Gericht hebt Haftbefehl auf
Mutmaßlicher Mörder aus Münster darf sich frei bewegen

Münster -

Zwei Jahre lang saß der wegen Mordes angeklagte Ralf H. in Untersuchungshaft. Aktuell befindet sich der Münsteraner auf freiem Fuß, weil der Prozess gegen ihn bislang nicht abgeschlossen werden konnte.

Montag, 27.07.2020, 18:50 Uhr aktualisiert: 27.07.2020, 19:05 Uhr
Gericht hebt Haftbefehl auf: Mutmaßlicher Mörder aus Münster darf sich frei bewegen
Ralf H. muss sich vor dem Landgericht Dortmund verantworten. Foto: dpa (Symbolbild)

Bei Mordprozessen ist es üblicherweise so, dass sich der mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft befindet – bis zu dem Tag, an dem das Gericht ein Urteil spricht. Bei einer Verurteilung folgt die „normale“ Haftstraße, bei einem Freispruch darf der Angeklagte nach Hause.

Im Falle des Münsteraners Ralf H. ist alles anders. Er muss sich vor dem Dortmunder Landgericht im sogenannten „Schalla-Prozess“ wegen Mordes verantworten – und doch befindet er sich auf freiem Fuß. Eine Boulevardzeitung will ihn am Wochenende sogar in seiner münsterischen Laube gesehen haben.

Untersuchungshaft darf nicht verlängert werden

Im Hintergrund steht eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm vom 23. Juli, wonach die vor gut zwei Jahren verhängte Untersuchungshaft nicht weiter verlängert werden darf. Ralf H. soll 1993 ein 16-jähriges Mädchen missbraucht und ermordet haben. 25 Jahre später ermittelte ihn die Polizei wegen einer bei der Toten gefundenen DNA-Spur, die Staatsanwaltschaft Dortmund erhob Anklage.

Doch der Fall ist kompliziert, Ralf H. bestreitet die Tat, die Ermittlungen zogen sich hin, eine Richterin erkrankte langfristig, der Prozess platzte. Mit der Aufhebung des Haftbefehls kann es nun sein, dass ein mutmaßlicher, gleichwohl nicht verurteilter Mörder in Münster weilt. Die Pressestelle des Polizeipräsidiums Münster wollte zu dem Vorgang nichts sagen. Ralf H. werde behandelt „wie ein entlassener Strafgefangener“, hieß es.

Angeklagter muss keine Auflagen erfüllen

Die zuständige Staatsanwaltschaft in Dortmund, die von der Täterschaft des Münsteraners überzeugt ist, verwies darauf, dass – theoretisch gesprochen – die Gefahrenabwehr eine Angelegenheit der Polizei sei. „Mehr will ich dazu nicht sagen“, so der Staatsanwalt Felix Giesenregen. Der Pressesprecher des Oberlandesgerichtes, Martin Brandt, wiederum verwies darauf, dass mit der Aufhebung des Haftbefehls die Zuständigkeit für Ralf H. wieder an die „Verfahrensbeteiligten“ gegangen sei.

Derweil darf sich Ralf H. frei bewegen, er muss keinerlei Auflagen erfüllen. Bald will das Landgericht Dortmund den Prozess neu aufrollen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7511058?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Nachrichten-Ticker