Gerry McClean schult deutsche Spitzenbeamte
Sprache als Mittel zur erfolgreichen Verhandlung

Münster -

Deutschland hat nicht zuletzt aufgrund der im Juli gestarteten EU-Ratspräsidentschaft derzeit eine besondere Rolle in Europa. Ein ehemaliger Münsteraner hat deutsche Spitzenbeamte auf Verhandlungen auf höchstem Niveau vorbereitet.

Samstag, 11.07.2020, 12:30 Uhr
Der ehemalige Leiter des Bundessprachenamtes West, Gerry McClean.
Der ehemalige Leiter des Bundessprachenamtes West, Gerry McClean. Foto: privat

Seit Anfang Juli hat Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft inne. Neben der Leitung dieses wichtigen Organs der EU beinhaltet die Präsidentschaft, den Rat in Verhandlungen etwa mit dem Europäischen Parlament, Drittstaaten oder aber international tätigen Organisationen zu vertreten. An dieser Stelle kommt jemand ins Spiel, der in Münster bestens bekannt ist, auch wenn er mittlerweile im rheinischen Troisdorf lebt. Der ehemalige Leiter des Sprachenzentrums West des Bundessprachenamtes in Münster, Gerry McClean , hat deutsche Beamte sprachlich und taktisch für die Verhandlungen auf höchster Ebene geschult.

"Tolle Sache"

Als er in Ruhestand gegangen sei, habe er zunächst nicht viel gemacht, sagt der heute 68-jährige McClean. Sein Umfeld aber habe ihm signalisiert, dass er sich wohl doch besser ein paar mehr Aufgaben suche – gesagt, getan. Als „tolle Sache“ bezeichnet McClean die Möglichkeit, für die Bundesakademie für öffentliche Verwaltung Bundesbeamte zu unterrichten. Dabei geht es zunächst mal darum, Vokabeln aufzufrischen. Dies, so McClean, bräuchten viele. Doch ein ordentlicher Wortschatz ist längst nicht alles, was es für die Verhandlungen braucht. Es gebe viele Dinge zu beachten – und für ein erfolgreiches Gespräch auch nicht nur den einen Weg.

„Es geht darum, klug vorzugehen und auf verschiedene Taktiken zurückgreifen zu können“, sagt McClean. Denn Möglichkeiten, Fehler zu machen, gib es viele. Wer es richtig machen will, der sollte laut McClean zum Beispiel mit offenen Fragen ein Gespräch beginnen. Das helfe dabei, so McClean, nicht dogmatisch zu wirken. Zumal Deutschland zwar einerseits seine Ziele verfolgen wolle, während der Ratspräsidentschaft aber auch möglichst neutral leiten solle. „Offene Fragen zu stellen, ist extrem wichtig. Viele scheitern im Englischen aber schon grammatikalisch.“

Dass Verhandlungen auf diesem Niveau hart sind, daran hat McClean keinen Zweifel, der Deutungshoheit komme daher eine besondere Rolle zu. Trotzdem gehe es nicht nur darum, von Beginn an seine eigene Meinung durchzubringen. Im Gegenteil: Zuhören, Empathie, das Eingehen auf kulturelle Besonderheiten, all das gehöre sprachtechnisch für die Staatsbediensteten dazu – und sei dennoch nicht selbstverständlich.

Drei Regeln

Nicht zuletzt gibt es derzeit ein ganz neues Problem. Viele Gespräche würden nur noch per Video-Konferenz gehalten, berichtet McClean. Der informelle Austausch falle dann weg – und genau der sei es oft genug, der letztlich den Knoten löse. „Man hat an den Brexit-Verhandlungen gesehen, wie schwierig Gespräche online sind“, findet McClean. Doch ob online, am Telefon oder von Angesicht zu Angesicht – drei Regeln gelten für eine gute Verhandlung immer: „Vorbereitung, Vorbereitung, Vorbereitung“, sagt McClean. Je mehr Schmerz man in die Vorbereitung stecke, umso weniger schmerzvoll werde später die Verhandlung.

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