Stadtwerke starten Pilotprojekt „Loop“
Taxibus durch Münster per App buchen

Münster -

Ab Dienstag fahren zehn „Loops“ – On-Demand-Taxi-Busse, die per App gerufen werden können – durch Münster. Vorerst nur durch den Süden der Stadt, doch die Stadtwerke planen ein schnelles Wachstum. Und zum Auftakt betonten NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst sowie Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer die Bedeutung des Pilotprojekts.

Freitag, 28.08.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 28.08.2020, 18:22 Uhr
Sind begeistert von Münsters neuem On-Demand-Taxibus-Dienst „Loop“: Stadtwerke-Geschäftsführer Frank Gäfgen, Oberbürgermeister Markus Lewe, NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst
Sind begeistert von Münsters neuem On-Demand-Taxibus-Dienst „Loop“: Stadtwerke-Geschäftsführer Frank Gäfgen, Oberbürgermeister Markus Lewe, NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst Foto: Oliver Werner

Ab kommendem Dienstag (1. September) wird Münster zum Experimentierfeld für die Zukunft der Mobilität. Denn dann startet „Loop“, ein Taxibus-Dienst auf Abruf, der nicht viel mehr als eine normale Busfahrt kosten soll. „Das Thema Mobilität hat eine soziale Bedeutung, jeder hat das Recht auf günstige Mobilität“, sagte Oberbürgermeister Markus Lewe bei der offiziellen Vorstellung des Dienstes am Freitag.

Per App geordert, holt der Taxibus den Fahrgast kurze Zeit später am Wunschstandort ab und bringt ihn etwa zum Bahnhof oder zum nächsten Supermarkt. Sollten andere Fahrgäste in etwa in die gleiche Richtung wollen, werden sie eingesammelt. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst betont, dass der „Loop“ (engl. Schleife) im wahrsten Sinne des Wortes keine starren Linien wie ein Bus abfährt, sondern Schleifen. „Es gibt damit keine Leerfahrten ohne Sinn“.

"Loop" auch auf andere Stadtteile ausweiten

Zunächst fahren zehn „Loops“ – die elektrisch betrieben werden und baugleich mit den berühmten schwarzen Londoner Taxis sind – durch Münsters Süden, etwa durch Hiltrup, Amelsbüren oder Berg Fidel. „Aber wir wollen Loop unbedingt auf andere Stadtteile ausweiten“, erläutert Münsters Stadtbaurat Robin Denstorff. Sechs Sitzplätze gibt es in den weiß-blauen Fahrzeugen, von denen während Corona maximal vier belegt werden sollen.

On-Demand-Busse, Fahrradstraßen und fantasievolle Brückenprojekte

1/13
  • Am Freitag war Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zu Gast in Münster. Mittags hat es ihn zunächst in den Stadtteil Hiltrup verschlagen.

    Foto: Oliver Werner
  • Denn dort wurde der neue On-Demand Taxi-Bus „Loop“ vorgestellt. Per App kann man ab dem 1. September einen „Loop“ ordern und sich wie in einem Taxi etwa zum nächsten Bahnhof bringen lassen – allerdings zum Preis einer normalen Busfahrt.

    Foto: Oliver Werner
  • Bei der Vorstellung von „Loop“ waren neben Scheuer (r.) unter anderem NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (2.v.r.), Oberbürgermeister Markus Lewe (Mitte) und Stadtwerke-Geschäftsführer Bereich Mobilität, Frank Gäfgen (3.v.l.) vor Ort.

    Foto: Oliver Werner
  • „Loop“ ist ein Pilotprojekt und wurde mit fünf Millionen Euro vom Land gefördert. Drei Millionen Euro zahlt die Stadt Münster. Falls das Projekt in Hiltrup und Umgebung gut angenommen wird, soll es auf ganz Münster ausgeweitet werden. Und womöglich auch auf andere Städte.

    Foto: Oliver Werner
  • Sechs Personen haben in so einem „Loop“ Platz. Während der Corona-Pandemie werden allerdings nur vier Plätze besetzt. Das Gefährt, welches baugleich zu den berühmten Londoner Taxis ist, scheint ziemlich gemütlich zu sein, nicht wahr Herr Lewe, Herr Scheuer?

    Foto: Oliver Werner
  • Die ganze Flotte, insgesamt zehn „Loops“, war am Freitag in Münster vertreten. Weitere sind bereits geordert. Rechts ist übrigens noch Münsters zuständiger Stadtbaurat Robin Denstorff zu sehen.

    Foto: Oliver Werner
  • Nach dem Termin in Hiltrup machten sich Scheuer, Wüst, Lewe und Denstorff auf Richtung Aasee.

    Foto: Oliver Werner
  • Dort wollten sie sich besonders die rot markierten Fahrradstraßen anschauen – und das klappt natürlich am besten auf dem entsprechenden Verkehrsmittel.

    Foto: Oliver Werner
  • Wichtig, Helm nicht vergessen!

    Foto: Oliver Werner
  • Fahrradfahren in Münster macht eben sogar Bundesministern Spaß.

    Foto: Oliver Werner
  • Während Andreas Scheuer die grünen Pläne einer autofreien Innenstadt kritisiert, fand er für die rot gefärbten Fahrradstraßen, wie hier an der Bismarckallee, nur lobende Wort. Das Konzept passe, anders als in anderen Städten, wie seiner Heimatstadt Passau, sehr gut nach Münster. Die Stadt habe städtebaulich gute Voraussetzungen.

    Foto: Oliver Werner
  • Doch um den Anschluss zu den Fahrradstraßen am Aasee zu gewährleisten werde ein Übergang benötigt. Deshalb schaute sich Scheuer auch noch den Ort an der Promenade/ Kanonengraben an, wo in Zukunft der „Aegidiitor Flyover“, die große Brücke über die B52, lang führen soll.

    Foto: Oliver Werner
  • Und schlussendlich ruckelte sich Scheuer auch über den Prinzipalmarkt.

    Foto: Oliver Werner

Münster wird damit zur Pionierstadt für „On-Demand-Verkehr“, also Verkehr auf Abruf. Das Projekt wird in den kommenden drei Jahren mit fünf Millionen Euro vom Land NRW gefördert, drei Millionen Euro hat die Stadt zugeschossen. Weitere „Loops“ sind bereits geordert. Wüst betont, dass „wir das Geld nicht mit der Gießkanne verteilen“, vielmehr habe das Konzept Münsters überzeugt.

Loop bietet die Möglichkeit, einen komplett neuen Ansatz zu wählen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer

Der Bund ist zwar nicht direkt finanziell an dem Projekt beteiligt, aber trotzdem wollte sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer es sich nicht entgehen lassen, am Freitag dabei zu sein. „Loop bietet die Möglichkeit, einen komplett neuen Ansatz zu wählen“, sagt er. Das Projekt sei Innovation, es gehe „jetzt erstmal darum was zu lernen“, so Scheuer. Fehler und Besserungsmöglichkeiten werde es bestimmt geben, aber „fertig kann jeder. Und sich auf ein fertiges Projekt draufsetzen auch“.

Der Meinung war auch Frank Gäfgen, Frank Gäfgen, Geschäftsführer Mobilität der Stadtwerke, welche die „Loops“ betreiben. „Wir müssen starten. Fehler gehören dazu, aber lasst uns jetzt auf die Straße gehen“.

Offen bleibt, wie die Münsteraner „Loop“ annehmen und ob sie den „On-Demand-Dienst nutzen werden. Wüst ist zuversichtlich. „In einem Jahr wird es wahrscheinlich bombengut laufen und die 'Loops' werden in ganz Münster unterwegs sein“. Würde er in Hiltrup wohnen, hätte er auf jeden Fall das zweite Familienauto schon abgeschafft.

Besuch an den Fahrradstraßen

Der Tag in Münster für die beiden Verkehrsminister war nach der „Loop“-Vorstellung allerdings noch nicht vorbei. Gemeinsam schauten sie sich zunächst die rotgefärbte Fahrradstraße auf der Bismarckallee an, für die Scheuer voll des Lobes war. Das Konzept passe wegen der vielen Nebenstraßen, die Richtung Zentrum laufen, gut nach Münster. Auch betonte er die Bedeutung einer fahrradtauglichen Kanalpromenade. Danach schauten er und Wüst sich den Bereich der Promenade an, wo in Zukunft die Fahrradbrücke „Aegidiitor Flyover“ entstehen soll. Scheuer nannte die Brücke einen „neuralgischen Punkt“ für die Durchlässigkeit Richtung der Fahrradstraßen rechts und links vom Aasee.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7555460?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Nachrichten-Ticker