Mann aus Münster lag im Koma
Wie Corona einen 34-Jährigen fast das Leben gekostet hätte

Münster/Bad Lippspringe -

Jung, gesund, sportlich – was soll da schon passieren? Mit Florian Janssen ist so ziemlich alles passiert, was Covid-19 einem Menschen antun kann. Inzwischen hat der 34-jährige Münsteraner mühselig wieder laufen gelernt. Zusammen mit Dutzenden anderen jungen Corona-Patienten. Von Thorsten Fuchs, Stefan Werding
Freitag, 07.08.2020, 18:19 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 07.08.2020, 18:19 Uhr
Mann aus Münster lag im Koma: Wie Corona einen 34-Jährigen fast das Leben gekostet hätte
Florian Janssen lernt nach einem schweren Verlauf einer Coronavirus-Infektion mit einem Rollator wieder langsam laufen. Foto: Tim Schaarschmidt
Ein diffuses Gefühl von Schwäche, leichtes Kopfweh, so fängt es an, an einem Freitagabend im Mai. Corona? Unwahrscheinlich, denkt Florian Janssen da. Schließlich hatte er Treffen mit Freunden in den Wochen zuvor abgesagt, und an seinem Arbeitsplatz, einem Lebensmitteldiscounter, hatte der stellvertretende Filialleiter eine Maske getragen, wie die allermeisten Kunden. „Aber ich dachte auch: Wenn ich es bekomme, dann habe ich es wenigstens hinter mir”, sagt Janssen. Jung und sportlich Was sollte das Virus ihm denn auch anhaben, einem sportlichen 34-Jährigen, der nicht mal raucht? Sechs Wochen später lernt Florian Janssen langsam wieder laufen, freut sich über 250 Meter im Sechs-Minuten-Test. 250 Meter ohne Rollator – das ist schon ziemlich viel für jemanden, der vier Wochen zuvor noch auf der Intensivstation lag und nicht mal allein atmen konnte. Es ist nur auch ziemlich wenig für jemanden, der vollkommen gesund war, drei- bis viermal in der Woche laufen ging und sich gerade auf einen Halbmarathon vorbereitete. „Mir war das Ausmaß dieser Krankheit nicht bewusst”, sagt Florian Janssen. „Dass es mich so aus dem Leben haut, das hätte ich nicht gedacht.” Der Münsteraner ist ein Beispiel für gleich zwei Entwicklungen, die Ärzte beobachten: dass der Anteil jüngerer Erwachsener an den schweren Covid-19- Verläufen höher ist als anfangs vermutet – und dass viele oft noch Wochen nach einer Infektion an Beschwerden leiden. Mehr als eine Lungenkrankheit Covid-19, so viel ist inzwischen sicher, ist jedenfalls weit mehr als eine Lungenkrankheit. „Wir haben unheimlich dazulernen müssen, dass da viel, viel mehr dranhängt”, sagt der Internist und Pneumologe Ralf-Dieter Schipmann. „Wir sehen, dass das fast eine Systemerkrankung ist, die das Nervensystem und das kardiovaskuläre System mit betrifft – und dass schwerwiegende Folgen auch bei Patienten auftreten, die vorher gesund waren.” Schipmann ist Chefarzt der Klinik Martinusquelle in Bad Lippspringe, Ostwestfalen, einer der größten deutschen Lungenrehakliniken. COPD, Asthma, schwere Lungenentzündungen, mit und nach solchen Erkrankungen kommen Patienten sonst hierher.
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