Stadtwerke registrieren höheren Verbrauch
„Es ist ausreichend Trinkwasser da!“

Münster -

Über 30 Grad, wenig Regen, viele daheimgebliebene Urlauber: In einigen Orten Niedersachsens und Ostwestfalens wird das Trinkwasser knapp. In Münster ist die Lage entspannter.

Montag, 10.08.2020, 17:00 Uhr aktualisiert: 10.08.2020, 18:17 Uhr
Nachts füllen die Stadtwerke die Speicher an den Wasserwerken mit frischem Trinkwasser.
Nachts füllen die Stadtwerke die Speicher an den Wasserwerken mit frischem Trinkwasser. Foto: Stadtwerke Münster/Peter Leßmann

Die wichtigste Antwort gibt Lisa Schmees , noch bevor die Frage gestellt wurde: „Es ist ausreichend Trinkwasser da!“, sagt die Stadtwerke-Sprecherin zu Beginn des Gesprächs. Die Nachricht, dass in einigen Kommunen Niedersachsens und Ostwestfalens das Trinkwasser zur Neige geht, treibt offenbar auch den örtlichen Wasserversorger um. Der Verbrauch in Münster steigt, ist aber nicht kritisch – so die Botschaft.

Seit Beginn der derzeitigen Hitzewelle werde die tägliche Abgabemenge besonders genau beobachtet – bei Temperaturen über 30 Grad wächst der Bedarf erfahrungsgemäß. 51 000 Kubikmeter verbrauchen die Münsteraner an einem Normaltag durchschnittlich, derzeit sind es regelmäßig über 60 000 Kubikmeter. Der bisherige Spitzenreiter des Jahres ist der vergangene Freitag mit 66 000 Kubikmetern. Womit der Rekord des Vorjahrs (76 000 Kubikmeter am 25. Juni 2019) nicht annähernd gefährdet war.

Gewitterschauer senkt den Verbrauch

Am Wochenende sei der Verbrauch sogar leicht gesunken, berichtet Lisa Schmees. Besonders deutlich war das am Sonntag zu spüren: Wegen des starken Gewitterregens verzichteten offenbar viele Gartenbesitzer auf zusätzliche Bewässerung – die sonst dazu führt, dass die sogenannte Abendspitze gegen 19 Uhr mindestens so hoch ist wie die Verbrauchsspitze am Morgen zwischen 6 und 8 Uhr.

Kommentar: Kostbares Nass

Von Lukas Speckmann

Stell dir vor, du drehst den Hahn auf – und kein Tropfen kommt heraus . . . Nein, das wird in Münster wohl nicht so schnell passieren. Eine beruhigende Vorstellung; die aber nicht zu der falschen Annahme verleiten darf, es gäbe in Zeiten sinkender Grundwasserstände, austrocknender Böden und unregelmäßiger Niederschläge kein Problem.

In den vergangenen fünf Jahren ist die Wasserabgabe der Stadtwerke um 1,1 Millionen Kubikmeter auf 17,2 Millionen Kubikmeter gestiegen. Das ist ein Preis, der für Münsters unaufhaltsames Wachstum – an anderer Stelle hochwillkommen – wohl oder übel zu zahlen ist. Gleichzeitig ist seit Jahrzehnten bekannt, dass das natürliche Grundwasservorkommen nicht reichen würde, den Bedarf auch nur annähernd zu decken. Ohne die künstliche Zufuhr von Wasser aus dem Dortmund-Ems-Kanal, das ursprünglich aus der Lippe stammt, säße Münster längst auf dem Trockenen.

Damit kann man sich abfinden. Sollte zugleich aber bedenken, wie kostbar Wasser ist – und es nicht unbekümmert verschwenden. Das gilt nicht zuletzt für Gartenbesitzer, die ihren Bäumen und Sträuchern mit seltener, zielgenauer Bewässerung einen größeren Gefallen tun als mit allabendlichem Rasensprenger-Einsatz.

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Am Sonntagabend flossen stündlich rund 1000 Kubikmeter Wasser weniger durch die Leitungen. Grundsätzlich habe sich der Wasserverbrauch weder während des Corona-Lockdowns noch während der fast beendeten Sommerferien deutlich verändert: Typisch für die Ferienzeit: Der Verbrauch sei immer etwas geringer als sonst – und etwas gleichmäßiger über den Tag verteilt.

Kanal-Wasser wird gereinigt

Dass Münster in Sachen Trinkwasser vergleichsweise gut dastehe, liegt nach Angaben von Stadtwerke-Sprecher Florian Adler an dem seit 100 Jahren praktizierten Verfahren der Grundwasser-Infiltration: Wasser aus dem Dortmund-Ems-Kanal wird gereinigt, in der Nähe der Wasserwerke versickert und nach 50-tägigem Durchlauf wieder aus dem Boden gepumpt. Diese Anreicherung geschehe auch mit Blick auf Langzeit-Wetterprognosen.

Ein Kubikmeter Trinkwasser (das reicht für sieben Badewannen) kostet derzeit 1,62 Euro brutto. Wenn im Januar die Mehrwertsteuer wieder von fünf auf sieben Prozent steigt, wird es 3,3 Cent teurer.

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