Kunstwerk-Abriss
Neuer Standort für "Square Depression" gesucht

Münster -

Die Kunst muss der Physik weichen: Das Skultpur-Projekte-Kunstwerk "Square Depression" vor dem Institut für Theoretische Physik wird abgerissen. Es soll einen neuen Platz erhalten - doch Zeitpunkt und Ort sind noch völlig unklar.

Donnerstag, 13.08.2020, 15:50 Uhr aktualisiert: 13.08.2020, 19:34 Uhr
Kunstwerk-Abriss: Neuer Standort für "Square Depression" gesucht
Bruce Naumans "Square Depression" wird in Kürze abgerissen und in unmittelbarer Nähe neu errichtet. Foto: Pjer Biederstädt

Das Werk des berühmten US-amerikanischen Künstlers Bruce Nauman schaffte es 2007, als es als Teil der Skulptur Projekte Furore machte, auf die Titelseiten der international renommiertesten Kunstmagazine. „Square Depression“, die weiße, umgekehrt in den Boden gestellte Pyramide im naturwissenschaftlichen Zentrum der Universität an der Wilhelm-Klemm-Straße, gehört zu den berühmtesten dauerhaften Zeugnissen der Ausstellung. Nun wird „Square Depression“, das vom LWL-Museum zum dauerhaften Verbleib in Münster angekauft wurde, verschwinden – jedenfalls vorläufig. 

Auf dem Grundstück des Kunstwerks an der Wilhelm-Klemm-Straße entsteht mit dem Gebäude der Institutsgruppe 1 des Fachbereichs Physik das größte Gebäude der WWU . Das Skulptur-Projekt, so der Plan, soll zwar abgerissen, aber an anderer Stelle in der Nähe wieder neu errichtet werden, wie die Universität am Donnerstag mitteilte. Die Hochschule und das LWL-Museum seien dazu mit Bruce Nauman im Kontakt. Er habe der Verlagerung zugestimmt.

Ort und Zeitpunkt völlig unklar

Gleichwohl ist derzeit noch nicht klar, wo ganz genau das Kunstwerk seinen neuen Platz finden, und wann es dort aufgebaut wird. Mit dem Bau des  neuen Gebäudes für die Physiker soll Anfang 2022 begonnen werden, der beim Bau federführenden Bau- und Liegenschaftsbetrieb rechnet mit der Fertigstellung Mitte 2026. 

Kommentar: Das kann dauern

Bei den Skulptur-Projekten 2007 war die umgekehrte Pyramide von Bruce Nauman auf dem naturwissenschaftlichen Uni-Campus nahe der Mensa eines der Kunstwerke, die einen besonderen Zauber entfalteten. Naumans Werk ist Kunst, die man buchstäblich besitzen, begehen und dabei besondere Raumerfahrungen erleben kann. Nebenbei: Bruce Nauman ist in der Kunstszene international einer der größten Namen.

Dass die Physiker der Universität ihr dringend benötigtes modernes Gebäude nun endlich bekommen, ist eine gute Nachricht – und es ist auch gut, dass die Nauman-Skulptur neu aufgebaut werden soll. Wer aber weiß, wie viel Zeit große Bauprojekte und Debatten um städtebauliche Masterpläne in Anspruch nehmen, kann angesichts der Aussichten, das Nauman-Werk bald in der Nähe wiederzusehen, eher pessimistisch in die Zukunft sehen. Das kann dauern. Wäre es nicht möglich gewesen, zusammen mit der Planung des Campus den Wiederaufbau des Kunstwerks vorzuziehen? Das wäre auch ein Signal dafür, was Kunst in Münster wert ist. (Karin Völker)

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Erst dann werden Physiker aus ihrem bisherigen Gebäude auf der anderen Seite der Wilhelm-Klemm-Straße umziehen. Die Gestaltung der Fläche im naturwissenschaftlichen Campus soll ein künftiger städtebaulicher Masterplan regeln. Der Zeitpunkt, wann das Kunstwerk an „zentraler Stelle des naturwissenschaftlichen Campus wieder neu aufgebaut wird, ist somit offen , sagt Universitätssprecher Norbert Robers.

Rückbau könnte Anfang 2021 beginnen

An seinem alten Platz wird „Square Depression“ voraussichtlich noch bis Anfang nächsten Jahres zu bewundern sein. Im Spätherbst wird zunächst der Kampfmittelräumdienst das Gelände untersuchen. Danach könne der „Rückbau“ beginnen, so Robers. 

Der heute im US-Bundesstaat New Mexico lebende Bruce Naumann (Jahrgang 1941) hatte das Kunstwerk bereits 1977 geplant, erst 30 Jahre später wurde es realisiert. Es entwickelte sich zu einem der Publikumslieblinge der Skulptur-Projekte. Bis heute  erfreut sich die „Quadratische Senkung“ in Präsenz­semesterzeiten großer Beliebt- und Belebtheit auf dem Campus.

Der WWU liegt viel daran, dieses wunderbare Kunstwerk auf dem naturwissenschaftlichen Campus zu erhalten.

Uni-Rektor Johannes Wessels

„Wir freuen uns darüber, dass Bruce Nauman unsere Argumente angenommen hat, denn auch der WWU liegt viel daran, dieses wunderbare Kunstwerk auf dem naturwissenschaftlichen Campus zu erhalten“, betont Uni-Rektor Johannes Wessels. Naumann wolle die Neu-Errichtung intensiv begleiten und gegebenenfalls neue Akzente setzen 

Diese Skulpturen stehen noch in Münster

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  • Dennis Adams: Bus Shelter IV (1987), Aegidiimarkt

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Siah Armajani: Study Garden (1987), Pferdegasse 3, Hinterhof

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Lothar Baumgarten: Drei Irrlichter (1987), Lamberti-Kirchturm

    Foto: Gerhard H. Kock
  • George Brecht: VOID-Stone (1987), Schlossgarten, Höhe Edith-Stein-Straße

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hans-Peter Feldmann: WC-Anlage (2007), Domplatz

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Ian Hamilton Finlay: A Remembrance of Annette (1987), Überwasserfriedhof, Wilhelmstraße

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Dan Graham: Oktogon für Münster (1987), südlicher Schlossgarten

    Foto: LWL/Hanna Neander
  • Donald Judd: Ohne Titel (1976/77), Aaseewiese am Mühlenhof

    Foto: SYSTEM
  • Ilya Kabakov: „Blickst du hinauf und liest die Worte..." / "Looking Up. Reading the Words...“ (1997), Aaseewiesen/Torminbrücke

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Per Kirkeby: Backstein-Skulpturen (1987), Institut für Zoophysiologie

    Foto: pd
  • Per Kirkeby: Bushaltestelle (1997), Vom-Stein-Haus, Schlossplatz 34

    Foto: pd
  • Harald Klingelhöller: Die Wiese lacht oder das Gesicht in der Wand (1987), Juridicum

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Bruce Naumann: Square Depression (1977/2007), Wilhelm-Klemm-Straße 9

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Maria Nordman: De Civitate (1997), Wienburgpark, Höhe Meßkamp

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Giuseppe Penone: Progetto Pozzo di Münster (1987), Hörster Friedhof / Karlstraße

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Ulrich Rückriem: Dolomit zugeschnitten (1977), Petrikirche / Jesuitengang

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Richard Serra: Dialog mit Johann Conrad Schlaun (1996), Rüschhaus / Am Rüschhaus 81

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Susana Solano: Intervention in Münster (1987), Münzstraße am Buddenturm

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Rémy Zaugg: Versetzung von Knecht mit Pferd und Magd mit Stier (1987), Ludgeriplatz

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Giovanni Anselmo: Verkürzter Himmel (1987), Aa-Promenade, Johannisstraße 8-10

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Richard Artschwager: Fahrradständermonument B (1987), Schloss (derzeit in Marl)

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Martin Boyce: We Are Still and Reflective (2007), An der Gräfte, ehemaliges Zoogelände

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Daniel Buren: Tor Nummer 2 (1987), Domgasse

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Herman de Vries: Sanctuarium (1997), Schlossgarten, Höhe Einsteinstraße

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Ludger Gerdes: Schiff für Münster (1987), Horstmarer Landweg / Mendelstraße

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Jenny Holzer: Bänke (1987), südlicher Schlossgarten

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Rebecca Horn: Das gegenläufige Konzert (1987/97), Zwinger an der Promenade

    Foto: pd
  • Matt Mullican: Relief für Chemische Institute (1987), Wilhelm-Klemm-Straße / Corrensstraße

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Claes Oldenburg: Giant Pool Balls (1997), Aaseeterrassen / Aegidiitor

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Jorge Pardo: Pier (1997), Aaseeufer / Torminbrücke

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Susan Philipsz: The Lost Reflection / Das verlorene Spiegelbild (2007), Torminbrücke

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Hermann Pitz: Innen, Außen (1997), Landesmuseum („Innen“ wird nicht mehr gezeigt)

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Martha Rosler: Erschütterung der Fragmente / Adler (2007), wird restauriert

    Foto: kok
  • Thomas Schütte: Kirschensäule (1987), Harsewinkelplatz

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Rosemarie Trockel: Weniger wild als andere (2007), Aaseeufer (Torminbrück)

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Richard Tuttle: Art and Music (1987), Tordurchfahrt und Treppe am Fürstenberghaus

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Silke Wagner: Paul Wulff / Münsters Geschichte von unten (2007), Servatiiplatz

    Foto: klm
  • Huang Yong Ping: 100 Arme der Guanyin (1997), Marienplatz

    Foto: Oliver Werner
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