27-Jähriger Münsteraner angeklagt
Rachefeldzug gegen Staat und Eltern

Münster -

Wegen finanzieller Probleme hat ein 27-Jähriger im Januar 2019 eine Tankstelle überfallen. Seine Begründung: Ihm werde staatliche Unterstützung verweigert. Daher könne er sich nur auf diesem Weg Geld zum Leben besorgen.

Montag, 10.08.2020, 18:00 Uhr
27-Jähriger Münsteraner angeklagt: Rachefeldzug gegen Staat und Eltern
Foto: dpa (Symbolbild)

Die Anklageliste gegen einen 27-jährigen Münsteraner ist lang: Tankstellenüberfall, Körperverletzung, Mord- und Gewaltdrohungen, Sachbeschädigungen, Diebstahl, Urkundenfälschung. Die Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt steht im Raum. Dabei gab der Angeklagte zu Beginn des am Montag eröffneten Prozesses vor dem Landgericht fast alle Taten zu.

Seine Intention: Er wollte den Staat schädigen. Seiner Meinung nach werde ihm unberechtigterweise Arbeitslosen- und Wohngeld vorenthalten. 2018 hatte er seine Anstellung als Briefzusteller verloren. Seine Anträge auf staatliche Unterstützung wurden, wahrscheinlich aufgrund fehlender Unterlagen, abgelehnt. Daraufhin habe der 27-Jährige den Entschluss gefasst, dem Staate als Ausgleich schädigen zu wollen.

300 Euro bei Tankstellenüberfall erbeutet

Weil er kein Geld mehr hatte, habe er im Januar 2019 eine Tankstelle in Münster überfallen und rund 300 Euro erbeutet. Aus dem selben Grund habe er mehrfach in Supermärkten geklaut und sich vom Konto seiner Adoptiveltern Geld überwiesen.

Sein Gedankengang: Der Staat werde für die Schäden aufkommen. Den Einwand des leitenden Richters, dass etwa Versicherungen nicht in staatlicher Hand sein, überging der 27-Jährige.

Drohung gegen Adoptiveltern

Da seine Adoptiveltern ihn nicht bei sich wohnen lassen und ihn finanziell unterstützen wollten – obwohl er kein schlechtes Verhältnis zu ihnen habe – macht er sie für seine Situation mitverantwortlich. Mehrfach zerstörte er deren Eigentum und bedrohte sie, er habe Gasflaschen gekauft und werde das Haus in Brand setzen. Die Drohung richtet sich, wie er klar stellte, nicht nur gegen seine Eltern, sondern gegen alle, die ihm nach für seiner Situation verantwortlich sind. Auf seiner Rache-Liste befinden sich jene Sachbearbeiter, die seine staatlichen Leistungen ablehnten.

Der Angeklagte erläuterte, ihm sei klar, dass er Verbrechen begangen habe und Selbstjustiz übe, doch er habe sich nicht anders zu helfen gewusst.

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