Nach Mord aus Habgier
Höchststrafe für 52-jährigen Mörder

Münster -

Lebenslange Haft lautet das Urteil, dass das Landgericht am Donnerstag gegen einen 52-Jährigen gesprochen hat. Er soll seine Tante aus Habgier ermordet haben. Der  52-Jährige stritt die Tat jedoch bis zuletzt ab.

Donnerstag, 16.07.2020, 16:45 Uhr aktualisiert: 16.07.2020, 16:53 Uhr
Nach Mord aus Habgier: Höchststrafe für 52-jährigen Mörder
Der Angeklagte (links, mit seinem Anwalt) hatte die Tat bis zuletzt abgestritten. Foto: Oliver Werner

Freispruch oder Höchststrafe? Vor dem Urteilsspruch im Indizienprozess gegen einen 52-Jährigen, der seine Tante umgebracht haben soll, scheint bis zuletzt vieles möglich. Am Donnerstagmittag hat die Ungewissheit ein Ende: Wegen Mordes wird der Mann vor dem Landgericht zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Sein Verteidiger will das Urteil so nicht stehen lassen, unmittelbar nach Ende der Verhandlung kündigt er an, eine Revision einzulegen.

Der 52-jährige Angeklagte nimmt mit einer langsamen Bewegung die Brille ab und legt seinen Kopf auf den Tisch, als die Vorsitzende Richterin die Urteilsbegründung verliest. Kurz zuvor hatte er noch einmal beteuert, dass er seine Tante nicht umgebracht habe, er habe sie geliebt, und ein Motiv habe er auch nicht gehabt. Im Übrigen hätte er als IT-Fachmann doch nie so viele Spuren hinterlassen – und die Leiche der Tante doch nicht unweit seines Reihenhauses in Schleswig-Holstein abgelegt. Sein Verteidiger hatte daher auf Freispruch plädiert, der Staatsanwalt in seinem Plädoyer hingegen lebenslänglich gefordert.

Tod der Tante als fester Vorsatz

Das Gericht sah es indes als erwiesen an, dass der Angeklagte für den Tod seiner Tante verantwortlich ist. Die Tat ereignete sich am 2. August 2019 im Haus der 68-Jährigen in Kinderhaus. Sie hatte ihm drei Jahre zuvor ein Darlehen über 25.000 Euro gewährt, das er bis zum 31. Juli 2019 zurückzahlen sollte. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Tante keinen Cent zurückbekommen hat. Stattdessen habe der Mann am 1. August Plastikplane und Kabelbinder gekauft – mit dem festen Vorsatz, seine Tante zu töten, so das Gericht in der Urteilsbegründung.

Am 2. August gegen 14 Uhr traf er bei seiner Tante ein. Nach dem Mittagessen dürfte sich das Gespräch zunächst um die Rückzahlung des Darlehens gedreht haben, so das Gericht. Um 15.42 Uhr verschickte die Frau eine letzte Textnachricht an ihre Tochter.

Erwürgt und in Plane gewickelt

Danach, so die Richterin, habe der 52-Jährige seine Tante erwürgt, in die Plane gewickelt und im Kofferraum seines Autos verstaut – weil er die 25.000 Euro nicht zurückzahlen wollte, wie das Gericht am Donnerstag feststellte. Knapp vier Wochen später wurde die Leiche von einer Spaziergängerin in der Nähe des Wohnhauses des Neffen in Schleswig-Holstein gefunden.

Am Motiv gebe es keine Zweifel, so das Gericht, denn der Mann habe zum Tatzeitpunkt nicht über 25.000 Euro verfügt. Dass kein anderer Täter infrage kommt, führte das Gericht unter anderem auf die Tatsache zurück, dass sowohl das Handy des Täters als auch das Handy des Opfers zeitgleich aus jener Handy-Funkzelle verschwanden, die das Haus der Getöteten abdeckt. Gegen 16.30 Uhr wurde das Handy der Frau nahe Wilkinghege entsorgt, zeitgleich verharrte auch das Handy des Täters an dieser Stelle.

Glaubwürdigkeit angezweifelt

Weitere Ermittlungsergebnisse sprachen laut Gericht dagegen, dass der 52-Jährige unschuldig ist. So verschickte er nach Auffinden der Leiche eine Mail an einen Kollegen mit Anweisungen für ein IT-Projekt – offenbar in der Ahnung, bald verhaftet zu werden.

Im Übrigen zweifelte das Gericht in der Urteilsbegründung fast durchgängig die Glaubwürdigkeit des Mannes an. Zeitlebens habe er für den eigenen Vorteil „gelogen und betrogen“, merkte die Richterin an.

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