Mieter des Wohnungskonzerns LEG demonstrieren
Hohe Rendite, wenig Rücksicht

Münster -

Die Mieterschutzvereine in Münster haben die Akten voll mit Beschwerden von Mietern des Wohnungskonzern LEG. Am Montag demonstrierten einige Mieter vor der münsterischen Niederlassung des Unternehmens.

Montag, 17.08.2020, 18:50 Uhr aktualisiert: 17.08.2020, 20:06 Uhr
Mieter der LEG demonstrierten am Montag vor der münsterischen Niederlassung des Konzerns.
Mieter der LEG demonstrierten am Montag vor der münsterischen Niederlassung des Konzerns. Foto: Karin Völker

Am Dienstag (18.8.) tagt die Aktionärsversammlung des Wohnungskonzerns LEG , mit rund 6000 Wohnungen in Münster einer der beiden großen Vermieter. Die Menschen, die mit Schildern und einem Banner am Montagnachmittag vor der Niederlassung des Konzerns an der Grevingstraße demonstrierten, haben nach eigener Einschätzung dabei nur zu verlieren. Ihr Motto lautet: „Eure Rendite frisst unser Einkommen“.

Nach Berechnung des Deutschen Mieterbundes fließen 44 Prozent der Mieteinnahmen des Unternehmens in die Rendite der Aktionäre. Die Mieter des vor zwölf Jahren vom Land NRW in die Hände von Investmentfonds verkauften Wohnungsgesellschaft klagen unterdessen über vielfältige Probleme im Umgang mit ihrem Vermieter. Die Akten der Mietervereine sind voll von Beschwerden über den börsennotierten Vermieter, wie Noma Hajar, Juristin beim Mieterschutzverein, und Volker Jaks vom Deutschen Mieterbund Münster bestätigen. Jaks habe „einige Hundert“ Mietstreitigkeiten mit der LEG auf dem Tisch, schätzt er. Auch Noma Hajar schlägt jetzt angesichts der umfangreichen Sanierungsmaßnahmen in rund 400 münsterischen LEG-Wohnungen Alarm: „Wie mit den Mietern umgegangen wird, ist ein Unding“, so Hajar.

Instandhaltung oder Sanierung?

Beispiele: In einem Mehrfamilienhaus der LEG an der Kolmarstraße im Geistviertel, wo sich die Parteien geschlossen an die LEG gewandt haben, sind viele Probleme zu Hause, die die Mieter mit Besorgnis erfüllen. Wurzel der Ärgernisse ist die eigentlich erfreuliche Sanierung, wie Mieter Jens Elmer unterstreicht. Es soll renoviert und modernisiert werden – „nach 25 Jahren zum ersten Mal. Wir sind keine Sanierungsgegner“, stellt Elmer klar.

Doch die Mieter haben die Vermutung, dass einiges, was der Wohnungskonzern als eine Mieterhöhung begründende Modernisierung deklariere, eigentlich bloß eine normale Instandhaltung ist, die keine Mieterhöhung rechtfertigen würde. Gedämmt werde nur das Dach des Klinkerhauses, durch 60 Jahre alte Haus- und Wohnungstüren ziehe es herein, fünf der sechs Wohnungen würden mit veralteten klimaschädlichen Nachtspeicherheizungen geheizt. Die Mieter an der Kolmarstraße bitten den Konzern um Verschiebung der Sanierungsarbeiten in die Zeit nach der Corona-Pandemie, denn sie fürchten das Gesundheitsrisiko durch Ein- und Ausgehen fremder Handwerker in ihren Wohnungen.

Die LEG teilt nicht mit, wann die Arbeiten losgehen.

Petra Reckhaus

So ergeht es auch einer schwer lungenkranken Mieterin eines LEG-Hauses an der Schmittingheide. Sie habe seit Mitte März aus Angst vor einer Coronavirus-Ansteckung ihre Wohnung nicht mehr verlassen – nun sollen die Fenster ausgetauscht werden. Noch deutlich langwieriger sind die Innensanierungen der Häuser an der Straße Korte Ossenbeck, wo Bäder und Versorgungsleitungen erneuert werden sollen. „Die LEG teilt nicht mit, wann die Arbeiten losgehen“, sagt Petra Reckhaus, seit 33 Jahren Mieterin ihrer Wohnung. Auch sie will in Corona-Zeiten die Handwerker nicht gern hereinlassen. „Warum muss die LEG in Zeiten der Pandemie so viele ihrer Wohnungen in Münster sanieren?“ fragt Noma Hajar.

Ein LEG-Sprecher in Düsseldorf weist die Kritik zurück: „Wir halten alle Schutzregeln ein und halten uns bei den Arbeiten an die Vorschriften.“ Und er verspricht: Mieter würden „einige Wochen“ vor Beginn von Sanierungsmaßnahmen in ihren Wohnungen informiert.

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