Grüne stellen ihr zentrales Wahlkampfthema vor
„Keine Autos mehr in der Altstadt“

Münster -

Der Streit um Fahrradstraßen kocht seit Wochen auf großer Flamme. Jetzt legen Münsters Grüne noch einen Zahn zu und stellen ihr Konzept einer autofreien Altstadt als zentrales Anliegen ihres Wahlkampfs vor.

Mittwoch, 29.07.2020, 20:20 Uhr aktualisiert: 29.07.2020, 21:08 Uhr
Statt parkender Autos mehr Platz für Begegnung: So stellen sich (v.l.) Carsten Peters, Jule Heinz-Fischer, Peter Todeskino und Annika Bürger von den Grünen eine autofreien Altstadt vor.
Statt parkender Autos mehr Platz für Begegnung: So stellen sich (v.l.) Carsten Peters, Jule Heinz-Fischer, Peter Todeskino und Annika Bürger von den Grünen eine autofreien Altstadt vor. Foto: Matthias Ahlke

Ist dieses kontroverse Thema wirklich mehrheitsfähig? „Damit kann man punkten – aber auch verlieren“, räumt der grüne OB-Kandidat Peter Todeskino ein. „Man muss bei diesem Thema Farbe bekennen.“

„Autofrei innerhalb der Promenade“

Münsters Grüne möchten die Altstadt, genauer: die Stadt innerhalb des Promenadenrings, bis 2025 autofrei machen. Nur noch Anlieger sollen hineinfahren dürfen – zum Be- und Entladen, oder um ihre privaten Parkplätze und Garagen zu erreichen. Parkplätze auf der Straße soll es nicht mehr geben, die Fläche soll Fußgängern, Fahrrädern, zusätzlichen öffentlichen Verkehrsmitteln und überhaupt der Attraktivität der Stadt zugute kommen. Weniger Platz fürs Auto und seinen Verbrennungsmotor: Das sei ein entscheidend wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, meint Ratskandidatin Jule Heinz-Fischer.

„Parkhäuser in Quartiersgaragen umwandeln“

Und wo sollen die Anwohner parken? 6000 private Haushalte gebe es in der Innenstadt, nicht alle mit Auto, sagt Ratskandidatin Annika Bürger. Würde man sämtliche Parkhäuser der Altstadt in Quartiersgaragen umwandeln, entstünden 2500 Parkplätze. Genug für Anlieger, für die Logistik des Handels, für weitere Fahrradstellplätze: „Das passt.“

Es gebe in den kommenden fünf Jahren noch sehr viele Details zu klären: Was soll aus der wichtigen Achse vom Mauritztor bis zur Münzstraße werden, was aus dem Schlossplatz? Wie einigt man sich mit den Parkhaus-Eigentümern? Wie bindet man die Anwohner ein? Auf keinen Fall wolle man die Nachbarschaft vor vollendete Tatsachen stellen wie zuletzt bei den umstrittenen Fahrradstraßen, sagt Peter Todeskino, der ausdrücklich von „mangelhafter Verwaltungsarbeit“ spricht: „Eine Postkarte im Briefkasten mit der Information, dass in drei Tagen der Parkplatz weg ist – das ist keine Bürgerbeteiligung.“

Videokonferenz am 5. August

Dabei setzen die Grünen selbst auf Postkarten, die sie derzeit an die Haushalte der Altstadt verteilen. Darauf wird zu einer Online-Videokonferenz am 5. August um 19 Uhr eingeladen (Anmeldung per E-Mail: heinz-fischer@gruene-muenster.de), bei der das Konzept „autofreie Altstadt“ vorgestellt werden soll. Das hätte schon im Frühjahr geschehen sollen, sei aber wegen Corona verschoben worden.

Mit Widerstand sei zu rechnen, meint Todeskino. Aber auch mit Zustimmung: In der Stadtgesellschaft, selbst unter den Einzelhändlern, gebe es viele kritische Stimmen zum Verkehr in der Altstadt: „Es reicht einfach. Deshalb wollen wir das Thema zuspitzen.“

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