab sich in häusliche Quarantäne. Doch im Laufe der Woche verschlechterte sich sein Zustand rapide: Die Körpertemperatur stieg, das Atmen fiel ihm immer schwerer. „Meine Hausärztin hatte mir einen Finger-Clip gegeben, mit dem ich die Sauerstoffsättigung des Blutes messen konnte“, erläutert Pieper. Als auch dieser Wert immer schlechter wurde, ließ er sich am 29. März ins St. Franziskus-Hospital bringen und musste bereits am folgenden Tag von der Normalstation auf die Intensivstation verlegt werden.

Das war schon verdammt knapp.

Scotty Pieper

„Anfangs haben wir versucht, Herrn Pieper das Atmen mit Sauerstoff zu erleichtern, aber das reichte bald nicht mehr aus“, sagt Dr. Angela Ginski, Fachärztin für Anästhesie und Intensivmedizin und Oberärztin auf der Intensivstation. So musste Pieper in ein künstliches Koma versetzt und an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden. Über insgesamt vier Wochen blieb sein Zustand lebensbedrohlich. Bei vielen Corona-Patienten, die beatmet werden müssen, komme es zu einem schweren und langwierigen Krankheitsverlauf, heißt es in einer Pressemitteilung des Franziskus-Hospitals.

So auch bei Scotty Pieper. Dazu gehören nicht nur die von dem Virus verursachte ausgeprägte Lungenentzündung, sondern auch schwere Blutvergiftungen sowie Blutgerinnungsstörungen und Thrombosen. Schließlich kam es in der Nacht von Ostersonntag auf Ostermontag sogar zu einem Herzstillstand. „Das war schon verdammt knapp“, blickt Pieper zurück, „aber das Team der Intensivstation hat mich rund um die Uhr betreut und immer wieder zurückgeholt.“

Lockerungen mit Sorge betrachten

Diese schwierige Zeit liegt nun hinter ihm. Warum Scotty Pieper durch Corona so viel härter getroffen wurde als beispielsweise seine Frau, kann zurzeit niemand sagen. „Bisher haben wir relativ wenige Menschen aus den so genannten Risikogruppen intensiv-medizinisch versorgen müssen, sondern vor allem Patienten von Mitte 40 bis Mitte 60, die sonst eigentlich gesundheitlich fit waren“, so Dr. Angela Ginski. Das Risiko zu versterben, sei bei Patienten, die beatmet werden, relativ hoch. Daher betrachtet die Intensivmedizinerin die Lockerungen der Kontaktsperren und das Infektionsgeschehen in den angrenzenden Kreisen mit Sorge – genauso wie Scotty Pieper. „Nehmt Corona ernst“, lautet sein Appell, „diese Krankheit darf man nicht unterschätzen!“

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