Münsteranerin wird Opfer von Trickbetrüger
Wenn die Falle im Netz zuschnappt

Münster -

Die Zahl der Vermögensdelikte im Internet steigt. Auch in Münster, wie Astrid Langenau feststellen musste: Statt durch den Verkauf eines Pullovers bei Ebay Geld zu verdienen, musste sie mit ansehen, wie ihr ein Trickbetrüger, der sich als Kaufinteressent ausgegeben hatte, das Konto leerräumte. Ein Happy End gab es trotzdem.

Montag, 27.07.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 27.07.2020, 07:04 Uhr
Die Zahl der Vermögensdelikte im Internet hat in Münster in den letzten zwei Jahren zugenommen.
Die Zahl der Vermögensdelikte im Internet hat in Münster in den letzten zwei Jahren zugenommen. Foto: Stratenschulte/dpa

Eigentlich wollte Astrid Langenau nur einen Pullover über Ebay verkaufen, wie sie es schon so oft getan hatte. Doch diesmal rückte die Münsteranerin ins Visier eines Trickbetrügers – und der Verkauf wurde zum Albtraum.

„Der Mann am Telefon, der den Pullover kaufen wollte, klang sehr nett“, erinnert sich Langenau an das Gespräch Anfang Juli. Irgendwann habe er gefragt, ob sie das Finanzielle über Paypal abwickeln könnten. Kein Problem, hat sich die Münsteranerin gedacht und gab dem vermeintlichen Käufer – wie üblich – die dafür nötige Mailadresse. „Dann sagte er, ich bekäme gleich eine Nachricht mit einem Sicherheitscode von Paypal zugeschickt, den ich ihm nennen müsse“, erzählt Langenau. Davon hatte sie bisher nichts gehört. „Aber ich dachte an eine neue Sicherheitsabfrage“, sagt sie.

Plötzliche Kontobewegungen

Doch weit gefehlt: Der Sicherheitscode war in Wahrheit eine Transaktionsnummer (TAN). Vor dem Pulloverkauf, der nur Mittel zur Kontaktaufnahme war, hatte sich der Mann in Langenaus Google-Account und in ihr Paypal-Konto gehackt und diese verknüpft. Mit der TAN konnte er dann im Internet bezahlen.

Plötzlich bekam Langenau Nachrichten über Kontobewegungen auf ihr Handy. „Machtlos habe ich zugesehen, wie die Fünfziger vom Konto gingen. Da kommt man erstmal ins Schwitzen“, erzählt Langenau. Der Dieb hat im Netz vier 50-Euro-Gutscheine bei einem Discounter gekauft. Sofort hat Langenau alle Hebel in Bewegung gesetzt und Paypal sowie Google kontaktiert. Bei der Polizei Münster erstattete sie Anzeige.

Andere vor Betrügern warnen

Dort liegt sie nun zur Bearbeitung, wie eine Sprecherin bestätigte. Und es ist bei Weitem nicht die einzige. Denn die Zahl der Vermögensdelikte im Internet steigt. 2018 bekam die Polizei Münster 185 Fälle auf den Schreibtisch, 2019 waren es schon 445. Gleichzeitig sank die Aufklärungsquote von 66,49 Prozent (2018) auf 41,12 Prozent (2019). Ob die Ermittlungen den Paypal-Betrüger ausfindig machen, darf zumindest angezweifelt werden.

Für Astrid Langenau nahm die Geschichte ein glückliches Ende: „Paypal hat mir das Geld zurückgezahlt – sehr kulant.“ Sie machte den Fall dennoch öffentlich, „damit andere vor solchen Betrügern gewarnt werden.“

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