Prof. Dr. Helmut Grüning
Pflege-Tipps für den Pool im Garten

Lange Schlangen, aufwendiges Anmelden – an heißen Tagen in Corona-Zeiten einen Platz im Freibad zu ergattern, ist nicht leicht. Deshalb haben Pools für den eigenen Garten derzeit Hochkonjunktur. Ein Professor der FH Münster beantwortet Fragen zur richtigen Pflege.

Freitag, 07.08.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 07.08.2020, 10:28 Uhr
Prof. Dr. Helmut Grüning: Pflege-Tipps für den Pool im Garten
Besonders in Corona-Zeiten ein Verkaufsschlager: der Pool für den eigenen Garten. Foto: dpa

Händler und Anbieter kommen wegen der vielen Aufträge mit den Pools kaum hinterher. Aber was müssen Hobby-Bademeister zu Hause beachten, damit der Sprung ins kühle Nass lange erfrischend bleibt und nicht unhygienisch wird? Helmut Grüning , Professor für Wasserversorgung und Entwässerungstechnik, erklärt, welche Pflege der heimische Pool benötigt.

Prof. Grüning, endlich ist der Pool aufgebaut. Der Badespaß kann losgehen. Welche Aufgaben kommen auf Pool-Besitzerinnen und -Besitzer zu?

Das hängt zuerst einmal von der Größe und Art des Pools ab. Es gibt unter anderem kleine Pools, die aus einem Metallgestell mit einer Folie bestehen, oder massiv gemauerte Pools bis hin zu Schwimmteichen. Bei jeder Variante gehört ein Filter und die Poolpumpe zur Grundausstattung. Regelmäßige Aufgaben, die auf alle Pool-Besitzerinnen und -Besitzer zukommen, sind das manuelle Reinigen mit einem Bodensauger und mit einem Kescher. Außerdem sollten festsitzender Schmutz und Algen an den Rädern abgebürstet werden und der pH-Wert sowie der Chlorgehalt regelmäßig kontolliert und eventuell angepasst werden. Der Filter muss überprüft und das Wasser gegebenenfalls nachgefüllt oder gewechselt werden.

Kann man sagen, dass das Wasser bei kleinen Pools häufiger gewechselt werden muss als bei großen?

Das kommt auf die Nutzung des Pools an. Bei einem Planschbecken würde ich das Wasser regelmäßig austauschen. Gerade kleinen Kindern kann ja mal ein Malheur passieren. Bei größeren Pools hilft es, wenn sich Personen vorher duschen oder die Sonnencreme gut einwirken lassen. Dann lässt sich das Wasser langfristig nutzen.
Ansonsten würde ich einen Austausch zum Saisonende empfehlen, wenn ausreichend gefiltert und gereinigt worden ist. Da sich bestimmte Chlornebenprodukte anreichern können, kann ein jährlicher Austausch und eine Komplettreinigung ratsam sein.

Thema Chlor und pH-Wert: Welche Wasserwerte sollten unbedingt eingehalten werden?
 Der pH-Wert sollte im neutralen oder schwach sauren Bereich liegen, zwischen pH 6,5 und pH 7,5. Bei Chlor ist ein Wert von etwa 0,5 mg pro Liter für freies Chlor anzustreben. Die Desinfektionswirkung von Chlor beruht in erster Linie auf der hypochlorigen Säure. Die entsteht durch die Reaktion des Chlors mit dem Wasser. Diese hypochlorige Säure zerfällt aber bei hohen pH-Werten. Das heißt, ab einem pH-Wert von 8,5 ist keine Desinfektionswirkung mehr vorhanden.

Übrigens: Der typische Chlorgeruch entsteht, wenn besonders viel Chlor bereits an Eiweiße oder andere organische Substanzen gebunden worden ist. Also nicht mehr für die Desinfektion zur Verfügung steht. Je mehr davon vorhanden ist, desto mehr riecht es. Wer regelmäßig den Sandfilter rückspült, die Ränder reinigt und darauf achtet, dass vor dem Baden geduscht wird, kann selbst verhindern, dass der Anteil des gebundenen Chlors zu hoch wird.

Ist es dann ratsam, täglich die Werte zu kontrollieren?

In Zeiten mit intensiver Nutzung schon. Wer Chlortabletten nutzt, muss nicht unbedingt täglich messen. Denn die Tabletten geben das Chlor über längere Zeit hinweg kontinuierlich ins Wasser ab.

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Jetzt ist doch etwas zu viel Chlor im Wasser gelandet, was ist dann zu tun?

Man kann einfach abwarten, bis der Chlorgehalt von selbst wieder sinkt. Sonneneinstrahlung beschleunigt den Prozess. Auch das Schwimmen im Pool kann dazu beitragen. Aber Vorsicht: Zu viel Chlor kann zu Schleimhautreizungen und roten Augen führen. Wer nicht so lange warten kann, bis der Chlorgehalt von selbst die richtigen Werte erreicht, kann zusätzlich andere Chemikalien wie Natriumthiosulfat oder Wasserstoffperoxyd einsetzen.

Bei allem Badespaß sollte an die Umwelt gedacht und der Chemikalieneinsatz nicht übertrieben werden. Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis: Wenn kleine Kinder in einen Teich oder Pool fallen, verlieren sie die Orientierung und können nicht auftauchen. Dafür muss ein Becken nicht tief sein. Ein Planschbecken reicht. Teich oder Pool also immer sichern, damit Kleinkinder nicht gefährdet sind.

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