Lockerungen
Münster hebt Einschränkungen für Warendorfer auf

Münster -

Am Freitag hat die Stadt Münster die erweitere Maskenpflicht für Menschen aus dem Kreis Warendorf wieder aufgehoben. Zuvor hatte es viel Kritik gegeben – von Landräten, Politikern und auch Bürgern.

Freitag, 26.06.2020, 18:50 Uhr aktualisiert: 26.06.2020, 20:20 Uhr
Lockerungen: Münster hebt Einschränkungen für Warendorfer auf
Die erweiterte Maskenpflicht gilt nicht mehr für Menschen aus dem Kreis Warendorf. Foto: dpa (Symbolbild)

Vor dem Hintergrund wachsender Kritik und weniger Neuinfektionen hat die Stadt Münster die verschärfte Maskenpflicht für Menschen aus dem Kreis Warendorf am Freitag wieder aufgehoben. Auch hiesige Schulen und Einrichtungen der Kindertagesbetreuung dürfen von Kindern und Jugendlichen aus dem östlichen Nachbarkreis wieder besucht werden. Die Maßnahmen für den Großraum Gütersloh bleiben vorerst bis Dienstag bestehen. Das teilt die Stadt Münster mit.

Die Zahl der Neuinfektionen für die vergangenen sieben Tage seien als Richtwert die Grundlage für den vom Land in den Kreisen Warendorf und Gütersloh angeordneten Lockdown, sagt Münsters Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer . Am Freitag sei der Wert für den Kreis Warendorf mit 47,9 unter die maßgebliche Grenze von 50 gefallen. Heuer: „Damit entfällt die Begründung für unsere Schutzmaßnahmen.“

„Ohne Sinn und Verstand agiert“

Die Kritik an der verschärften Maskenpflicht für Menschen aus den Nachbarkreisen in Münster war groß. Noch am Freitag sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Maria Klein-Schmeink, die Verordnung entspreche „weder den gängigen Hygiene- und Abstandspflichten noch den Verpflichtungen, die in den betroffenen Kreisen selbst gelten“. Dass Berufspendler und Besucher überwiegend einen Mund-Nasen-Schutz in Münster tragen müssen, sei populistisch und kein ernsthafter Infektionsschutz. „Anstatt den regionalen Zusammenhalt zu stärken und Solidarität beim Umgang mit Infektionsherden zu zeigen, wird lokalegoistisch ohne Sinn und Verstand agiert“, so Münsters grüne Bundestagsabgeordnete.

In mehreren Leserbriefen zeigten Leser unserer Zeitung kein Verständnis für die verschärfte Maskenpflicht. Heidemarie Neumair-Otto fragt: „Wer berät die Verwaltungsspitze in Münster, wenn sie in wildem Aktionismus Regeln aufstellt, deren Einhaltung gar nicht nachprüfbar ist, die aber jede Menge Porzellan zerschlagen und Menschen, die vor Corona gerne gesehene Geldbringer waren, brüskiert und verletzt.“ Satire aus einer Stadt, schreibt Otto Sieger, „in der so häufig gegenüber Diskriminierung demonstriert wird“.

Landrat: „Stigmatisierende Maskenpflicht“

Die Bürgermeister aus dem Kreis Warendorf und Landrat Dr. Olaf Gericke hatten die Verordnung als „völlig unverhältnismäßig und „untragbar“ kritisiert. Sie baten Oberbürgermeister Lewe und Krisenstabsleiter Heuer eindringlich, „diese stigmatisierende Maskenpflicht umgehend wieder aufzuheben“.

Was ist in den Kreisen Warendorf und Gütersloh noch erlaubt?

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  • In den Kreisen Gütersloh und Warendorf gibt es angesichts von mehr als 1500 infizierten Arbeitern beim Schlachtbetrieb Tönnies einen regionalen Lockdown. Was bedeutet das für die über 600.000 Menschen, die dort leben?

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  • LOCKDOWN: Die Kontaktbeschränkungen vom März 2020 treten laut der Coronaregionalverordnung ( pdf) um Mitternacht (Mittwoch, 24. Juni 2020) wieder in Kraft. Die Maßnahmen gelten laut Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet bis zum 30. Juni 2020. 

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  • TREFFEN: Diese Beschränkungen schreiben vor, dass sich nur Menschen aus einer Familie oder einem Hausstand in der Öffentlichkeit zusammen aufhalten dürfen. Treffen dürfen sich auch zwei Personen, die weder der Familie angehören noch zusammen leben. Damit sind auch die anderswo wieder erlaubten Feiern mit bis zu 50 Personen bei Anlässen wie Hochzeit, Taufe, Geburtstag verboten, genau wie Schulentlassfeiern.

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  • FREIZEIT: Bis zum 30. Juni sind wieder viele Kulturveranstaltungen sowie Sport in geschlossenen Räumen verboten. Fitnessstudios werden ebenso geschlossen wie Kinos und Indoorspielplätze und Schwimmbäder. Picknicken und Grillen im öffentlichen Raum sind untersagt.

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  • GASTRONOMIE: Der Betrieb von Bars und die Bewirtung an Theken in Gaststätten ist verboten. Restaurants dürfen unter Auflagen geöffnet bleiben. Es dürfen maximal zwei Personen oder alternativ eine Familie an einem Tisch sitzen. 

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  • SCHULEN UND KITAS: Bereits seit dem 17. Juni sind zumindest die Schulen und Kitas im Kreis Gütersloh wieder geschlossen. Im Kreis Warendorf werden Schulen und Kitas ab Donnerstag geschlossen.

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  • FERIEN: Am Freitag ist der letzte Schultag in NRW. Laschet erklärte, der Lockdown bedeute kein Ausreiseverbot in den beginnenden Sommerferien. Er appellierte aber an die Betroffenen, den Kreis nicht zu verlassen. Allerdings hat Bayern ein Beherbergungsverbot für Gäste aus Landkreisen ausgesprochen, in denen die Zahl der Neuinfektionen in den zurückliegenden sieben Tagen bei mehr als 50 pro 100.000 Einwohner liegt - also Gütersloh und Warendorf. Es sei denn, die Urlauber können einen aktuellen negativen Coronatest vorlegen.

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  • QUARANTÄNE: Rund 7000 Tönnies-Mitarbeiter stehen mit ihren Familien unter Quarantäne, die auch von der Polizei überwacht wird. Das Zentrum des Corona-Ausbruchs liegt Laschet zufolge in der Fleischzerteilung des Unternehmens.

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  • TESTS: Alle Bürgerinnen und Bürger der Kreise Gütersloh und Warendorf sollen die Möglichkeit erhalten, kostenlos einen Test durchführen zu lassen - in speziellen Test-Zentren oder beim Hausarzt. Die Bevölkerung soll durch Lautsprecherdurchsagen zur Testung aufgerufen werden.

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  • GESCHÄFTE: Güterslohs Landrat Sven-Georg Adenauer verweist darauf, dass die Einschränkungen weniger umfangreich seien als im März. „Ich bin froh, dass zum Bespiel die Geschäfte weiter geöffnet bleiben dürfen″, sagte Adenauer.  „Viele Dinge, an die wir uns wieder gewöhnt haben, bleiben uns erhalten”, richtete er einen Appell an die Bewohner seines Landkreises, sich an die neuen Regeln zu halten.

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