Doktorarbeiten ohne Universitäts-Beteiligung
FH strebt eigenständiges Promotionsverfahren an

Münster -

Beim Promotionsrecht läuft bisher nichts ohne die Beteiligung von Universitäten. Die Fachhochulen aber streben nach Unabhängigkeit – auch die FH Münster.

Donnerstag, 16.07.2020, 10:00 Uhr
FH-Präsidentin Prof. Dr. Ute von Lojewski
FH-Präsidentin Prof. Dr. Ute von Lojewski Foto: Wilfried Gerharz

Den Doktortitel konnte früher nur erwerben, wer an einer wissenschaftlichen Hochschule, also an einer Universität studiert hatte. Mittlerweile können auch Studierende an Fachhochschulen (FH), also den Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) promovieren – allerdings nur, wenn sie sich dabei von Uni-Professoren in einem sogenannten kooperativen Verfahren von Uni und FH betreuen lassen.

An der FH Münster gibt es bereits seit 2008 eine Promotionsordnung und in den vergangnen zehn Jahren haben insgesamt 111 Absolventen ihre Promotion abgeschlossen. Die Zahl der Promovierenden wächst stetig. Im vergangenen Jahr arbeiteten 124 FH-Studierende in den unterschiedlichsten Fächern an ihrer Doktorarbeit.

FH Münster gibt grünes Licht

Die 21 Fachhochschulen in NRW streben aber schon seit Längerem beim Promotionsverfahren nach Unabhängigkeit von den Universitäten. Sie planen ein Promotionskolleg, das es forschungsintensiven Professorinnen und Professoren an den HAWs ermöglicht, selbstständig und ohne universitären Partner ihre leistungsstarken Studierenden zur Promotion zu führen, wie die FH Münster skizziert.

Grundlage dieses Vorhabens ist das neue Hochschulgesetz NRW, das ein „Promotionskolleg für angewandte Forschung der Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen“ vorsieht. Nach erfolgreicher Evaluation dieses Kollegs kann ihm das Ministerium das Promotionsrecht verleihen, so stellt es die FH Münster dar. Ein wichtiger Schritt zur Gründung: Alle NRW-Hochschulen und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft müssen der Errichtung zustimmen. An der FH Münster haben Hochschulrat und Senat in ihren Sitzungen jetzt dazu grünes Licht gegeben.

Für uns ist das ein Meilenstein.

Prof. Dr. Ute von Lojewski, Präsidentin der FH Münster

Damit kann die Hochschule jetzt die Verwaltungsvereinbarung unterzeichnen. Diese enthält wesentliche Strukturmerkmale des zukünftigen Promotionskollegs NRW. „Für uns ist das ein Meilenstein“, sagt Prof. Dr. Ute von Lojewski, Präsidentin der FH Münster. „Wir kommen damit einem eigenständigen Promotionsverfahren für unseren forschungsstarken wissenschaftlichen Nachwuchs unter federführender Begleitung durch unsere Kolleginnen und Kollegen ein großes Stück näher.“ Die FH Münster, die die Promotion von Absolventen unter anderem durch Weiterbildungsangebote, Stipendien oder Reisekostenzuschüsse für Forschungsaufenthalte fördert, habe hier in NRW eine Vorreiterrolle übernommen.

Die Universitäten im Land betrachten die sich anbahnende Änderung des Promotionsrechts allerdings nicht unkritisch, wie in den Sitzungen des Senats der Universität Münster wiederholt deutlich wurde.

Die wissenschaftlichen Hochschulen sind zurückhaltend, beim Promotionsrecht auf ihren Einfluss zu verzichten.

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