SPD-Oberbürgermeister-Kandidat Michael Jung
„Fahrradstraßen-Akzeptanz ist gefährdet“

Münster -

Die rot eingefärbten Fahrradstraßen sorgen für immer größere Diskussionen. SPD-Oberbürgermeisterkandidat kann die Aufregung der Anwohner nachvollziehen. Er sieht die Schuld besonders in schlechter Kommunikation der Stadtverwaltung.

Freitag, 17.07.2020, 21:00 Uhr
Nicht nur an der Hittorfstraße, auch hier an der Dieckstraße gibt es Beschwerden von Anwohnern seit der Rotfärbung.
Nicht nur an der Hittorfstraße, auch hier an der Dieckstraße gibt es Beschwerden von Anwohnern seit der Rotfärbung. Foto: Joel Hunold

Die seit neustem rot eingefärbten Fahrradstraßen sorgen in Münster nach wie vor für Aufregung und mausern sich zum Kommunalwahlkampfthema. Für Michael Jung , Oberbürgermeisterkandidat der SPD , ist das nicht verwunderlich. „Die Anwohner wurden in die Planung überhaupt nicht mit eingezogen“, sagt er.

So kritisiert Jung auf der einen Seite die aus seiner Sicht zu geringe Aufklärung der Anwohner. Drei Tage vor Beginn der Baumaßnahmen eine Postkarte in die Briefkästen zu schmeißen, dass dort bald komplettes Halteverbot herrscht, sei zu wenig. Die Beschwerden der Anwohner, die es in dieser Woche etwa über die neu eingefärbte Hittorfstraße gegeben hab, seien nachvollziehbar.

Hittorfstraße: „Wie man es nicht machen sollte“

Auf der anderen Seite plädiert er für eine stärkere Bürgerbeteiligung. „Die Anwohner kennen sich vor Ort viel besser aus.“ Durch deren Vorschläge und Expertise sei ein Kompromiss zwischen Parkplätzen und einer vollwertigen Fahrradstraße möglich gewesen, ist sich Jung sicher. „Wenn man es ernst meint mit der Verkehrswende, dann zeigt die Hittorfstraße, wie man es nicht machen sollte“.

Für die kommende Ratssitzung am 26. August – die Letzte, bevor Mitte September der Rat neu gewählt wird, kündigt der Oberbürgermeisterkandidat daher einen neuen SPD-Antrag zum Thema Fahrradstraßen an. Bei jeder der noch ausstehenden Umbauarbeiten und Rotfärbungen, über 20 Straßen, sollen ein halbes Jahr vorher Bürgerbeteiligungen stattfinden.

Akzeptanz wird gefährdet

Auch bei den bisher schon rot eingefärbten Straßen – hier besonders die Hittorfstraße, Goldstraße, Dieckstraße und Max-Winkelmann-Straße, solle es Befragungen und Anpassungen geben. „Alle Anwohner mit denen ich gesprochen habe, aber auch wir als SPD, befürworten Fahrradstraßen. Aber wir laufen Gefahr, die Akzeptanz der gesamten Verkehrsmaßnahme zu gefährden“ sagt er und erzählt von einer Praxis für Krankengymnastik, deren Inhaberin sich durch den Wegfall der Parkplätze in ihrer beruflichen Existenz bedroht fühle.

Ein Vorschlag der Anwohner (den nun auch die Stadtverwaltung aufgegriffen hat, siehe oben), sind Einbahnstraßenregelungen für Autos, etwa an der Hittorfstraße. Aktuell sei dort zu beobachten, dass viele Autos mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit über die Fahrradstraße fahren, da Hindernisse in Form parkender Autos fehlen.

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